Bundesliga

Pekariks Renaissance: "Ich genieße diese Zeit"

Herthas Rechtsverteidiger hofft auf einen neuen Vertrag und die EM 2021

Pekariks Renaissance: "Ich genieße diese Zeit"

Herthas Peter Pekarik betreibt viel Werbung in eigener Sache.

Herthas Peter Pekarik betreibt viel Werbung in eigener Sache. imago images

In der Startelf, die Bruno Labbadia in seinen ersten Arbeitswochen in Berlin im Kopf hatte, hieß der Rechtsverteidiger Lukas Klünter. Dann kam eine Woche vor dem Liga-Re-Start ein internes Testspiel im Olympiastadion, es kam die letzte Trainingswoche - und kurz vorm Ernstfall bei der TSG Hoffenheim die Entscheidung, es in diesen merkwürdigen Zeiten und in dieser arg verunsicherten Mannschaft anstelle von Klünter doch besser mit Peter Pekarik zu probieren.

Labbadia: "Peter gibt dem ganzen Gebilde Stabilität"

Seitdem spielt Pekarik als rechter Außenposten der Viererabwehrkette - und er hat in Hoffenheim (3:0), gegen Union (4:0), bei RB Leipzig (2:2) und gegen den FC Augsburg (2:0) das abgeliefert, was er immer abliefert, wenn seine Dienste gefragt sind: zuverlässige Arbeit bei gleichzeitigem Verzicht auf Schnörkel aller Art. "Peter", konstatiert Labbadia, "gibt dem ganzen Gebilde Stabilität. Er ist jemand, der total unterschätzt wird. Er ist ein Top-Profi und jemand, der immer ein gewisses Level abruft. Wenn man überlegt, wie lange er nicht gespielt hat, muss man davor den Hut ziehen."

Pekarik: "Ich habe große Lust auf Fußball"

Der gefühlt dritte Frühling des Routiniers gehört zu den überraschendsten Wendungen im letzten Viertel dieser an Wendungen reichen Hertha-Saison. Pekarik, von etlichen schon abgeschrieben und von manchen mit Blick auf seinen zum 30. Juni auslaufenden Vertrag im Geiste schon verabschiedet, ist wieder wichtig. Dieses Empfinden hatte er länger nicht, und er weiß es zu schätzen: "Ich genieße diese Zeit auf dem Platz - und jedes Spiel. Es macht riesig Spaß. Ich habe große Lust auf Fußball. Die Zeit vorher war nicht einfach. Da waren mehrere kleine Verletzungen, ich konnte nicht richtig kämpfen um meine Position. Jetzt ist es ganz anders."

Der Slowake setzt neben der gewohnten defensiven Verlässlichkeit in diesen Wochen auffallend viele offensive Farbtupfer. Beim Labbadia-Debüt in Sinsheim erzwang der aufgerückte Pekarik Herthas Führung, die als Eigentor von Kevin Akpoguma in die Wertung ging, mit seinem Schuss. Und er verbuchte auch gegen Augsburg am vergangenen Samstag nicht nur einige feine Flanken auf Vedad Ibisevic auf seinem Konto, sondern war auch an der Entstehung von Javairo Dilrosuns 1:0 mit einem Schuss maßgeblich beteiligt. "Der Trainer will, dass beide Außenverteidiger marschieren, wenn der Raum da ist", sagt Pekarik. "Das gefällt mir. So komme ich oft zum Flanken oder zum Schießen."

Labbadia: "Er hat nach vorn Dinge gemacht, die uns gut getan haben"

Dem Coach gefällt beim Routinier, der 2009 mit dem VfL Wolfsburg Deutscher Meister wurde, das Gesamtpaket: "Er beackert seine Seite super und ist in der Defensive sehr gut geschult. Er hat unser Spiel unheimlich schnell angenommen, indem er Laufwege angegangen ist, die wir geschult haben. Er hat alle vier Spiele auf einem ganz hohen Niveau gemacht - sehr stabil, sehr konstant, ohne große Fehler. Er hat in der Abwehr immer gut gestanden und nach vorn Dinge gemacht, die uns gut getan haben."

Pekarik gibt das Lob an den neuen Trainer zurück, der mit seiner Akribie, seiner Spielidee und seiner kommunikativen Art die Profis hinter sich gebracht hat: "Der Trainer spricht mit jedem viel. Jeder ist wichtig für die Mannschaft. Das hat man gegen Augsburg bei Mathew Leckie gesehen. Er war vorher nicht im Kader und kommt dann rein und macht einen Super-Job. Wenn jemand Fehler macht, ist der andere da. Wir haben momentan eine Super-Stimmung in der Kabine - und wenn die Ergebnisse passen, kommen viele Sachen von allein."

Pekarik: "Die Tabelle zeigt: Wir sind wieder da"

Zehn Punkte nach vier Spielen unter Labbadia, 11:2 Tore - erfolgreicher seit dem Re-Start der Liga ist nur der FC Bayern. "Die Tabelle zeigt: Wir sind wieder da", sagt Pekarik - und das gilt auch und erst recht für ihn persönlich. Sein Saisondebüt gab er unter Alexander Nouri erst Mitte Februar in Paderborn (2:1), unter Labbadia zählt er zum Inventar. Am Samstag geht's nach Dortmund, und die Größe der Aufgabe erinnert Muster-Profi Pekarik an die Dienstreise in der Vorwoche nach Leipzig: "Das wird ein ähnliches Spiel. Borussia hat eine große Qualität. Wir versuchen, auch dort Fußball zu spielen und uns wieder als Mannschaft zu präsentieren wie in den letzten Wochen. Es kann auch in Dortmund eine Überraschung geben."

Preetz: "Die Tür für Peka ist bei uns nicht zu"

Mit Überraschungen kennt er sich aus. Und wenn Hertha dieser personifizierten Zuverlässigkeit trotz der 33 Jahre nochmal den Vertrag verlängert, wäre das vermutlich die passende Pointe zu dieser Spielzeit, über die Pekarik - 91 Länderspiele, 184 Bundesliga-Spiele - sagt: "Vier Trainer, Corona-Krise - ich habe noch nie so eine Saison erlebt." Er möchte bleiben und betreibt seit Labbadias Amtsantritt beste Werbung in eigener Sache: "Ich bin seit acht Jahren in Berlin und war immer sehr zufrieden. Wenn ein Angebot vom Verein kommt, bleibe ich sehr gern." Auch wenn Hertha sich für die neue Saison nach einem neuen Rechtsverteidiger auf dem Markt umsieht - eine Verlängerung mit dem Haudegen Pekarik ist nicht ausgeschlossen, wie Manager Michael Preetz dem kicker sagt: "Die Tür für Peka ist bei uns nicht zu."

Ganz auf ist sie freilich auch noch nicht, aber es ist ja noch ein wenig Zeit. Pekarik lässt das auf sich zukommen, wie auch die Play-offs für die auf 2021 verschobene EM. Die Slowakei, in ihrer Gruppe auf Rang drei hinter Kroatien und Wales gelandet, muss sich im Playoff-Halbfinale zu Hause mit Irland messen. Gewinnt man, wartet der Sieger aus Bosnien-Herzegowina gegen Nordirland. "Ein Traum" wäre für Pekarik nicht nur die in Sichtweite gerückte Marke von 100 Länderspielen ("Wenn ich in Form und gesund bin, kann ich das schaffen."), sondern auch das Ticket für die EM 2021. "Noch", sagt er, "ist das ein langer Weg." Aber er kennt sich aus mit langen Wegen: mit denen auf der rechten Außenbahn - und mit denen aus dem Schatten zurück ins Licht.

Steffen Rohr

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