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MegaBit: "Ein schlechtes Wochenende, und alles ist vorbei"

Titelverteidiger der Virtual Bundesliga im Interview

MegaBit: "Ein schlechtes Wochenende, und alles ist vorbei"

Michael 'MegaBit' Bittner gehört als Titelverteidiger auch in diesem Jahr zu den Favoriten beim VBL Grand Final.

Michael 'MegaBit' Bittner gehört als Titelverteidiger auch in diesem Jahr zu den Favoriten beim VBL Grand Final. DFL

Noch nie konnte ein Einzelspieler seinen Titel in der Virtual Bundesliga verteidigen. Was gibt Dir die Hoffnung, dass Du diese Serie in diesem Jahr brechen kannst?

Hoffnung gibt mir, dass ich trotz Problemen mit dem doch defensivorientierten FIFA 20-Spiel, den Titel in der VBL Club Championship gemeinsam mit 'Dr. Erhano' verteidigen konnte und in den Einzelstatistiken am Ende wieder ganz oben gestanden habe. Dadurch konnte ich mir vor allem für den 85er-Modus wichtiges Selbstbewusstsein und Vertrauen in mein Spiel holen. Die lange Wettkampfpause wird mit Sicherheit für Verschiebungen im Teilnehmerfeld sorgen. Ich denke, dass sowohl die Topspieler als auch die vermeintlichen Underdogs eine Chance haben, beim VBL Grand Final zu überraschen. Wichtig ist, dass sich keiner vom Titel abhängig machen lässt. Es kann letztendlich nur einen Gewinner geben, der im Spotlight steht, aber auch das Erreichen des Halb- oder Viertelfinals einer deutschen Meisterschaft ist bereits ein sehr großer Erfolg. Durch meinen Titelgewinn im vergangenen Jahr kann ich etwas lockerer aufspielen, weil ich mich bereits deutscher Meister nennen durfte. Das nimmt mir etwas den Druck von den Schultern, sodass ich nach dem Motto "Je mehr, desto besser" spielen kann.

Siehst du die ungewohnt lange Vorbereitungszeit ohne offizielle Wettbewerbe für dich persönlich als Vor- oder Nachteil?

Die Corona-Zeit war und ist für jeden Menschen eine große Umstellung. Viele haben gemeint, dass der FIFA-eSport davon nicht sonderlich betroffen sein wird, weil wir ja theoretisch online weiterspielen könnten. Am Ende kam es aber ja bekanntlich ganz anders, unter anderem wurden die großen Turniere der FIFA 20 Global Series abgesagt. Jeder eSportler hat die Teilnahme an der WM oder den Playoffs zum Ziel, darauf arbeiten wir das gesamte Jahr hin. Natürlich war es nach der offiziellen Bekanntgabe durch EA nicht einfach, die Motivation aufrechtzuerhalten. Im Gegenzug hat die angekündigte Austragung des VBL Grand Finals aber auch wieder für einen Motivationspush in der Vorbereitung gesorgt. Die Priorisierung in den vergangenen Wochen hat sich größtenteils sicher auf den 85er-Modus verschoben, das hat jeder in den Streams der eSportler gesehen. Nach drei Monaten ohne offiziellen Wettbewerb ist es schwierig, entsprechende Analysen zu den Entwicklungen der Konkurrenz anzustellen.

Bist Du tendenziell eher glücklich, dass das Finale jetzt stattfindet, oder traurig, dass es online ist?

Ich bin in allererster Linie sehr glücklich, dass überhaupt etwas stattfindet. Im Hinblick auf mögliche Verbindungsprobleme bin ich gespannt, da wir alle mit Face-Cam streamen müssen, um eine optimale Übertragung der Geschehnisse zu gewährleisten. In der Theorie kann es also zu Problemen kommen, vor allem wenn wir mit einer Peer-to-Peer-Connection gegeneinander spielen. Das ist etwas, dass man sich für eine deutsche Meisterschaft nicht wünscht. Es lässt sich aktuell aber nicht anders darstellen, weshalb ich mich dennoch auf das Event freue.

Das zeigt, dass wir viele konstante Spieler in Deutschland haben.

Welche Schlüsse können aus dem Abschneiden in der VBL Club Championship hinsichtlich des Grand Finals gezogen werden?

Klar ist, dass die Leistungen in der VBL Club Championship zwischen November 2019 und Februar 2020 durchaus einen Ausblick auf die Qualität eines Spielers in FIFA 20 geben. Dass sich beispielsweise ein 'fifabio97' in den letzten vier Monaten weiterentwickelt hat und vielleicht noch mal stärker geworden ist, davon ist auszugehen. Das betrifft aber auch einige der anderen Spieler. Vor allem die Spieler der eNationalmannschaft haben in FIFA 20 eine enorme Konstanz auf den virtuellen Rasen gebracht, insbesondere auf der Xbox-Seite. Dazu kommen mit 'xImpact10x' und 'Dubzje' zwei Profis, die im Rahmen der VBL Club Championship überzeugt haben sowie 'yannic0109' vom FC Augsburg, der sich das zweite Jahr in Folge über die Playoffs für das VBL Grand Final qualifiziert hat, nachdem er im vergangenen Jahr bis ins Halbfinale vorgestoßen war. Das zeigt, dass wir viele konstante Spieler in Deutschland haben.

Welchen Stellenwert besitzt das VBL Grand Final, auch vor dem Hintergrund des abgesagten eWorld Cups und im Vergleich zur Club Championship?

Das ist eine Frage, die ich so pauschal nicht beantworten kann, weil da sehr viele unterschiedliche Faktoren mit hineinspielen. Ich finde die Idee hinter der Club Championship, bei der der Verein im Vordergrund steht, großartig, auch weil sie dem Zuschauer einen leichteren Zugang gibt und er sich mit seinem Verein besser identifizieren kann als mit einem Einzelspieler, der nur das Trikot des Vereins trägt. Das übergeordnete Teamfeeling inklusive der Verantwortung für alle, die an dem Erfolg beteiligt sind, macht den Modus in Kombination mit der enormen Konstanz, die für einen Titel aufgebracht werden muss, zu einem wichtigen Teil unseres Spieljahres. Beim VBL Grand Final steht die Konstanz nicht mehr so im Vordergrund, da reicht ein eher schlechtes Wochenende und alles ist vorbei. Von der Reputation her ist die VBL als Einzelwettbewerb wahrscheinlich wichtiger, weil es eben um den einen deutschen Meister geht, aber mit Blick auf die spielerische Konstanz und stabilen Leistungen steht die Club Championship für mich an erster Stelle.

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Du hattest zuletzt sogar einen Auftritt mit Erhan 'Dr. Erhano' Kayman gemeinsam im traditionsreichen ZDF-Fernsehgarten. Ein weiterer Schritt des eFootballs hin zur bürgerlichen Mitte?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der FIFA-eSport noch in den Kinderschuhen steckt. Dabei kommt auch uns Spielern eine Rolle zu, die gegen Vorurteile kämpfen muss und die Wahrheit nach außen transportieren soll. Ich habe es im Nachhinein auf Instagram, glaube ich, ganz gut zusammengefasst: Für mich ist eigentlich ein Traum wahr geworden, von dem ich nie geträumt habe. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen darüber sprechen zu dürfen, was wir hier eigentlich machen, ist schon etwas Besonderes gewesen. Auch weil wir eine ganz andere Zielgruppe als sonst angesprochen haben, das Durchschnittsalter der Zuschauer des ZDF-Fernsehgarten liegt bei über 50. Die Einbindung in die Gesellschaft ist ein langer Prozess, der noch einige Zeit andauern wird. Das habe ich in den vergangenen Jahren oft genug gespürt, auch wenn die Bereitschaft, sich dem Thema intensiver zu widmen, von Tag zu Tag steigt.

Werder Bremen ist im eSport aktuell das A und O.

Auf dem realen Rasen läuft es für den SV Werder Bremen aktuell nicht sonderlich gut, der Abstieg in die 2. Bundesliga droht. Beeinflusst das auch Deine Arbeit auf dem virtuellen Rasen?

Natürlich beschäftigt mich die gegenwärtige Situation. Ich fiebere bei jedem Spiel mit und hoffe, dass die letzte, kleine Chance am Wochenende irgendwie noch genutzt werden kann. Da am Samstag ja keine Partien gespielt werden, selbst wenn ich noch im Turnier bin, kann ich das Spiel gegen Köln live verfolgen und beide Daumen drücken. Am Mittwoch oder Donnerstag interessiert es mich aber, ehrlich gesagt, herzlich wenig, was da am Samstag möglicherweise passieren könnte. Da muss ich Profi genug sein, einen möglichen Abstieg der Fußball-Bundesliga-Mannschaft auszublenden und meine Leistung bringen. Mir ist aber durchaus bewusst, dass es ein paar komische Szenarien geben könnte, sollte ich am Sonntag noch im Turnier und Werder einen Tag vorher abgestiegen sein. Am Ende ist aber auch klar: Ich bin FIFA-Spieler des SV Werder Bremen und kein aktiver Fußballer auf dem Rasen.

Ist Deine sportliche Zukunft auch bei einem Abstieg der Bundesliga-Mannschaft gesichert? Spielt die Ligazugehörigkeit des Vereins eine Rolle für Dich und mögliche finanzielle Aspekte?

Ich mache meine Zukunft überhaupt nicht davon abhängig, ob der Verein in der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga spielt. Vor ein paar Jahren wäre das sicherlich noch ein Thema gewesen, aber der SV Werder Bremen ist im eSport aktuell das A und O. Wir haben zweimal in Folge die VBL Club Championship gewonnen, die Professionalität der Herangehensweise ist nahezu einzigartig in Deutschland und ich fühle mich im Verein sehr wertgeschätzt. Das ist zudem komplett ligaunabhängig. Mein Fokus liegt ohnehin erst mal auf dem VBL Grand Final und der Summer Cup Series. Alles, was danach passiert oder nicht, sehen wir dann.

Die Ergebnisse bei Events anderer eSport-Titel erwecken den Eindruck, dass vor allem unerfahrenere Spieler und Underdogs von der Umstellung auf Online-Wettbewerbe profitieren. Siehst Du mögliche Parallelen zum eFootball in FIFA 20?

Jeder fühlt sich in seiner heimischen Komfortzone sicherer, das ist doch klar. Es gibt keine neuen Herausforderungen zu bewältigen, sondern jeder hat sein bekanntes Umfeld, seinen eigenen Monitor, seinen eigenen Ablauf vor Partien und so weiter. Jeder hat seine Routinen, die zu Hause meistens einfacher durchzuführen sind als in einer ungewohnten Location. Das hilft dabei, sich wohler zu fühlen und einen Großteil der Aufregung abzuschütteln. Die Online-Variante und die lange Wettkampfpause werden für einige Überraschungen sorgen, so wie es in der VBL seit Jahren üblich ist. Das macht diesen Wettbewerb ja auch irgendwo besonders.

Ich gehe davon aus, dass die Partien sehr taktisch geprägt sein werden.

Würdest Du behaupten, dass Du im Ultimate Team-Modus noch stärker gewesen wärst als vielleicht im 85er?

Das ist schwierig miteinander zu vergleichen, weil die Spielerfähigkeiten im 85er-Modus auch dafür sorgen, dass du deinen Spielstil umstellen beziehungsweise anpassen musst. Nach dem Gewinn der Club Championship bin ich davon ausgegangen, dass ich den Modus für dieses Jahr los bin und ich mich voll auf Ultimate Team und die anstehende WM konzentrieren kann. Mit dem Charity-Event von Werder, dem eNations Stay and Play Cup und jetzt dem VBL Grand Final kamen aber doch einige wichtige Spiele im 85er-Modus hinzu, die ich so nicht erwartet hatte. Dadurch bin ich aber gut im Rhythmus geblieben, sodass ich nach wie vor weiß, was ich mit den Spielern machen kann und was ich nicht mit ihnen machen sollte. Es gibt im 85er-Modus aber einfach viele Situationen, da weißt du schon: Wenn der Gegner jetzt gut ins Tackling geht, hast du gar keine Chance, irgendetwas gefährlich zu kreieren. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Partien sehr taktisch geprägt sein werden und wir - wie für FIFA 20 nun mal üblich - keine großen Torfestivals zu sehen bekommen.

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