Bundesliga

Eintracht Frankfurt - Fredi Bobic: "Ohne Geld kannst du nicht einkaufen"

Eintracht Frankfurt: 90-minütige Pressekonferenz des Sportvorstandes

Bobic: "Ohne Geld kannst du nicht einkaufen" - Nach Urlaub Haken dran bei Hütter

Fredi Bobic

Umsatz-Rekord, aber dunkle Wolken sind aufgezogen: Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. picture-alliance

Finanzen

"Das Ziel war ganz klar, in der Saison 2019/20 die Marke von 300 Millionen Euro Umsatz zu knacken. Doch bei 280 Millionen war plötzlich ein Stoppschild", sagt Bobic mit Blick auf die Corona-Pandemie. Den Einnahmeverlust beziffert er auf 20 Millionen Euro, wobei die Einbußen durch den 20-prozentigen Gehaltsverzicht der Profis im zweiten Quartal etwas abgefedert werden konnten.

Ein Umsatz-Rekordjahr war es dennoch für die Eintracht, was nicht zuletzt auf die Verkäufe von Sebastien Haller (50 Millionen Euro) und Luka Jovic (60 Millionen Euro) im vergangenen Sommer zurückzuführen ist. Nun allerdings rechnet Bobic damit, dass sich die Erlöse in der kommenden Spielzeit halbieren werden: "Wenn wir davon ausgehen, dass in der Hinrunde die Heimspiele ohne Zuschauer oder nur einem Teil der Fans ausgetragen werden und es in der Rückrunde eine Vollauslastung gibt, werden wir voraussichtlich 140 Millionen Euro Umsatz erzielen." Sollte sich der Umsatz tatsächlich halbieren, wäre Frankfurt wieder auf dem Level der Pokalsiegersaison 2017/18 angekommen (140,8 Millionen Euro).

Wenn die Vorbereitung am 27. Juli beginnt, wird Bobic erneut das Gespräch mit den Profis suchen, um sie zu einem weiteren Gehaltsverzicht zu bewegen. Hinzu kommt ein Investitionsstopp in anderen Bereichen. "Die Gegenmaßnahmen sind notwendig, damit der Verein überlebt", verdeutlicht der Sportvorstand den Ernst der Lage. Der 48-Jährige ergänzt: "Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, uns ein bisschen Speck anzufressen und etwas zur Seite zu legen, aber das wird sehr schnell schmelzen." Die Corona-Krise könne Frankfurt besser abfedern als der eine oder andere Konkurrent, zu lange dürfe sie aber nicht anhalten.

Transferaktivitäten

Die betriebswirtschaftliche Planung sieht vor, dass kein Spieler gekauft und kein Spieler verkauft wird. Im Umkehrschluss bedeutet das: Erst wenn Transfererlöse erwirtschaftet werden, können Neuzugänge gekauft werden. Wenn überhaupt. Bobic gibt zu bedenken: "Thomas Müller hat die Diskussion aufgemacht: Wir können nicht sagen, dass wir wie verrückt in den Kader investieren und die Spieler gleichzeitig auf Gehalt verzichten müssen. Das wäre der falsche Ansatz. Wir müssen genau in die Bücher schauen, was möglich ist, aber erst, wenn Geld reinkommt." Der Sportvorstand rechnet mit einem "zähen und langen Transfersommer", bis am 5. Oktober das Transferfenster schließt. Sobald die anderen großen Ligen in Europa die Saison beendet haben, werde der Markt mit Spielern "überschwemmt", glaubt Bobic. Außerdem werde es mehr arbeitslose Profis geben. "Für eine Handvoll Spieler der Kategorie Leroy Sané oder Timo Werner wird es immer einen Markt geben, aber für den Großteil der Spieler wird es sehr schwierig werden", sagt der Funktionär. Bereits jetzt würden ihm "unfassbar viele Spieler angeboten", darunter auch "super interessante Spieler", aber: "Wir werden nicht in Vorkasse gehen." Bei einigen potenziellen Neuzugängen würde er "am liebsten sofort zuschlagen", doch das sei nicht möglich: "Wenn das Geld nicht da ist, kannst du nicht einkaufen."

Adi Hütters Vertragsverlängerung

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Eintracht den bis zum 30. Juni 2021 datierten Vertrag mit Cheftrainer Adi Hütter vorzeitig verlängern will. "Wir unterhalten uns die ganze Zeit und haben auch schon über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen. Ich gebe ihm die Zeit, sich im Urlaub darüber Gedanken zu machen. Danach werden wir uns zusammensetzen und schauen, dass wir einen Haken dranmachen", erläutert Bobic. Schon jetzt gebe es von beiden Seiten ein Commitment, deshalb hat er ein gutes Gefühl: "Ich habe keine großen Sorgen, wenn nicht gerade Manchester United um die Ecke kommt."

Gehaltsobergrenze

Als "gefühlter Halb-Amerikaner" ist Bobic ein Freund des Salary-Cap-Modells, das er insbesondere bei jungen Spielern unter 21 Jahren begrüßen würde. Allerdings glaubt er nicht daran, dass es in Europa zur Einführung einer Gehaltsobergrenze kommen wird: "Ich bin Realist: In Europa bekommt man nicht mal eine gemeinsame Briefmarke hin." Eine Einführung auf nationaler Ebene schließt der Manager aus, da dies zu einem Wettbewerbsnachteil mit den konkurrierenden Ligen führen würde. Eine andere Neuerung sieht er allerdings kommen: "Es wird Pandemie-Klauseln in den Verträgen geben, das musst du jetzt machen."

Filip Kostics Zukunft

Im vergangenen Sommer schob die Eintracht einem möglichen Kostic-Wechsel einen Riegel vor. Nun könnte der Serbe die Eintracht allerdings verlassen. "Sollte jemand um die Ecke kommen, an ihn denken und dementsprechend die Zahl dahinter stehen, kann es sein, dass wir dazu bereit sind, ihn freizugeben", meint Bobic. Einfacher ausgedrückt: Wenn die Ablöse stimmt, darf Kostic wohl gehen. Der Substanzverlust wäre zwar wahrscheinlich nicht zu kompensieren, ein Wechselverbot ließe sich gegenüber dem Spieler jedoch kaum begründen, nachdem vor einem Jahr Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic trotz ihres enormen sportlichen Stellenwertes gehen durften. Allerdings, so berichtet es Bobic, hätte ihm Kostic nach dem letzten Spiel gegen Paderborn versichert, in Frankfurt glücklich zu sein. Das muss freilich nicht viel bedeuten, sollte der Nationalspieler in den kommenden Monaten ein attraktives Angebot erhalten.

Der Stand bei den Leihgeschäften von Ante Rebic und André Silva

Am 2. September 2019 tauschten der AC Mailand und Eintracht Frankfurt ihre Stürmer André Silva und Ante Rebic für zwei Jahre auf Leihbasis. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schlugen beide Angreifer bei ihren neuen Klubs voll ein. Laut italienischen Zeitungsberichten will Milan Rebic nun fest verpflichten. "Italienische Zeitungen schreiben viel, mich schreiben sie auch ständig an", sagt Bobic grinsend und erklärt: "Mit dem Eigentümer von Milan haben wir uns darauf verständigt, dass wir uns demnächst mal zusammensetzen und über das Thema sprechen werden." Eine Rebic-Rückkehr nach Frankfurt hält er für unwahrscheinlich: "Ich glaube nicht, dass Ante wieder auf das Gehaltsniveau bei uns zurück will." Ob sich die Eintracht Silva über die kommende Saison hinaus leisten kann, bleibt abzuwarten. Sollte der Portugiese seine positive Entwicklung fortsetzen, könnte er in Sachen Ablöse und Gehalt unerschwinglich werden - wenn er das nicht schon jetzt ist. "André weiß, dass wir glücklich mit ihm sind. Er selber ist auch glücklich, hier in Frankfurt zu sein und kann sich vorstellen, länger zu bleiben", berichtet Bobic.

Marco Pezzaiuolis Aus im NLZ

Vor zweieinhalb Jahren dachte man sich für den zum 1. Januar 2018 verpflichteten Marco Pezzaiuoli die etwas sperrige Bezeichnung "Technischer Direktor NLZ & Profis" aus. Im Nachwuchsleistungszentrum wird der frühere Trainer der TSG Hoffenheim künftig jedoch nicht mehr anzutreffen sein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Pezzaiuoli bei Mitarbeitern und Trainern im NLZ immer mal wieder aneckte. Das räumt auch Bobic ein: "Wie der eine oder andere weiß, gab es auch ein bisschen atmosphärische Störungen am Riederwald. Aber das ist eben so, ich finde es gut, wenn es zwischendrin ein bisschen knallt, davon wird man besser." Was schlussendlich dazu führte, dass der 51-Jährige künftig nicht mehr im NLZ tätig sein wird, verriet Bobic auf der Pressekonferenz nicht. Auch NLZ-Leiter Andreas Möller wollte sich dazu auf kicker-Nachfrage nicht äußern. Bobic lobt allerdings, dass Pezzaiuoli die U19, die er seit März 2019 trainierte und als Technischer Direktor begleitete, stabilisierte und sich mit vielen Ideen bei der Entwicklung einer einheitlichen Spielkonzeption für aller Altersklassen einbrachte - dieser Prozess ist noch immer nicht abgeschlossen. Pezzaiuoli soll sein Tätigkeitsfeld künftig komplett bei den Profis haben. "Die Trainer sind sehr froh, dass sie noch einen Trainer haben, der mit den jungen Spielern Sonderschichten schiebt, weil wir Ende Juli erst mal einen größeren Kader vorfinden werden. Es ist gut, dass er bei uns ist und diese Spieler weiterbringt", erläutert Bobic. Wie schon vor zwei Jahren wird es somit wohl erneut eine sogenannte "Trainingsgruppe 2" geben. Sechs Leihspieler mit teils geringer sportlicher Perspektive werden - Stand jetzt - zurückkehren. Hinzu kommt: Profis wie Lucas Torro oder Erik Durm kamen zuletzt trotz der vielen englischen Wochen kaum zum Einsatz. Der Kader muss noch deutlich verkleinert werden - kein leichtes Unterfangen in diesem Transfersommer. Pezzaiuoli leitete schon zuletzt kleine 4er, 5er Gruppen an. Ein neuer U-19-Trainer soll innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen präsentiert werden. Aus der angedachten Wiedereinführung einer U-23-Mannschaft wird dagegen vorerst nichts. Die Eintracht prüfte die Möglichkeiten, aufgrund des Sparzwangs durch Corona wird es jedoch in der näheren Zukunft keine U 23 geben. Bobic sagt: "Ich wäre schon ein großer Fan davon, wenn wir das irgendwann hinbekommen könnten. Jetzt ist dafür aber der komplett falsche Zeitpunkt."

Julian Franzke

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