3. Liga

Verl trotzt drei Rückständen: "Die Pokalspiele haben uns stark gemacht"

Lok Leipzig hadert mit Schiedsrichter-Verletzung

Verl trotzt drei Rückständen: "Die Pokalspiele haben uns stark gemacht"

Grenzenlose Freude: Verl feiert sich und den Aufstieg.

Grenzenlose Freude: Verl feiert sich und den Aufstieg. imago images

Dreimal lagen die Verler gegen die Leipziger in den beiden Spielen zurück, doch weil sie im Auswärtsspiel bei Lok das "bessere" Unentschieden erzielten, werden sie nach dem 2:2 im Hinspiel erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in den Profi-Fußball befördert. "Ich weiß gar nicht, ob ich die passenden Worte finden kann", sagte ein nach dem Schlusspfiff überglücklicher SC-Trainer Guerino Capretti gegenüber MagentaSport. "Wir lagen immer hinten, aber die Jungs haben sich dagegengestemmt, haben immer wieder Fußball gespielt, sind klar im Kopf geblieben."

Stöckners "wunderschöner" Fauxpas

Besonders happy wird Verls Julian Stöckner gewesen sein, denn dem Kapitän der Nordrhein-Westfalen unterlief ein blitzsauberes Eigentor, als er unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff eine Flanke von Maik Salewski per Kopf "wunderschön" über seinen verdutzten Keeper Robin Brüseke verlängerte. Fortan nutzte der Verler Abwehrchef jede Gelegenheit, sich vorne einzuschalten, um seinen Fauxpas wieder auszubügeln. Beim umjubelten Ausgleichstreffer von Ron Schallenberg war er dann aber nicht beteiligt - der 21-Jährige schob eine Schikowski-Flanke von der rechte Seite überlegt ins Eck. Nach dem Spiel hatte er eine Erklärung parat, warum die Verler diese Aufstiegsspiele für sich entscheiden konnten: "Die Pokalspiele haben uns so viel Erfahrung gebracht, die haben uns stark gemacht", sagte Schallenberg in Bezug auf die drei DFB-Pokalspiele gegen den Bundesligisten FC Augsburg (2:1), den Zweitligisten Holstein Kiel (8:7 i.E.) und das 0:1 gegen Bundesligist Union Berlin.

Den besonderen Finalcharakter des Duells bezog auch Coach Capretti in seine Gesamtanalyse mit ein. "Das war ein Endspiel und in den richtigen Momenten haben wir dann auch unsere Tore gemacht. Insofern bin ich auch davon überzeugt, dass wir verdient aufgestiegen sind", so der 38-Jährige, der die besondere Dramatik der Aufstiegsspiele betonte. "Es war am Schluss dann sehr emotional, da habe ich die eine oder andere Träne vergossen. Das wird mir heute Abend wahrscheinlich nochmal passieren. Das darf man aber auch!"

Lok verliert den Rhythmus

Ein Häufchen Elend: Die Lok-Spieler, hier Sascha Pfeffer, nach dem Scheitern in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga.

Ein Häufchen Elend: Die Lok-Spieler, hier Sascha Pfeffer, nach dem Scheitern in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga. imago images

Tränen der Trauer indes gab es bei den Leipzigern - die nun ein weiteres Jahr in der Regionalliga Nordost bleiben müssen, obwohl sie im gesamten Saisonverlauf nur ein einziges Spiel verloren - ausgerechnet das Derby gegen Chemie Leipzig (0:2). Doch viel mehr schmerzen natürlich die beiden Unentschieden gegen Verl. "Das ist unfassbar traurig. Ich bin unglaublich leer. Für die Mannschaft, für die Fans, für alle tut es mir einfach leid", so Patrick Wolf gegenüber MagentaSport. Der Sohn des Trainers haderte insbesondere mit der unglücklichen Verletzung von Schiedsrichter Arne Aarnink, der früh im zweiten Abschnitt wegen einer Muskelverletzung die Pfeife an den vierten Offiziellen Franz Bokop übergeben musste. "Wir führen 1:0, sind nach der Pause super drin im Spiel, dann die Unterbrechung durch die Verletzung vom Schiedsrichter - wenn man beide Spiele zusammen sieht, dann hat uns einfach das Quäntchen Glück gefehlt", so Wolf Junior.

Ich habe den Jungs gesagt, wie schön es ist, auf dem Heimweg an jeder Raststätte halt zu machen!

Wolfgang Wolf

Sein Vater Wolfgang hatte seine Mannschaft vergeblich heiß gemacht für eine besondere Rückreise nach Leipzig. In der zwölfminütigen Nachspielzeit warf Lok alles nach vorne, doch die Verler Defensive rettete das Remis über die Zeit. "Ich habe den Jungs gesagt, wie schön es ist, auf dem Heimweg an jeder Raststätte halt zu machen! Mehr Geschlossenheit wie bei uns geht gar nicht. Meine Mannschaft ist da sensationell, sie hat Mut, sie hat Willen!"

Der weite Weg von der Bielefelder Alm - Verl musste wegen der Corona-bedingten Einschränkungen im Kreis Gütersloh umziehen - nach Sachsen dürfte eher in bedrückender Stimmung zurückgelegt worden sein. Ob der Mannschaftsbus von Lok doch die eine oder andere Ausfahrt nahm, ist nicht bekannt.

bst