Bundesliga

Kohfeldt vor Werders "Endspiel": "Wir haben sehr viel zu gewinnen"

Wie der Werder-Coach versucht, den Druck abzufedern

Kohfeldt: "Wir haben sehr viel zu gewinnen"

Will den Druck vor dem Relegationsrückspiel in Grenzen halten: Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

Will den Druck vor dem Relegationsrückspiel in Grenzen halten: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. picture alliance

Vorm vermutlich wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte wird Florian Kohfeldt betont nüchtern: "Rationaler Fußball", erklärt der Werder-Trainer, sei "der wichtigste Faktor", um am Montagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker und im Stream bei DAZN) das zweite Relegationsduell beim 1. FC Heidenheim erfolgreich zu absolvieren.

Das Abschlusstraining bestreiten die Bremer in Heidenheim

In der Kommunikation mit der Mannschaft, verrät der Fußballlehrer, seien die Verantwortlichen dementsprechend "auf eine sehr sachliche Ebene gegangen". Heißt konkret: Die immense Bedeutung der Partie für Verein, Stadt und Fans wird bewusst in den Hintergrund geschoben. Kohfeldt: "Wir stellen dieses eine Spiel in den Mittelpunkt, nicht das ganze Drumherum. Und es ist und bleibt ein Spiel."

Um die Gefahr von Ablenkungen aller Art zu minimieren, erfolgte die Abreise bereits kurz nach der obligatorischen Pressekonferenz am Sonntagvormittag. Das Abschlusstraining absolvieren die Grün-Weißen vor Ort in Heidenheim. Die Botschaft, die von Kohfeldts Worten und Maßnahmen ausgeht: Seine Profis müssen am Montag nichts Außergewöhnliches leisten, nicht über sich hinauswachsen; aber das, was sie können, konsequent und zuverlässig auf den Platz bringen. "Die Mannschaft", sagt der Trainer, "soll das Selbstbewusstsein haben, das Spiel in den 90 Minuten zu entscheiden."

"Davon haben wir doch alle geträumt, als wir klein waren"

Die Mischung, die Kohfeldt bei der Forderung nach "rationalem Fußball" vorschwebt: "Kühlen Kopf behalten, ohne dabei passiv zu werden, mit Schärfe und Aggressivität spielen." Der Versuch, den Druck nicht übergroß werden zu lassen, ist unverkennbar: "Solche Spiele mitmachen zu dürfen, ist trotz allem ein Privileg. Davon haben wir doch alle geträumt, als wir klein waren. Also: Auf nach Heidenheim."

Zugleich will Kohfeldt bewusst machen, dass es in den Köpfen der Beteiligten nicht nur um reine Schadensbegrenzung gehen darf, auch wenn die Spielzeit generell enttäuschend bleibt: "Aus dem Kontext der Gesamtsaison haben wir sehr viel zu gewinnen. Wir waren mindestens dreimal tot. Daraus beziehen wir eine Menge Motivation. Und auch in diesem Spiel müssen wir in jedem Moment mehr Lust haben zu gewinnen als Angst zu verlieren."

Friedl bleibt Favorit als Moisander-Ersatz

Das schwache Hinspiel sei mental verarbeitet, versichert Kohfeldt: "Am Donnerstagabend waren wir alle sehr enttäuscht über unsere Leistung, in Kombination mit einem sehr guten Gegner. Aber von Minute zu Minute mehr ist seitdem in unser Bewusstsein gesickert, dass uns die Ausgangslage genügend Möglichkeiten lässt. Wir wollten unbedingt ohne Gegentor bleiben, dieses Teilziel haben wir erreicht."

Erneut nicht in die Karten blicken lässt sich der Coach unterdessen bei Personalfragen. Wer den gesperrten Niklas Moisander als linken Innenverteidiger ersetzt, bleibt offen. Kohfeldt zählt lediglich die bekannten Kandidaten auf: Ömer Toprak, Sebastian Langkamp und Marco Friedl. Sogar ein "Job-Sharing" zwischen Toprak und Langkamp sei möglich, weil beide eventuell noch nicht 90 Minuten durchhalten. Dieser Plan scheint dann aber auf der neuralgischen Position im Abwehrzentrum doch allzu verwegen. Die wahrscheinlichste Variante bleibt: Linksfuß Marco Friedl rückt nach innen - und macht auf der Außenbahn Platz für Ludwig Augustinsson, dessen fußballerische Qualitäten ohnehin unverzichtbar sein dürften.

Thiemo Müller