Bundesliga

Gisdol beklagt die Nachlässigkeit

Köln: Profis haben Probleme, sich an die spezielle Situation zu gewöhnen

Gisdol beklagt die Nachlässigkeit

Markus Gisdol

Bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte gab es für Kölns Trainer Markus Gisdol und den 1. FC Köln nichts zu holen. imago images

Mit dem Schlusspfiff in Sinsheim schlug man in Köln das nächste Kapitel einer Aufarbeitung auf, die seit dem ersten Spiel gegen Mainz (2:2) läuft und die sich von Spiel zu Spiel schwieriger und komplexer gestaltet. Eine "verschlafene Anfangsphase" (Innenverteidiger Toni Leistner) wurde getoppt von der Roten Karte für Sebastiaan Bornauw, die dann folgende optische Überlegenheit entpuppte sich als Spiegelgefecht von Hoffenheims Gnaden, weil man es sich gestattete, "schläfrig aus der Pause" zu kommen, wie Leistner völlig richtig anmerkte.

Als bei personellem Gleichstand der Anschluss gelang, folgte das Uth'sche Elfmeter-Drama: "Hätten wir den gemacht, hätte das Spiel noch einmal eine andere Würze bekommen", so Leistner, dessen Ratschlag so klingt: "Wir sollten cool bleiben und uns auf das nächste Spiel konzentrieren."

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Mein Hauptkritik ist, dass wir zu leicht Gegentore zulassen. Wir sind zu nachlässig.

Markus Gisdol

Doch die Situation, vor der Geschäftsführer Horst Heldt ("Wir sind noch nicht durch!") seit Wochen mantra-mäßig warnt, ist eingetreten. "Gefühlt" befindet sich der 1. FC Köln wieder im Kampf gegen den Abstieg, aus zehn Punkten Vorsprung auf Rang 16 wurden sieben - mitunter kann es schnell gehen, frag' nach in Frankfurt. Gerade vor dem Hintergrund der speziellen Situation, an die sich die Kölner offensichtlich überhaupt nicht gewöhnen können.

Erst nah am Ausgleich, dann doch alles zerstört

Dass nicht alles über 90 Minuten schlecht aussieht, hilft nicht weiter, weil die schwachen Phasen aktuell sofort und nachhaltig bestraft werden. Markus Gisdol stört genau dies: "Unser Spiel bestand aus totalen Wellenbewegungen." Den Trainer schmerzte vor allen Dingen die Tatsache, dass man trotz aller Widrigkeiten noch vor der Pause "in die Ordnung" gefunden hatte, nah am Ausgleich war und dann alles zerstörte: "Wir nehmen uns fest vor nach der Pause genauso zu weiterzumachen und verändern nichts, kriegen dann aber gleich zwei Gegentore und schenken das Spiel weg. Darüber werden wir in aller Deutlichkeit reden müssen. Mein Hauptkritik ist, dass wir zu leicht Gegentore zulassen. Wir sind zu nachlässig."

Eine Grundtugend fehlt

Diese Nachlässigkeit erinnert an den 1. FC Köln der frühen Saisonphase, der ständig eigenen Konzentrationsmängeln zum Opfer fiel, immer wieder Rückständen hinterherlaufen musste und für fast jeden Gegner ein leichtes Opfer darstellte. "Heute hätte ich mir gewünscht, dass wir uns in den Anfangsphasen mehr wehren", resümierte Gisdol und dies ist ein bedenklicher Satz, weil er beschreibt, dass eine Grundtugend fehlt, ohne die auf Dauer keine Mannschaft Erfolg haben wird.

Frank Lußem