Bundesliga

"Sané ist anders, als man von außen denkt"

Ex-Kollege Aogo spricht über Bayerns Neuzugang

"Sané ist anders, als man von außen denkt"

Leroy Sané

Verbreitet fortan in München gute Laune: Leroy Sané. Getty Images

Mit gerade einmal 20 Jahren verließ er die Bundesliga in Richtung Premier League. Auf der Insel, bei Manchester City, wollte er seine nächsten fußballerischen wie persönlichen Schritte gehen - unter Star-Trainer Pep Guardiola, den es in besagtem Sommer 2016 nach drei Jahren beim FC Bayern ebenso von Deutschland aus nach England gezogen hatte. Dort angekommen ergab sich für Sané eine völlig neue Situation: harte Konkurrenz, höchster Druck, maximale Ansprüche des Klubs wie des perfektionistischen Trainers. Gut, war nicht automatisch gut genug.

Enormes Tempo, enge Ballführung unter Top-Speed

Nach zähem ersten Halbjahr konnte er in der zweiten Saisonhälfte 2017 durchstarten. Letztlich kam er auf 22 Startelfeinsätze. Zum Vergleich: In seinem letzten Jahr vor seinem Kreuzbandriss, also der Saison 2018/19, waren es 21 Partien von Beginn an, davon durfte er nur noch elfmal durchspielen, erzielte insgesamt zehn Tore. Doch Sané wird nicht ausschließlich an Treffern gemessen. Seine Qualitäten sind das Eins-gegen-eins, das enorme Tempo, die enge Ballführung unter Top-Speed und eine tolle Schusstechnik.

Unter Pep hat er einen Riesenschritt gemacht.

Sanés ehemaliger Schalke-Kollege Dennis Aogo

Er mag es ästhetisch, mal Hacke hier und Spitze dort - was manchmal zu einem leichten Hang von Verspieltheit führt. "Aber er hat unter Pep einen Riesenschritt gemacht", sagt Dennis Aogo, der mit Sané auf Schalke zusammenspielte und noch heute mit ihm in Kontakt steht: "Früher, das war seiner Jugend geschuldet, war er unbekümmert, vielleicht etwas wild. Heute weiß er, wo seine Position ist und wie er in den gefährlichen Raum kommt. Gerade mannschaftstaktisch hat er unter Pep viel gelernt."

Es war der richtige Weg, über die Premier League zu den Bayern zu gehen.

Dennis Aogo

Auch menschlich sei Sané "reifer geworden", wie Aogo sagt: "Ich war damals auf Schalke ein Befürworter für den Wechsel nach England. Es gab ja auch Gerüchte über Bayern, aber ich meinte zu ihm, dass Pep der richtige Trainer für ihn sei, um ihn auf ein anderes Level zu bringen." Daher sei es "der richtige Weg gewesen, über die Premier League zu den Bayern zu gehen und als reifer Spieler in die Bundesliga zurückzukehren".

Jetzt sei ein guter Zeitpunkt für den Wechsel. "Ich bin froh, dass es nach Corona passiert ist", erklärt Aogo: "Das Paket ist ein anderes." Schließlich beläuft sich die Ablösesumme auf knapp 50 Millionen Euro und nicht wie voriges Jahr auf 100 bis 120 Millionen Euro. Was den Druck im vergangenen Sommer unheimlich erhöht hätte für Sané. Und doch sei der bayerische Neuzugang in der Lage "damit umzugehen", betont Aogo: "Bei Manchester City hat er nur mit absoluten Topstars trainiert und seine Zeit verbracht. Da bist du Druck gewöhnt."

Jetzt bekommt der Glamour-Bursche sein Rampenlicht - jeden Tag, rund um die Uhr

Außerdem mag Sané das Rampenlicht. War er beim Guardiola-Klub einer von vielen Stars, wird er in München als der neue Heilsbringer gefeiert. Er ist ein Glamour-Bursche, ja, er liebt die Aufmerksamkeit. Beim FC Bayern wird er sie haben, jeden Tag, rund um die Uhr. Trotzdem, so sagt Aogo, sei er "wie viele Fußballer sehr sensibel". Dass Sané auf dem Platz "von der Körpersprache bisschen überheblich" rüberkomme, "entspricht nicht seinem Naturell, er ist anders als man von außen denkt".

Georg Holzner

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