Bundesliga

Kommentar zum Abstieg von Fortuna: Düsseldorfer Totalschaden - und Umbau XXL

Kommentar von kicker-Redakteur Oliver Bitter

Düsseldorfer Totalschaden - und Umbau XXL

Sichtlich geknickt: Fortunas Trainer Uwe Rösler.

Sichtlich geknickt: Fortunas Trainer Uwe Rösler. imago images

Die wichtigste Personalie ist längst besprochen: Trainer Uwe Rösler, der Ende Januar auf Friedhelm Funkel folgte, soll weitermachen, auch wenn der Deutsche Meister von 1933 unter seiner Regie in 15 Ligaspielen nur zwei Siege einfuhr. Dennoch war die Handschrift des Trainers lange Zeit deutlich zu erkennen: Mit viel Leidenschaft stemmte sich die Mannschaft häufig gegen den Abstieg, ließ aber allzu oft Punkte nach Führung liegen. Und enttäuschte in Berlin (0:3) zum Abschluss komplett. Das war ein Absturz aller Systeme.

Nun wird sich allerdings zeigen müssen, wieviel die Bekenntnisse von Vorstandschef Thomas Röttgermann und Sportvorstand Uwe Klein nach dem Totalschaden am 34. Spieltag wert sind. Geht es tatsächlich weiter mit Rösler, auch wenn der in seiner Amtszeit letztlich keine Mittel fand, mit seinem Team das rettende Ufer zu erreichen? Mit einer Mannschaft, die gegen Augsburg den Matchball vergab, als sie völlig neben sich stand, und dann auch gegen Union komplett versagte?

Fortuna liegt am Boden

Die totale Bauchlandung am letzten Spieltag trifft den Verein bis ins Mark. Der ehrgeizige Plan, sich längerfristig in der Bundesliga zu etablieren, endete im totalen Schiffbruch. Nach jahrelanger Aufbauarbeit liegt Fortuna nach einer sehr wechselvollen Saison mit bitterem Ausklang nun wieder am Boden und muss sich komplett neu orientieren. Nach einem Intermezzo von zwei Jahren in der Bundesliga also geht es zweitklassig weiter beim Pokalsieger von 1979 und 1980.

Vor einem Jahr erwischten die Fortunen als Aufsteiger unter Friedhelm Funkel einen idealen Verlauf. Platz zehn des Vorjahres aber war bei den Rot-Weißen nie der Maßstab, zumal im Sommer die beiden treffsichersten Angreifer Raman und Lukebakio nicht zu halten waren und Spielmacher Stöger ein halbes Jahr ausfiel. Personelle Schwächungen, die Fortuna nicht kompensieren konnte.

Der Trainerwechsel war unvermeidbar

Auch wenn Rösler die Rettung nicht gelang: Der Trainerwechsel Ende Januar war konsequent und unvermeidbar, auch wenn klar war, dass die Trennung von dem bei Spielern und Fans sehr beliebten Funkel nicht ohne Ruckeln ablaufen würde. Der neue Kurs mit mehr Mut und mehr Initiative auf dem Platz bekam der Mannschaft zunächst gut. Fortuna blieb konkurrenzfähig bis zum Schluss - bis zum bitteren Ende an der Alten Försterei. Und es bleibt aufzuarbeiten, warum das Team dem Druck am Ende nicht standhielt.

Natürlich lügt auch hier die Tabelle nicht. Doch dass die Düsseldorfer unter Rösler nur zwei Spiele gewannen, spiegelt den spielerischen Aufschwung nur unzureichend wider; das darf der letztlich erfolgte Absturz nicht überlagern. Auch gegen deutlich besser positionierte Teams hielten die Fortunen meist beachtlich mit, kassierten gegen Dortmund in der Nachspielzeit das 0:1, verspielten gegen Köln eine Zwei-Tore-, gegen Hertha eine Drei-Tore-Führung.

Gewaltiger Umbruch steht jetzt an

Und nun? Nach dem sechsten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte fällt der Umbruch des Kaders noch gewaltiger aus als ohnehin geplant. Neun Festverträge laufen aus, dazu sieben Leih-Vereinbarungen. Statt 38 Millionen aus dem TV-Vertrag muss Fortuna als Zweitligist mit nur 21 Millionen kalkulieren. Spieler wie Ayhan, Karaman, Thommy sind nicht zu halten, der Abschied von Steffen, Berisha und Jörgensen war ohnehin klar, Suttner geht, Kapitän Fink hört auf. Die Routiniers Bodzek und Hennings sowie Zimmermann und Hoffmann werden zum Gerüst gehören, in allen Mannschaftsteilen wird neu sortiert: Eine gewaltige Aufgabe für den neuen Sportvorstand Uwe Klein - und auch für Rösler?

Klein, Nachfolger von Lutz Pfannenstiel, hat im Scoutingbereich seit Jahren wertvolle Arbeit für Fortuna geleistet. Auf Vorstandsebene muss er sich erst noch bewähren, aber eines hat er schon bewiesen: Dass er mit wenig Geld eine Mannschaft mit Qualität aufbauen kann. Nun also müssen die Düsseldorfer wieder mit bescheidenen Mitteln versuchen, sportlich Anschluss zu finden.

Dass ein Comeback lange dauern kann, kennen sie bei der Fortuna, die von 2002 bis 2004 sogar in der 4. Liga herumdümpelte, allerdings auch: Nach dem bisher letzten Abstieg dauerte es fünf Jahre bis zur Rückkehr in die Bundesliga.

Bilder zur Partie 1. FC Union Berlin - Fortuna Düsseldorf