Bundesliga

Michael Preetz, Manager von Hertha BSC: "Wir haben nichts ausgelassen"

Herthas Manager blickt auf turbulente Tage zurück

Preetz: "Wir haben nichts ausgelassen in dieser Saison"

Öfters als Krisenmanager gefragt: Hertha-Manager Michael Preetz.

Öfters als Krisenmanager gefragt: Hertha-Manager Michael Preetz. imago images

"Wir haben nichts ausgelassen in dieser Saison", sagt Michael Preetz bei "kicker meets DAZN - der Fußball Podcast". Die beiden Moderatoren Alex Schlüter und Benni Zander können das Aufatmen des früheren Stürmers wie die gesamte Hörerschaft deutlich hören, denn gefühlt hatte die Hertha immer was Chaotisches zu bieten - oder zumindest etwas, das "negative Schlagzeilen produzierte", wie Preetz feststellt.

Los ging es mit dem Experiment, Ante Covic als Nachfolger von Pal Dardai zu installieren. Es klappte nicht, nach vier Siegen, drei Remis und sieben Niederlagen musste der Kroate schon wieder gehen. "Und es ärgert uns am meisten, dass es nicht mit Ante Covic funktioniert hat", verrät Preetz, denn "er ist ein top ausgebildeter Trainer, der im Profifußball seinen Weg gehen wird".

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Es folgte die größtmögliche Lösung, aus dem Aufsichtsrat bestieg Jürgen Klinsmann den Trainerstuhl. Doch der Knall ließ nicht lange auf sich warten. Der Weltmeister von 1990 beschloss für sich, das Handtuch hinzuwerfen. Er fühlte sich wohl in seiner Handlungsfähigkeit beschränkt, vor allem von Preetz.

Es ärgert uns am meisten, dass es nicht mit Ante Covic funktioniert hat.

Michael Preetz

Der frühere DFB-Trainer übergab den Staffelstab weiter an den Klinsmann-Assistenten Alexander Nouri, doch als Cheftrainer bekam dieser die schlingernde Hertha auch nicht in den Griff.

"Wir waren über weite Strecken der Saison weit von dem entfernt, was wir spielen wollten", stellt Preetz nüchtern fest, der den Formverfall der Leistungsträger als ausschlaggebend für die sportliche Krise nennt. "Man kann zum Beispiel die vier Innenverteidiger nehmen (Stark, Tourunarigha, Rekik und Boyata; Anm.d.Red.), sie haben alle Qualität, aber sie haben es gemeinsam zu selten auf den Platz gebracht. Uns fehlte ein Gerüst und Stabilität", greift Preetz einen schwächelnden Mannschaftsteil exemplarisch heraus, ohne ihm die Alleinschuld an der sportlich schwierigen Phase zu geben.

Schon im Sommer hatte Labbadia "unheimlich Lust auf Berlin"

Anfang April, der Bundesliga-Fußball war gerade mal drei Wochen wegen der Corona-Pandemie auf Eis gelegt, besann sich Preetz seiner Trainerliste aus dem Sommer 2019. Auf dieser hatte auch schon Bruno Labbadia gestanden, wie der Manager einräumt, doch es "war damals keine Entscheidung gegen Bruno, sondern eine für Ante". Immerhin nahm Preetz damals mit, dass Labbadia "unheimlich Lust hatte auf Berlin und nach seiner Wolfsburger Zeit auch gerne weitergemacht hätte".

Beim Thema Berufsauffassung hört der Spaß auf

Hertha-Manager Michael Preetz und Trainer Bruno Labbadia wollen eine zukunftsfähige, bessere und fittere Berliner Mannschaft aufstellen.

Das Ziel im Blick: Hertha-Manager Michael Preetz (links) und Trainer Bruno Labbadia wollen eine zukunftsfähige, bessere und fittere Berliner Mannschaft aufstellen. imago images

Und siehe da: Labbadia brachte die fehlende Stabilität zurück in die Mannschaft, "er nahm wenige Wechsel vor und fand schnell eine Stammformation", erklärt Preetz den Wandel zum Besseren. "Außerdem hat er eine gute Ansprache ans Team", so der 52-jährige über seinen zwei Jahre älteren Trainer, der vor allem eines dem Team einimpfte: Fitness. "Wir waren ja nicht dafür bekannt, am fleißigsten unterwegs zu sein, aber beim Thema Berufsauffassung versteht Labbadia - genauso wie ich - keinen Spaß."

Ehe Labbadia aber mit den Berlinern nach der Zwangspause mit inzwischen zehn Punkten in fünf Spielen loslegen konnte, war Preetz nochmals als Krisenmanager gefragt. Unmittelbar vor dem medial extrem beäugten Re-Start der Bundesliga geisterte ein Video durchs Netz aus den Berliner Kabinen, das Salomon Kalou und einige Kollegen reichlich nachlässig bei der Umsetzung des DFL-Hygienekonzepts zeigte. Für Preetz war das Posten des Videos ein Tiefschlag, denn "es war angesichts des nahenden Re-Starts ein sehr sensibler Zeitpunkt und natürlich lag der ganze mediale Fokus auf der Fußball-Branche. Insofern war es höchst kontraproduktiv - und wir haben zurecht die ganze Welle der Entrüstung abbekommen", blickt Preetz zurück. Kalou damals zu suspendieren sei eine "Entscheidung gewesen, die uns bis heute wehtut", merkt Preetz an und meint damit nicht nur die Tatsache, dass der 34-jährige Ivorer "unter Labbadia sicher seine Einsatzzeiten bekommen hätte".

Eine Entscheidung, die uns bis heute wehtut.

Michael Preetz über Kalous Suspendierung

Auch ohne Kalou haben sich die Berliner mittlerweile in entspanntere Tabellenregionen hochgearbeitet, Preetz & Co. können die Hertha perspektivisch ausrichten. Ob dabei wieder Millionensummen von Investor Lars Windhorst zum Einsatz kommen, ob die Haudegen Vedad Ibisevic (35) und Peter Pekarik (33) ihre auslaufenden Verträge nochmals verlängert bekommen oder ob der von Bremen ausgeliehene Davie Selke in Berlin bleibt - all das lässt Preetz offen. "Dank Corona wissen wir noch nicht, über welches Budget wir in der kommenden Spielzeit verfügen", sagt er und gibt sich kaufmännisch: "Ich bin kein Freund davon, den dritten Schritt vor dem ersten zu machen und fahrlässig über Gelder zu entscheiden, die noch nicht zur Verfügung stehen."

Preetz will mit Hertha "ins erste Drittel"

Kein Geheimnis ist aber, dass Manager Preetz mit der Hertha wieder "ins erste Drittel der Liga einbrechen will". Und das mit einer noch fitteren Mannschaft, denn "so wie es jetzt aussieht, wird es einen ordentlichen Urlaub und eine ordentliche Vorbereitung geben. Das wird uns gut tun."

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