Bundesliga

Joachim Löw und sein Geheimplan mit Leon Goretzka

Titelstory des kicker zum sozial engagierten Nationalspieler

Löws Geheimplan mit Goretzka

Leon Goretzka

Er hat sich in einer starken Bayern-Mannschaft festgespielt: Leon Goretzka. imago images

Es ist schon die Art, wie Goretzka spricht. Seine subtile, wohl überlegte Ausdrucksweise fällt auf, sie weicht vom sonstigen Profi-Sprech ab. Goretzka erwähnt in Interviews immer wieder die "Verantwortung", die er gerne übernehmen wolle. Öffentlich zeigt der Mittelfeldspieler des FC Bayern regelmäßig klare Kante: Der Kampf gegen Rassismus oder seine mit Joshua Kimmich anlässlich der Corona-Pandemie gestartete Hilfsaktion, die soeben die 5-Millionen-Euro-Grenze erreichte, sind da nur zwei leuchtende Beispiele.

Goretzkas Qualitäten auf dem Platz hievten ihn bereits mit 19 Jahren in die Nationalmannschaft. Mittlerweile zählt Bundestrainer Joachim Löw (60) den Mittelfeldspieler des FC Bayern München fest zu seinem Kader. Für Goretzka sind in der DFB-Auswahl elf Tore und zwei Assists in 25 Länderspielen gelistet.

"Gerade seine jüngste Entwicklung ist sehr erfreulich, Leon hat sich bei Bayern München eine sehr gute Position erarbeitet", bestätigt Löw im kicker-Interview: "Er machte so früh sein erstes Länderspiel, weil er mit 17, 18 Jahren in Bochum sehr großes Potenzial zeigte. Im Jahrgang 1995 war er am weitesten. Zurzeit fühlt er sich so gut wie selten zuvor, wie er mir kürzlich am Telefon sagte."

In Zukunft sieht der deutsche Nationaltrainer Goretzka in einer zentralen Position im Mittelfeld. Für eine gewisse Zeit spielte Löw allerdings sogar mit dem Gedanken, so verrät er seinen bisher geheim gebliebenen Plan, den physisch mittlerweile sehr robusten Rechtsfüßer als rechten Außenverteidiger einzusetzen. Warum Löw diese Idee nie umsetzte? "Weil Leon diese Rolle nie gespielt hat. Und dazu sind Spiele und Training nötig. Mit seiner Dynamik, seinem Ballgefühl und Spielverständnis wäre er eine Möglichkeit gewesen."

Löw sieht Goretzka als "sehr interessanten Gesprächspartner"

Der DFB-Chefcoach schätzt in Goretzka besonders einen Mann, "auf den man sich verlassen kann. Als Mensch und als Spieler. Er hat einen gewissen Tiefgang, ist sehr professionell, lebt sehr bewusst, ist sich über seine Rolle im Klaren und mit seiner Einstellung ein Vorbild." Löw gefällt, dass der gebürtiger Bochumer "über den Tellerrand hinausschaut", und bezeichnet ihn zudem als "sehr interessanten Gesprächspartner".

Wie Goretzka mit den Herausforderungen der vergangenen Jahre umging, sei bemerkenswert. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass 25-Jährige so standhaft sind und sich so klar und engagiert äußern. Schon beim Shitstorm anlässlich seines Wechsels von Schalke zu Bayern äußerte er Verständnis für die Kritiken und zog die Rückrunde konzentriert durch. Das hat mir imponiert", sagt Löw, "so ist seine Haltung." Goretzkas Zukunftsaussichten sehen rosig aus - wenn er denn von Verletzungen verschont bleibt.

"Alles außer gewöhnlich" - Was für ein Typ ist Goretzka? In der Titelstory des kicker lesen Sie außerdem, was Hoeneß und Gerland über Goretzka sagen, wie er im Daten-Vergleich mit Thiago und Kimmich abschneidet - sowie einiges mehr ... (Die Print-Ausgaben des kicker sind auch digital als e-Magazine abrufbar).

Karlheinz Wild/msc

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