3. Liga

Eintracht Braunschweig: Die Achterbahnfahrt zum Aufstieg

Verlängert Antwerpen jetzt? - Mehrere Tausend Fans feiern

"Ein Herzinfarkt nach dem anderen": Braunschweigs Achterbahnfahrt zum Aufstieg

Marco Antwerpen

Blieb nicht lange trocken: Braunschweigs Trainer Marco Antwerpen (Mitte). imago images

Den entscheidenden Treffer zum Aufstieg bejubelten die Eintracht-Spieler zwar gemeinsam auf dem Platz, allerdings hatten sie ihn gar nicht erzielt. Er war nicht einmal in Braunschweig gefallen, sondern einige hundert Kilometer südöstlich in München. Das Spiel zwischen dem FC Bayern II und dem MSV Duisburg lief wegen einer Regen-Unterbrechung noch, als der Braunschweiger Erfolg über Mannheim längst unter Dach und Fach war. Und so sahen Mannschaft und Trainerteam auf der Stadionleinwand, wie Bayern-Angreifer Leon Dajaku den Ball in der zweiten Minute der Nachspielzeit ins Duisburger Tor hämmerte - 2:2 in München, Ekstase in Braunschweig.

"Wir können es noch nicht ganz realisieren, dass da noch der Ausgleich in München gefallen ist", gab Trainer Marco Antwerpen Minuten später bei "Magenta Sport" zu. Er hatte sich das Trikot von Mittelfeldspieler Marc Pfitzner übergezogen, während des Interviews wurde ihm das obligatorische Aufstiegsshirt gereicht. Es war das emotionale Ende einer Achterbahnfahrt der letzten Tage, die ihren Anfang bereits am vergangenen Samstag genommen hatte. Da hätten die Niedersachsen bereits einen großen Schritt in Richtung Zweitliga-Rückkehr machen können und hatten beim Auswärtsspiel in Zwickau in der 90. Minute den vermeintlichen Siegtreffer erzielt. Doch die Sachsen schlugen in einer dramatischen Nachspielzeit noch doppelt zu - und der BTSV stand mit leeren Händen da.

Sogar das Wetter stimmt mit ein: Braunschweig erlebt ein Auf und Ab

Und am Mittwoch? Ging es wegen der eigenen ereignisreichen Partie gegen Mannheim und den Parallelspielen von Ingolstadt und Duisburg gerade so weiter. Braunschweig führte, dann wieder nicht. Braunschweig führte wieder, dann wieder nicht. Braunschweig war aufgestiegen, dann wieder nicht. Und ganz am Ende dann doch. Sogar das Wetter hatte in dieses Wechselspiel mit eingestimmt: Zu Beginn des zweiten Durchgangs hatte es in Braunschweig wie aus Kübeln gegossen, quasi pünktlich zur Schlussphase zeigte sich dann die Sonne wieder. Fast schon bezeichnend für dieses Auf und Ab: Mannheims Valmir Sulejmani traf in der 71. Minute das Lattenkreuz, Zentimeter fehlten zur Waldhof-Führung - und nur zwei Minuten später erzielte Martin Kobylanski den Siegtreffer für die Eintracht.

"Heute habe ich einen Herzinfarkt nach dem anderen gekriegt", sagte Sportdirektor Peter Vollmann. Blickt man auf die Saison zurück, könnte man sagen: Anders konnte es nicht kommen. Denn die gesamte Saison war alles andere als schnurstracks in Richtung Aufstieg verlaufen. Im Sommer hatte Trainer André Schubert den Verein in Richtung Kiel verlassen, sein Nachfolger Christian Flüthmann wurde bereits im November entlassen. Und auch unter Antwerpen war es nicht immer gut gelaufen. Unmittelbar vor der Corona-Unterbrechung stürzte Braunschweig nach einem 0:3 in Rostock auf Tabellenplatz neun ab, der Aufstieg schien in weite Ferne zu rücken.

Braunschweig ist "Corona-Gewinner" - Bleibt Antwerpen?

Doch die Eintracht mauserte sich quasi zum "Corona-Gewinner" und kam bärenstark aus der Pause. In Zwickau kassierte das Team die einzige Niederlage nach dem Re-Start, ansonsten standen sieben Siege, zwei Unentschieden - und jetzt der vorzeitige Aufstieg. "Die Vorbereitungszeit in der Pause war wichtig", bekannte Antwerpen. "Jetzt haben wir das Maximum rausgeholt." Von Sportdirektor Vollmann erhielt der Eintracht-Coach ein großes Lob. "Ich möchte mich beim Trainer bedanken, der Überragendes geleistet hat nach der Corona-Krise", stellte er klar. "Das war sensationell."

Und jetzt? Antwerpens Vertrag läuft zum Saisonende aus. Bleibt der 48-Jährige auch in der 2. Bundesliga Eintracht-Coach? Vollmann wollte noch keine Entscheidung verkünden. "Wir trinken jetzt erstmal einen", sagte der Sportdirektor, "und den Rest machen wir dann morgen."

Mehrere Tausend Fans feiern

Mehrere tausend Fans feierten anschließend den Aufstieg ihrer Löwen, viele versammelten sich vor dem Eintracht-Stadion, um mit der Mannschaft zu feiern. Die Spieler standen währenddessen an den Hinterausgängen der Haupttribüne. Zeitgleich fanden in der Stadt mehrere Autokorsos statt. Trotz der Kontaktbeschränkungen während der aktuellen Corona-Pandemie hatte es solche Bilder zuletzt auch nach dem Bundesliga-Aufstieg von Arminia Bielefeld oder dem Zweitliga-Abstieg von Dynamo Dresden gegeben.

mib