2. Bundesliga

Kellers Aus ist logisch - Palikuca muss ins Zentrum der Gesamtanalyse

Kommentar zur Lage beim 1. FC Nürnberg

Kellers Aus ist logisch - Palikuca muss ins Zentrum der Gesamtanalyse

Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca

Bei der Gesamtanalyse wird er im Zentrum stehen: Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca. picture-alliance

Es wirkte fast schon grotesk, wie emotionslos Keller jeden Rückschlag kommentierte, den Glauben an die Rettung lebte er öffentlich jedenfalls nicht vor. Ähnliches widerfuhr vor einem Jahr schon dem FC Ingolstadt, der Keller ebenfalls während der Saison holte, wieder entließ und trotzdem abstieg.

Palikuca stärkte Keller bis zuletzt den Rücken

Der Letzte hieß im Fall Keller übrigens Robert Palikuca. Wie man etwas verkauft und was die Wahrheit wirklich ist, das sind im Profifußball mitunter zwei verschiedene Paar Schuhe. Bis zuletzt stellte sich der Sportvorstand öffentlich vor diesen Trainer, keine Floskel war abgegriffen genug, um das Positive zu betonen, das es in Wirklichkeit nicht gab.

Trainerauswahl, Kaderzusammenstellung: Note Sechs, setzen!

Palikucas Worte zu Kellers Trennung ähneln denen zur Freistellung Damir Canadis im November. Der Sportvorstand-Novize hat in seiner ersten Saison am Valznerweiher zweimal bei der Trainerwahl danebengelegen, zudem in Relation zum Etat einen untauglichen Kader gebastelt. In der Schule hieße das: Sechs, setzen!

Daher kann die Trennung von Keller nur der erste, überfällige Schritt sein, in einer Gesamtanalyse dieser schon jetzt missratenen Saison muss Palikucas Name unabhängig vom finalen Akt Relegation die Hauptrolle spielen. Er müsste vor dem Aufsichtsrat schon sehr überzeugende Argumente für eine Weiterbeschäftigung über das Saisonende hinaus finden.

Keine Impulse seitens des Aufsichtsrates

Allerdings hört auch bei Palikuca die Misere nicht auf. Verharrt der FCN in seinen verkrusteten Strukturen, wird sich das Hamsterrad weiterdrehen. Und da sind auch die Mitglieder dieses Vereins gefordert, denn sie wählen schließlich den neunköpfigen Aufsichtsrat, der sich in Person des Vorsitzenden Thomas Grethlein zwar gern in der prominenten Rolle sonnt, den Club aber auch nicht entscheidend vorangebracht hat. Eine Heilung kann vor allem aus dem Inneren gelingen, bei der Personalauswahl bedarf es nicht eines glücklicheren, sondern eines besseren Händchens als zuletzt. Vor allem müsste das Nachwuchsleistungszentrum zu einer Trumpfkarte werden, um neue Spielerwerte zu generieren.

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Wiesinger/Mintal - diese Lösung hat Charme

Das ist Zukunftsmusik, in der Gegenwart soll das Duo Michael Wiesinger/Marek Mintal den GAU Durchmarsch in die Drittklassigkeit abwenden. Diese interne Lösung - Wiesinger ist beim Club NLZ-Chef, Mintal trainiert die U 21 - für die Relegation ist naheliegend und besitzt Charme. Wiesinger besitzt Erfahrung in der Relegation zwischen diesen beiden Ligen, vor zehn Jahren besiegte er mit Ingolstadt den Zweitligisten Hansa Rostock.

Zwei Club-Legenden, die diesen sportlich leidgeplagten Verein aus dem Effeff kennen und keine lange Anlaufzeit brauchen. Unlösbar ist diese Herausforderung keineswegs. Wiesinger und Mintal müssen an ein paar taktischen und personellen Stellschrauben drehen, den Spielern vor allem aber Selbstvertrauen einimpfen. Mit zwei Worten: Aufbruchstimmung erzeugen.

Die hat es seit dem Bundesliga-Aufstieg 2018 nicht mehr gegeben, schon in jenem Moment begann der qualvolle Abstieg der vergangenen zwei Jahre.

kicker.tv Stimmen

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