Bundesliga

Preise, Pakete, Konkurrenten: So läuft das Bieten um die TV-Rechte

Neue Runde für Saisons 2021/22 bis 2024/25 startet

Preise, Pakete, Konkurrenten: So läuft das Bieten um die TV-Rechte

Eine neue Runde im Poker um die TV-Rechte ist eingeläutet

Eine neue Runde im Poker um die TV-Rechte ist eingeläutet: An diesem Montag startet der Bieterwettbewerb. imago images

An diesem Montag startet der Bieterwettbewerb um die Übertragungsrechte der Bundesliga- und Zweitligaspiele für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25. Versteigert werden sieben Rechtepakete für Liveübertragungen und Konferenzen sowie ebenfalls sieben Pakete für die zeitversetzte Verwertung über sämtliche Verbreitungswege (Satellit, Kabel/IPTV, Web, Mobile). Binnen zehn Tagen will DFL-Boss Christian Seifert die Auktion abschließen, die Ergebnisse am 22. Juni den 36 Vereinen im Rahmen einer Mitgliederversammlung präsentieren.

Ursprünglich sollte das Verfahren Mitte Mai abgeschlossen sein. Der Ausbruch der Pandemie zwang die DFL mit Beschluss vom 24. März zu einer Verschiebung. Am 20. März hatte das Bundeskartellamt grünes Licht für das Vergabeverfahren gegeben. Das vor der letzten Rechtevergabe vor vier Jahren vom Kartellamt angeordnete Alleinerwerbsverbot für alle Bundesliga-Liverechte wurde in dieser strengen Form aufgelöst. Ein Unternehmen kann nun wieder alle vier Pakete erwerben und damit alle Spiele übertragen, aber: zwei der vier Pakete müssen in diesem Fall co-exklusiv für ein reines Internetangebot an einen Zweiterwerber vergeben werden. Ein Teil der Spiele würde dann zeitgleich zum Beispiel bei Sky und DAZN parallel laufen.

Bis zum Ausbruch der Covid-19-Pandemie in Deutschland vor über einem Vierteljahr hatten sich die Profiklubs eine erneute Steigerung der Erlöse aus der Vergabe der Medienrechte auf mindestens 5,2 Milliarden Euro für den neuen Vierjahresvertrag erhofft. Davon darf heute niemand mehr träumen. Und schon gar nicht von einer spektakulären Steigerung um gleich 83 Prozent von im Schnitt 628 Millionen auf 1,16 Milliarden Euro pro Saison wie bei Abschluss des aktuellen und noch bis zum Sommer 2021 laufenden Vertrages im Frühjahr 2016.

Maß halten dürfte das Gebot der Stunde für die nächsten Jahre heißen. Auch in puncto medialer Erlöse wird die Liga nach ununterbrochenen Meldungen über Rekordumsätze in den vergangenen 15 Jahren ihr Geschäftsgebaren an der Ausgaben- und nicht an der Einnahmenseite orientieren müssen.

Bei Sky hat sich die Bundesliga nie richtig gerechnet

Die insgesamt 4,64 Milliarden Euro aus dem laufenden Vierjahresvertrag wurden an die Klubs gestaffelt ausgezahlt. In einer Spanne von 986 Millionen Euro in der Saison 2017/18 bis zu 1,306 Milliarden Euro, die in der Saison 2020/21 zur Auszahlung gelangen. Um über die neuen Abschlüsse ab 2021/22 nicht weniger Geld zu erhalten als in der Saison 2020/21 , müsste die Auktion in den nächsten Tagen in Summe 5,224 Milliarden Euro für den neuen Vertrag bis zum Sommer 2025 bringen. Ein solcher Abschluss mitten in gesamtwirtschaftlich und sozialpolitisch schwierigen Krisenzeiten bei großen Einbrüchen gerade auch in der Werbewirtschaft und stringenten Sparmaßnahmen bei Fernsehsendern und Internetdiensten scheint schwer denkbar. Die Klubs, von denen einige mehr denn je zuvor am Tropf der Medienkonzerne hängen, wie sich seit Ausbruch der Pandemie gezeigt hat, fürchten aktuell eher einen Einbruch der Erlöse bei der Vergabe der Übertragungsrechte.

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Bei Sky, seit Jahrzehnten größter Geldgeber der Liga, hat sich das Geschäft mit der Bundesliga nie richtig gerechnet. Nach der Übernahme des Senders durch Comcast, dem größten Kabelnetzbetreiber in den USA, wird auch bei der Bundesliga-Rechtevergabe genau hingeschaut in der Konzernzentrale in Philadelphia, von wo aus der neue Sky-Boss Devesh Raj in die Münchner Zentrale des Pay-TV-Senders geschickt worden ist. Sky bekennt sich unverändert zur Bundesliga - aber: zu welchem Preis? Der Streamingdienst DAZN wird um die Rechte mitbieten, obwohl die Pandemie auch bei diesem Unternehmen deutliche Spuren hinterlassen hat.

Die Telekom hat in den vergangenen Jahren mächtig in den Sport investiert, hält die Rechte an der 3. Liga, den Bundesligen im Eishockey und im Basketball und hat vor wenigen Monaten die Übertragungsrechte für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland gekauft. Inwieweit die Deutsche Telekom in den Vergabepoker einsteigen kann, ist letztlich auch eine hochpolitische Frage angesichts der Anteile des Bundes in Höhe von 32 Prozent an dem Konzern.

In Sachen Bundesliga spielt Eurosport keine Rolle mehr

Treibt Amazon zugunsten der Liga die Preise hoch? Der US-amerikanische Online-Versandhändler mit einem Börsenwert von etwa einer Billion US-Dollar könnte sich das "Geschäft Bundesliga" locker leisten. Doch der Konzern setzt mit seiner Philosophie im Sport-Engagement auf Klasse statt Masse. Für ausgewählte Spiele der Premier League, 16 Topspiele der Champions League (ab 2021) und zum Beispiel die großen Tennisturniere der Welt hat Amazon die Übertragungsrechte erworben. Erst in der vergangenen Woche kaufte das Unternehmen die Übertragungsrechte für zusätzlich vier Spiele der Premier League, die frei empfangbar ausgestrahlt werden. Und Ende Mai sicherte sich Amazon die Rechte an sieben Spielen der Bundesliga und den beiden Relegationsspielen, die Prime-Kunden kostenfrei live verfolgen können. Amazon sprang ein, nachdem Eurosport seine Zahlungen an die DFL eingestellt hatte. Schon vor einem Jahr hatte Eurosport die Bundesligarechte per Sublizenz an DAZN weitergereicht. In Sachen Bundesliga spielt Eurosport keine Rolle mehr.

Das große Geld fließt in die Liga über die Vergabe der Liveübertragungen und der Konferenzen. Deutlich geringer fallen die Summen für die zusammenfassende Berichterstattung aus. Inwieweit zum Beispiel ARD und ZDF in den noch nicht beendeten Verhandlungen über eine Erhöhung der Rundfunkgebühren ab 2021 mehr (als bisher) für die legendären Sendungen "Sportschau" und "Sportstudio" bieten können - auch das ist letztlich eine politische Frage angesichts des Einflusses der Länder in den Gremien der öffentlich-rechtlichen Sender in dem Poker um den neuen Fernsehvertrag.

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Rainer Franzke

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