Bundesliga

Borussia Dortmund: Lucien Favre "sehr zufrieden" mit Marcel Schmelzer

Zukunft des BVB-Urgesteins offen

Premiere im 365. Spiel: Favres seltenes Sonderlob für Schmelzer

Marcel Schmelzer

Die Besonderheit des Schmelzer-Tores spiegelt sich auch in der Freude der Teamkollegen. getty images

Es ist nicht überliefert, wie viele Nachrichten Marcel Schmelzer auf seinem Handy vorfand, als er es nach dem 6:1-Sieg des BVB in Paderborn aus seiner Sporttasche kramte. Sicher ist: Es dürften viele, sehr viele sogar gewesen sein angesichts der zahlreichen Posts in den sozialen Netzwerken, die sich am Abend um Schmelzers Tor drehten.

Der 32-jährige Ex-Kapitän spielt in Dortmund zwar sportlich nur noch eine Nebenrolle - sein Joker-Einsatz beim Liga-Schlusslicht war erst der fünfte überhaupt in der laufenden Saison -, geschätzt und beliebt ist er dennoch, im Klub wie bei den Fans der Borussia. Und das, was sich am Sonntag in der 89. Minute der Partie abspielte, hatte absoluten Seltenheitswert: Schmelzer stocherte im Strafraum-Getümmel den Ball zum 5:1-Zwischenstand ins Netz.

Spielersteckbrief Schmelzer
Schmelzer

Schmelzer Marcel

Trainersteckbrief Favre
Favre

Favre Lucien

September 2013: Freistoßtor in Nürnberg

Es war sein erster Treffer seit fast sieben Jahren, genauer: seit seinem Freistoßtor in Nürnberg am 21. September 2013 (1:1). 2444 Tage und insgesamt 9359 Spielminuten musste der Linksverteidiger seitdem auf sein nächstes Bundesliga-Tor warten. Nicht nur gefühlt ist das eine Ewigkeit in diesem oft so schnelllebigen Geschäft. Entsprechend laut fiel das Echo innerhalb der BVB-Szene aus - zumal Schmelzer in seinem 365. Profi-Spiel für die Schwarz-Gelben zum ersten Mal überhaupt zwei Torbeteiligungen in einer Partie gelangen, nachdem er zuvor bereits das 4:1 von Jadon Sancho mit einem Querpass vorbereitet hatte. Und das alles in nur zehn Spielminuten.

Vierter Joker-Einsatz seit dem Re-Start

"Ein Tor, ein Assist - ich bin sehr zufrieden mit ihm", lobte ihn anschließend BVB-Trainer Lucien Favre, der für Sonderlob eigentlich nicht viel übrig hat. Doch diesmal schien es dem Schweizer fast eine Herzensangelegenheit zu sein, ein paar Extra-Worte an den langjährigen Borussen zu richten, der vor der Saison den Klub mangels Aussicht auf Spielzeit am liebsten verlassen hätte. Doch Schmelzer musste damals bleiben - und wird seit dem Re-Start zumindest ein Stück weit für die Geduld belohnt, mit er sich trotz der damaligen Enttäuschung und einiger körperlicher Rückschläge in den zurückliegenden Monaten wieder in Form gebracht hat.

In vier der fünf Liga-Spiele seit dem Ende der Corona-Zwangspause brachte ihn Favre, wenn auch stets als Einwechselspieler. Er war der Lohn für die gute Trainingsarbeit des Routiniers, wie der BVB-Coach nach der Partie in Paderborn anmerkte: "Er war leider mehrmals unnötig verletzt, aber jetzt ist er seit drei, vier Wochen im Training. Und er hat sehr gut trainiert - und heute auch gut gespielt."

Die Zukunft ist offen - Vertrag bis 2021

Wie es im Sommer mit Schmelzer weitergeht, das ist derzeit trotz eines Vertrags bis 2021 noch offen. Ein Abschied aus Dortmund ohne ein letztes Spiel vor der gefüllten Südtribüne scheint zumindest möglich. Es wäre ein Ende, wie es der gebürtige Magdeburger, der seit 2005 in Dortmund lebt und spielt und mit dem BVB unter anderem zweimal Deutscher Meister wurde, nach allem, was er mit dem BVB bislang erlebt hat, so ganz sicher nicht verdient hätte. Sollte es so kommen, dürften die vielen positiven Reaktionen, die Schmelzer am Sonntagabend auf den diversen Kanälen erreichten, im Rückblick zumindest ein kleiner Trost gewesen sein.

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Matthias Dersch

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