Bundesliga

Ehemaliges S04-Ehrenratsmitglied greift Tönnies an

Kornelia Toporzysek spricht über S04-Boss

Ehemaliges S04-Ehrenratsmitglied greift Tönnies an

In der Kritik: Schalke-Boss Clemens Tönnies.

In der Kritik: Schalke-Boss Clemens Tönnies. imago images

Die Ultras Gelsenkirchen hatten dem Ehrenrat in ihrem kritischen Schreiben vom vergangenen Montag einen ganzen Absatz gewidmet. Dort tauchte auch der Name eines ehemaligen Mitglieds auf: Kornelia Toporzysek.

Das Gremium habe mit seinen Entscheidungen schon mehrmals "einen faden Beigeschmack hinterlassen". Besonders das Verhalten des Ehrenrats in der Causa Tönnies wurde heftig kritisiert, die "anschließende Posse um das Ehrenratsverfahren, das im Rücktritt von Kornelia Toporzysek gipfelte", werfe bis heute "zahlreiche Fragen auf". Auch neun Monate später habe es "keinerlei offizielle Stellungnahme oder Information seitens des Vereins zu diesem Rücktritt" gegeben. Zudem sei der unbesetzte fünfte Platz bis heute nicht besetzt worden. "Transparenz? Fehlanzeige! Sämtliche Anträge, den Ehrenrat neu zu gestalten, wurden vom Verein nicht zur Mitgliederversammlung zugelassen", heißt es weiter in dem Schreiben.

Toporzysek hatte sich lange nicht zum Rücktritt geäußert, nun hat sie sich aber zu Wort gemeldet. Der Verein versuche, "die Sache totzuschweigen", sagte sie im Interview mit "11Freunde". Auch die Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf hofft nun auf grundlegende Änderungen: "Wir müssen jetzt möglichst viel Druck auf die Straße bringen." Für den Samstag haben die Schalker Fans Proteste gegen den Vereinsboss angekündigt.

"Tiefer geht's nicht

Schließlich jage bei Schalke "ein PR-Desaster das nächste", die sportliche Situation mit 15 Spielen ohne Sieg kommt dazu. "Der Verein verlangt einem nicht nur fußballerisch, sondern auch vereinspolitisch und in der Außendarstellung alles ab. Das ist kaum noch zu ertragen. Tiefer geht's nicht", so Toporzysek weiter.

Im Juni 2019 war Toporzysek in den Ehrenrat berufen worden, am 17. September trat sie bereits zurück. Auslöser war das Verhalten des Gremiums nach den rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies. "Ich bin damals angetreten, um meine juristische Kompetenz zum Wohle des Vereins einzubringen. Ich hatte aber den Eindruck, dass man von mir als Mitglied des Ehrenrats nicht in erster Linie kompetente und qualifizierte juristische Arbeit im Gremium erwartet, sondern Loyalität und Dankbarkeit gegenüber bestimmten Personen."

Ferner sprach Toporzysek von einem "System Tönnies. Der FC Schalke 04 beugt sich den Interessen seines Aufsichtsratsvorsitzenden. Ich glaube Clemens Tönnies, dass er Schalker durch und durch ist und dass ihm dieser Verein am Herzen liegt. Es gibt jedoch Punkte, an denen seine Interessen nicht mehr deckungsgleich mit denen des Vereins sind."

Rassismus? Toporzysek war von der Diskussion überrascht

Der Umgang im Gremium mit Tönnies' rassistischen Äußerungen bewog Toporzysek letztlich dazu, den Ehrenrat zu verlassen. "Nach allen Definitionen, die ich kenne, war diese Äußerung rassistisch. Auch weite Teile der Öffentlichkeit scheinen ja dieser Auffassung zu sein. Ich war überrascht, dass wir im Gremium überhaupt darüber gestritten haben."

Tönnies wurde letztlich mit einer dreimonatigen Sperre belegt. Eine Strafe, die der Schalke-Boss im Übrigen selbst festgesetzt hatte. In der Vereinsmitteilung hieß es seinerzeit, ein Rassismusvorwurf sei "unbegründet", ein Verstoß gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot sei Tönnies aber vorzuwerfen.

Lesen Sie auch den Kommentar von Toni Lieto aus dem August 2019: Dass Tönnies sein eigenes Urteil fällt, ist peinlich

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