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Platini wird 65: Ein dribbelnder Weltstar, der spät stolpert

Europameister, Trainer und Funktionär

Platini wird 65: Ein dribbelnder Weltstar, der spät stolpert

Michel Platini

Michel Platini feierte im Trikot von Juventus Turin größte Erfolge. imago images

Es ist dieser eine Moment, der die Amtszeit von Michel Platini als UEFA-Präsident auf den Punkt gebracht hatte, ja sie womöglich glänzend karikierte. Das Finale der EM 2016 war gerade abgepfiffen und Gastgeber Frankreich tief enttäuscht worden. Nicht "Les Bleus" hatten wie einst Zidane und Co. 1998 oder eben Platini und Co. 1984 auf heimischem Boden gewonnen. Es war Portugal, das dank eines Treffers von Eder die Trophäe erhielt.

Ausgerechnet Portugal! Hatte der späteren Titelträger doch dank des umstrittenen EM-Modus nur als Tabellendritter die Gruppenphase überhaupt mit drei Remis überstanden und sowohl im Achtel- als auch Viertelfinale nach 90 Minuten kein Spiel gewonnen. Ein Modus, den Platini dank der Aufstockung des Teilnehmerfelds auf 24 Mannschaften selbst zu verantworten hatte. Und just als Frankreich also geknickt den Portugiesen beim Jubeln zuschauen musste, wurde auf der Videoleinwand eingeblendet: "Merci pour tout, Michel" - "Danke für alles, Michel". Naja.

So unglücklich der Moment der Danksagung, so unglücklich war auch Platinis Funktionärskarriere ein Jahr zuvor geendet. Wobei der aus Joeuf unweit des Saarlands stammende frühere Fußballprofi selbst größten Anteil daran hat.

"Danke für alles, Michel" - Ein diskutabler Gruß nach dem EM-Finale 2016. picture alliance

"Der Fußball ist zunächst ein Spiel und kein Produkt", hatte Platini mal gesagt. Eine Maxime, der er allerdings selbst doch nicht immer zu folgen schien. "Platoche", wie er in Frankreich genannt wurde, war zwar ein Verfechter des "Financial Fairplay", verstand es aber auch, den Fußball in all seinen wirtschaftlichen Facetten auszureizen - und auch persönlich in Verstrickungen zu geraten. Nach Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission musste er 2015 zurücktreten. Er erhielt eine mehrjährige Strafe, dubiose Zahlungen aus den frühen 2000er Jahren wurden Gegenstand von Ermittlungen. Korruptionsvorwürfe, auch um die WM-Vergaben 2018 und 2022, wurden laut. Der lange Schatten zog sich bis ins vergangene Jahr, als Platini erneut verhört wurde.

Zweimal verhindern deutsche Mannschaften einen großen Triumph

Fast schon in den Hintergrund geriet darüber der Fußballer Platini. Und der gehörte zu seiner aktiven Zeit zu den besten Europas. Mitte der 1980er Jahren ist der Mittelfeldspieler auf seinem Zenit. Mit 27 Jahren holt ihn Juventus Turin in sein Starensemble. Es ist das Jahr, in dem Frankreich bei der WM 1982 durchaus zum Mitfavoriten gerechnet werden durfte. Doch im legendären Halbfinale von Sevilla (Fischer Fallrückzieher, Battiston, Schumacher und die Jackettkornen) ist gegen Deutschland Schluss.

Zwischen Genie und Korruptionswirren: Platini wird 65 Jahre alt

Platinis erfolgreiche Zeit beginnt da aber erst. Der Mittelfeldstratege scheint spielend einfach aus dem Stand punktgenaue Flanken schlagen oder zwei bis drei Gegenspieler elegant ausdribbeln zu können. Im Land des damaligen Weltmeisters avanciert er zum Weltklassespieler, auch wenn er anfänglich umstritten ist - schließlich erhält Platini ein Topsalär. Er rechtfertigt dies jedoch mit überzeugenden Leistungen, wird auf Anhieb Torschützenkönig. Und er stößt 1983 mit Juve gleich ins Finale des Europapokals der Landesmeister vor. Aber wieder stehen ihm die Deutschen im Weg. Der Hamburger SV siegt in Athen 1:0.

1985 gewinnt Juventus den Europapokal der Landesmeister - dank Platini. imago images

Platini, der Mann mit der schwarzen Lockenpracht, wird in diesem Jahr trotzdem das erste von drei Mal in Folge zu "Europas Fußball des Jahres gewählt" - ein bis dato nicht gekanntes Kunststück. 1984 gewinnt er mit Turin den Europapokal der Pokalsieger und feiert zugleich in der Nationalmannschaft seinen größten Triumph. Mit satten neun Toren in fünf Spielen führt er die Grande Nation zum EM-Titel auf französischem Boden, den ersten überhaupt. Es folgt nur ein Jahr später der Gewinn des Europapokals der Landesmeister. Im dramatischen Chaos von Heysel entscheidet ein Elfmeter von Platini das Duell mit dem FC Liverpool. Später besucht der Siegtorschütze Verletzte der Tragödie im Krankenhaus. Noch im selben Jahr holt Juventus, trainiert von Giovanni Trappatoni, den Weltpokal. Platinis Karriereende ist da schon nahe.

Als Trainer hatte Platini wenig Erfolg

1987 hört er mit 31 Jahren auf. Nur ein Jahr später wird er Trainer der Nationalmannschaft. Aber an seine Erfolge als Spieler kann er nicht anknüpfen. Für die WM 1990 qualifiziert sich Frankreich nicht. Als unter Platinis Leitung auch noch bei der EM 1992 in der Vorrunde Schluss ist, legt er das Traineramt nieder. Seine nächste Aufgabe lässt nicht lange auf sich warten. Er steigt in das Organisationskomitee für die WM 1998 in Frankreich ein. Die Funktionärslaufbahn beginnt damit - die rund 20 Jahre später aber auch ein jähes Ende finden sollte und Platinis Ansehen ungeachtet aller fußballerischen Klasse Schaden zufügt.

pau

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