2. Bundesliga

Thiounes Dienstantritt beim HSV - auch bei St. Pauli war er Thema

Thiounes Dienstantritt beim HSV - auch auf St. Pauli war er Thema

"Wir gehen nur ein wenig zurück, um Anlauf zu nehmen"

Daniel Thioune

"Ich freue mich brutal. Das ist ein großer Tag für mich": Daniel Thioune, hier noch auf dem Osnabrücker Trainingsplatz. imago images

Dass er selbst der erste Derbysieg des HSV über den Stadt-Rivalen St. Pauli nach zwei sportlichen Niederlagen in der abgelaufenen Spielzeit ist, verhehlt Daniel Thioune nicht. Der neue am Montag aus Osnabrück verpflichtete und im Volkspark vorgestellte Cheftrainer war auch beim Nachbarn ein Thema und bemüht den diplomatischen Dienst: "Es geht nicht darum, wo ich am Tisch gesessen habe, sondern darum, wo ich jetzt sitze."

Der 45-Jährige hat anhand der Begehrlichkeiten, die er auf dem Markt geweckt hat, gespürt, dass er für seinen Heimatklub ein wenig zu groß geworden ist, dennoch macht er deutlich, dass die kommende Aufgabe für ihn eine besondere ist, ohne sich dabei in die Liste derer einzureihen, die den HSV als den schlafenden Riesen angepriesen haben. "Ich freue mich brutal. Das ist ein großer Tag für mich."

Der HSV will sich auf "Entwicklung" konzentrieren - "Daniel verkörpert das"

Thioune hat bis 2022 unterschrieben und kommt in einer Zeit nach Hamburg, die im Zeichen des Wandels stehen soll. "Wir werden uns den Rahmenbedingungen anpassen müssen", sagt Sportvorstand Jonas Boldt, "wir werden unser Hauptaugenmerk auf Entwicklung legen. Daniel verkörpert das mit Haut und Haar."

Der einst große HSV soll nicht mehr nach dem Hauruck-Prinzip, egal wie, zurück ins Oberhaus, es soll Vernunft Einzug halten. Das sollte üblich sein und eigentlich normal klingen. In Hamburg war es das in der Vergangenheit nicht. "Natürlich habe ich als Fußballfan ein subjektives Empfinden vom HSV der letzten zehn Jahre", sagt auch Thioune, "aber darüber zu reden, bringt uns nicht nach vorn." Und genau da will der frühere Torjäger hin. Mit dem HSV und dessen Möglichkeiten.

Thioune: "Wir wissen jetzt schon, was morgen passiert"

Mit dem Kader hat er sich eingehend beschäftigt. Und sieht viel schlummerndes Potenzial. "Brutal", findet er auch dies. "Es ist an mir, das zu wecken." Und er verrät auch, wie. Er denkt nicht im Großen, wie es in der Vergangenheit zum Selbstverständnis dieses tief gefallenen Klubs gehörte, sondern er denkt in jenen Sphären, in denen sich der HSV befindet: in der 2. Liga. "Wir wissen jetzt schon, was morgen passiert. Wir wissen, wie die Gegner in dieser Liga gegen den HSV spielen. Für viele geht es gegen diesen Klub nur darum zu bestehen. Dafür brauchen wir Lösungen, aber auch Bereitschaft, leidenschaftlich gegen den Ball zu arbeiten. Brutale Bereitschaft."

Dass in Hamburg finanziell abgespeckt werden muss, schreckt Thioune nicht, er ist es gewohnt, aus weitaus weniger Möglichkeiten viel zu machen. Und sieht die Voraussetzungen an der Elbe unverändert als "genau passend" an. "Vielleicht", sinniert er, "sieht es für viele so aus, als dass wir beim HSV gerade einen Schritt zurück machen." Dann holt er Luft und sagt: "Aber vielleicht gehen wir ja auch nur ein wenig zurück, um Anlauf für den nächsten Schritt nach vorn zu nehmen."

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"Ich bin vielleicht ein bisschen schneller gewachsen als der VfL Osnabrück"

Thioune verkneift sich während seiner Vorstellungs-Pressekonferenz die gängigen Floskeln, strahlt aber mit nahezu jeder Ausführung Lust und Hunger aus. Ohne dabei zu überziehen. Er sagt zwar einerseits diesen Satz: "Ich bin vielleicht ein bisschen schneller gewachsen als der VfL Osnabrück, es war jetzt an der Zeit von zu Hause weg und aus der Komfortzone rauszugehen." Andererseits betont er: "Ich trete diesen Job auch mit einem Maß an Demut an."

Diese Tugend, verrät er, sei auch bei den Gesprächen am Wochenende entscheidend gewesen. "Jonas Boldt hat mir aufgezeigt, wie der künftige Weg des HSV aussehen soll, und dann ging es nicht darum, dass er mich vom Verein überzeugen musste, sondern ich musste zeigen, dass ich der Richtige für diese Aufgabe bin."

Demut bei der Zielsetzung: "Wir müssen tun, nicht wollen"

Boldt sieht ihn wegen seiner Ambitionen und Inhalte als den Richtigen an, trotz zurückgeschraubtem Etat Ziele zu verwirklichen. "Auch bei der Zielsetzung", findet Thioune, "ist Demut angebracht. Wir erreichen sie nicht durch Reden. Wir müssen tun, nicht wollen. Wir müssen bereit sein, den nächsten Schritt gehen zu wollen. Dann können unsere Ziele grenzenlos sein."

Sebastian Wolff

Die HSV-Trainer seit 2008 - und ihr Punkteschnitt