2. Bundesliga

Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer: "Das ist brutal!"

Heidenheim: Schmidts "Leere" und eine "bescheuerte Frage"

Schnatterer: "Das ist brutal!"

Marc Schnatterer

"Es tut weh. Es ist bitter": Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer. picture alliance

In Heidenheims Fußball-Märchen gab es kein Happy End. Nach dem 2:2 gegen Werder Bremen stand aufgrund der Auswärtstorregel fest (Hinspiel 0:0), dass der FCH auch 2020/21 in der 2. Liga antreten muss. Der Bundesliga-Traum ist geplatzt. "Was am meisten wehtut: Wir haben kein Spiel verloren und haben es trotzdem nicht geschafft. Das ist brutal", sagte ein enttäuschter Kapitän Marc Schnatterer nach dem Schlusspfiff bei "DAZN".

Das einzige, was jetzt hilft, ist, sich einen hinter die Binde zu kippen.

Frank Schmidt
1. FC Heidenheim - Vereinsdaten
1. FC Heidenheim

Gründungsdatum

01.01.2007

Vereinsfarben

Rot-Blau-Weiß

Trainersteckbrief Schmidt
Schmidt

Schmidt Frank

Spielersteckbrief Theuerkauf
Theuerkauf

Theuerkauf Norman

Spielersteckbrief Schnatterer
Schnatterer

Schnatterer Marc

Bundesliga-Relegation - Relegation

Sein Trainer Frank Schmidt formulierte es beim "Amazon Prime" noch drastischer: "Wir haben zwar zweimal nicht verloren, aber man fühlt sich als Verlierer. Das einzige, was jetzt hilft, ist, sich einen hinter die Binde zu kippen. Dann ist es morgen noch schlimmer, aber wir stehen wieder auf."

Fehlstart des FCH - Kleindienst nimmt Theuerkauf in Schutz

Auf dem Schlossberg, wo die Schwaben das zweitbeste Heim-Team der 2. Liga stellten, ging der Start gehörig schief: Noch vor dem Anpfiff verletzte sich Innenverteidiger-Kante Timo Beermann beim Aufwärmen, sodass Jonas Föhrenbach kurzfristig ins Team und Norman Theuerkauf nach innen ins Abwehrzentrum rückte. Ausgerechnet Theuerkauf wurde schon in den Anfangsminuten erstmals zur tragischen Figur: Sein Klärungsversuch schlug präzise im eigenen Winkel ein (3.). "Dass es für Theuer blöd gelaufen ist, steht außer Diskussion. Aber wir brauchen ihn nicht verantwortlich zu machen. Das macht er ja nicht mit Absicht, das nimmt ihm keiner krumm", nahm Stürmer Tim Kleindienst seinen Teamkollegen in Schutz. Es war das vierte Eigentor in der Bundesliga-Relegation überhaupt.

"Es ist ungünstig, wenn du nach zwei, drei Minuten einen Gegentreffer bekommst und dann weißt, dass du zwei schießen musst", sagte Schnatterer, der überraschend in die Startelf gerückt war, hinterher. "Es ist bitter", pflichtete Schmidt bei. "Wir waren so heimstark in dieser Saison, sind leider früh in Rückstand geraten, dann ist es natürlich schwer. Das hat Bremen Rückenwind gegeben." In der Folge lief bei den Brenzstädtern nur wenig zusammen. "Wir haben die ersten und zweiten Bälle am Anfang nicht bekommen", analysierte Schmidt, dessen Team zwar immer mehr Ballbesitz bekam, aber daraus zu wenig Durchschlagskraft entwickelte. "In der Mitte der ersten Hälfte hat sich Bremen nur noch hinten reingestellt, wir haben den Ball fast schon hintenrum spielen und nach vorne tragen können, dann war es aber ein bisschen eng vor dem Sechzehner", sagte Schnatterer. "Aber wir haben uns im Vorfeld darauf eingestellt, dass wir zwei Tore brauchen, um das Spiel zu gewinnen und aufzusteigen."

Spielbericht

Heidenheim kommt zweimal zurück

Also sammelte sich Heidenheim in der Halbzeit und kam mit Wiederbeginn druckvoll aus der Kabine: Nach hochkarätigen Möglichkeiten der jeweils eingewechselten Stefan Schimmer (46., 47.) und David Otto (48.) lag der schnelle Ausgleich in der Luft. "Eigentlich muss es kurz nach der Halbzeit 1:1 stehen. Wir hatten zwei hundertprozentige Chancen, nutzen sie nicht", erinnerte sich Schmidt. "Nach der Pause hatten wir richtig gute Chancen. Wenn da schon das Tor fällt, dann wird es noch interessanter", so Schnatterer. "Aber wir haben uns nie aufgegeben."

Es dauerte bis zur 85. Minute, ehe Kleindienst per Abstauber auf 1:1 stellte und noch einmal Hoffnung aufkeimen ließ. "Eigentlich habe ich beim 1:1 gedacht, dass wir zurück sind, dass wir das Spiel drehen können", sagte Schmidt. Doch in der Nachspielzeit verlor Theuerkauf als letzter Mann den Ball - 1:2 (90.+4). "In der Schlussphase hatte ich das Gefühl, dass Bremen stehend K.o. ist. Wir haben es dann aber nicht gut und präzise genug ausgespielt, gerade über die Flügel. Bremen hat mit letzter Kraft versucht, das Ding über die Linie zu retten. Leider haben wir uns in der Nachspielzeit dann festgespielt. Das hat uns ein bisschen mürbegemacht. Mit dem 1:2 war es dann eigentlich entschieden", bilanzierte Schmidt. Zwar gelang Kleindienst per verwandelten Foulelfmeter noch der 2:2-Endstand (90.+8), doch an den Auswirkungen änderte das nichts mehr.

Aufbauarbeit auf der Ostalb

"Das ist natürlich extrem bitter. Wir kommen zweimal gut zurück, am Ende fehlt die Zeit", fasste es Kleindienst in Worte. "Die Moral war da, die Leidenschaft war da. Wir sind zweimal wieder zurückgekommen", lobte Schnatterer die Mentalität der Mannschaft. "Wir haben uns nie aufgegeben. Wir haben alles getan, gebissen und gekratzt. Es tut weh. Es ist bitter. Wir brauchen ein paar Tage, um das hinter uns zu lassen."

Wir haben uns nie aufgegeben. Wir haben alles getan, gebissen und gekratzt. Es tut weh. Es ist bitter.

Marc Schnatterer

Wie groß die Enttäuschung bei Trainer ist, wollte DAZN noch wissen. "Was für eine bescheuerte Frage?", antwortete Schmidt. "Wie groß soll die Enttäuschung sein? Wir haben uns in diese Relegation gearbeitet, gekämpft. Wir haben sie uns verdient, am Ende nicht geschafft. Dass da eine gewisse Leere da ist, ist klar", so der Trainer. "Aber es geht weiter. Es geht immer weiter. Auch wenn es in diesem Moment brutal schwer ist, weil wir daran geglaubt haben, das Spiel heute für uns zu entscheiden. Wir brauchen jetzt ein paar Tage, um das zu verarbeiten und dann geht wie immer der Blick nach vorne und der Kopf muss wieder hoch."

cru

Bilder zur Partie 1. FC Heidenheim - Werder Bremen