Nations League

Oliver Bierhoff: DFB kann Mini-Turnier der Nations League ausrichten

DFB-Direktor Bierhoff im Interview

Nations League als Mini-Turnier? "Der DFB steht als Ausrichter bereit"

Per Video-Interview äußerte sich Oliver Bierhoff zur Länderspielplanung und zum Re-Start der Profiligen in Deutschland.

Per Video-Interview äußerte sich Oliver Bierhoff zur Länderspielplanung und zum Re-Start der Profiligen in Deutschland. imago images

Im Video-Interview plädiert Oliver Bierhoff dafür, die im Herbst anstehende Nations League nicht in Hin- und Rückspielen, sondern als einen Wettbewerb an einem neutralen Ort auszutragen: "Das wäre eine Alternative. Eine Art Mini-Turnier könnte eine Idee sein", sagt der DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie im Interview mit dem kicker (Dienstagsausgabe): "Ich gehe davon aus, dass im Herbst leider noch nicht mit Zuschauern gespielt werden kann, sodass der Heimvorteil wegfällt. Da ist bei den Nationalverbänden die Bereitschaft vielleicht größer, an einem neutralen Ort zu spielen. Man würde unnötige Reisen verhindern und könnte die Spieler, ob sie aus der Ukraine, Spanien oder der Schweiz kommen, besser kontrollieren."

Die genannten Nationen sind die deutschen Gruppengegner in der Liga A. Der DFB würde als Ausrichter eines solchen Turniers zur Verfügung stehen, so Bierhoff: "Wir haben das Know-how und eine Top-Organisation im DFB, das haben wir schon mehrfach bewiesen. Wenn ein solches Modell der UEFA hilft, würde ich sagen: Ja, wir stehen bereit."

Generell ist Bierhoff dafür, die aktuell im September, Oktober und November angesetzten Länderspiel-Termine zu bündeln, um in der Corona-Zeit notwendige Vorbereitungsmaßnahmen treffen zu können. "Man könnte beispielsweise im Herbst deutlich längere und dafür in der Summe weniger Abstellperioden für die Nationalmannschaften reservieren. Damit hätte man die Spieler eine längere Zeit an einem Ort und könnte die Sicherheitsaspekte beispielsweise der Quarantäne, die jetzt für die Bundesliga gelten, auch da anwenden." Bierhoff geht fest davon aus, dass im Herbst neben den sechs angesetzten Pflichtspielen auch die im März ausgefallenen Testspiele nachgeholt werden. "Der Stand heute ist, dass wir in der zweiten Jahreshälfte acht Länderspiele haben, sechs in der Nations League und zwei Testspiele", so der 52-Jährige.

Als "Riesenerfolg" wertet Bierhoff im Interview den Re-Start der Bundesliga: "Der deutsche Fußball hat eine weltweite Pionierrolle eingenommen, für die wir auch viel internationale Anerkennung erfahren haben. Ich bekomme sehr viele Anfragen aus Italien. Sie bewundern uns dafür, wie es Deutschland immer wieder schafft, aus Krisen sehr diszipliniert herauszukommen." Dass die Saison-Fortsetzung bei vielen Fans keine große Begeisterung auslöse, "ist für mich nachvollziehbar. Die Menschen haben aktuell andere Sorgen und Gedanken. Und zu einer Meisterschaft gehören nun einmal die Fans und eine ausgelassene Stimmung".

Die Abwesenheit von Bundestrainer Joachim Löw und dessen Trainerstabs bei den Geisterspielen begründet Bierhoff mit den Vorgaben durch das Hygienekonzept. "Ich hätte mich wirklich gerne mal wieder ins Auto gesetzt, um in ein Stadion zu fahren. Und Jogi hat ebenfalls gefragt, ob er und die anderen Trainer in die Stadien dürfen. Leider erlaubt es das medizinische Konzept nicht", erläutert der DFB-Direktor und zeigt für die Maßnahme Verständnis: "Auch wir halten uns daran und fordern kein Sonderrecht. In dieser speziellen Situation ist auch von uns Verzicht gefragt. Es geht nach wie vor darum, das Maß an Menschen im Stadion auf ein absolutes Minimum zu reduzieren."

Im kicker-Interview spricht Bierhoff außerdem über notwendige Konsequenzen aus der Corona-Krise, die Rolle des DFB in diesen Zeiten, über eine Geister-EM 2021 und Thomas Müllers Chancen auf ein Comeback in der Nationalmannschaft. (auch digital abrufbar als e-Magazin).

Oliver Hartmann