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Die wertvollsten Klubs: Marktführer Real Madrid - Solide Bayern

Europas Elite 2020 - vor der Pandemie

Die wertvollsten Klubs: Marktführer Real Madrid - Solide Bayern

Champions-League-Pokal

Im Champions-League-Finale 2019 standen sich mit Liverpool und Tottenham zwei der wertvollsten Klubs Europa gegenüber - doch an der Spitze steht ein anderer Verein. imago images

Halt, da war doch was. Richtig! In einer zwar nicht idealen, aber wohl gesünderen Welt, würde am Samstagabend in Istanbul das Champions-League-Endspiel angepfiffen werden. Mindestens die Fans der Finalisten wären schon jetzt in fieberhafter Erwartung eines gigantischen, global beachteten Events. Die Krönungsmesse für Europas Elite wird, Stand heute, im Corona-Krisenjahr 2020 zur besten mitteleuropäischen Sommerpausenzeit ohne Fans im Stadion nachgeholt. Schon jetzt steht fest: Danach wird der Profifußball zumindest für die erste Zeit nicht so sein, wie er vorher war.

Nur europäische Klubs in der 32er-Liste

So sehen es die Finanzexperten der "KPMG Football Benchmark". Zum fünften Mal stellen die Spezialisten des Beratungsunternehmens am heutigen Donnerstag ihre Bewertung der Top-Klubs dieses Planeten vor. 32 von mehr als 200 untersuchten Erstligisten aus Europa und Südamerika schaffen es jährlich in dieses Ranking der wertvollsten Fußball-Marken. Die Europäer sind erneut unter sich. An der Spitze stehen die üblichen Verdächtigen: Real Madrid vor Manchester United und dem FC Barcelona, der den FC Bayern München wieder von Platz drei verdrängt hat.

Drei Bundesligisten dabei: Das sind die wertvollsten Klubs Europas

Unsicherheitsfaktor Pandemie

Der Haken dabei: Der Stichtag für die genutzten Zahlen und Daten war der 1. Januar 2020. Die Folgen der Pandemie sind in diesem Ranking somit noch nicht berücksichtigt. "Die unmittelbaren Effekte können noch nicht quantifiziert werden", sagt Andrea Sartori, "Global Head of Sport" von KPMG.

Die Unternehmenswerte, die nach einem speziellen Schlüssel beziffert werden, geben aber klare Hinweise auf die bestehende wirtschaftliche Hackordnung, ermöglichen einen Vergleich der Fünfjahresentwicklung und werden in einem Jahr erste Anhaltspunkte dafür liefern, welche Auswirkungen Saisonabbrüche und Geisterspiele auf den Marktwert von Spielern, die Personalkosten der Klubs oder deren Einnahmen aus der Vermarktung tatsächlich haben.

Den "Enterprise Value" (EV, Unternehmenswert) errechnen die KPMG-Experten nach den Kriterien Profitabilität, Popularität, sportliches Potenzial, TV-Rechte und Eigentumsrechte am Stadion. Somit fließen die Gesamt-Personalkosten und Erträge aus dem operativen, kommerziellen Betrieb ebenso ein wie der Marktwert des Kaders und auch die Reichweite in sozialen Netzwerken.

Dem FC Barcelona werden die höchsten Personalkosten zugeschrieben

Real Madrid profitiert demnach bei einem Wert von 3,478 Milliarden Euro weiterhin von seinen lukrativen Seriensiegen in der Königsklasse (2016 bis 2018) und hat zudem in der Saison 2018/19 profitabler gewirtschaftet als im Jahr zuvor, was nicht zuletzt dem Transfer von Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin (105 Millionen Euro) zu verdanken ist. Manchester United (3,342 Mrd.) überkompensiert unterdessen sportliche Rückschläge mit einem Umsatzwachstum. Beim FC Barcelona (3,193 Mrd.) werden zwar erneut die höchsten Personalkosten registriert, gleichzeitig zählt Barca zu den größten Profiteuren der allseits enorm gestiegenen TV-Einnahmen, national sowie in den UEFA-Wettbewerben. Positiv zu Buche schlug auch, dass die Katalanen ihre Shops mit dem Merchandising weltweit inzwischen in Eigenregie betreiben.

Mit einem Plus von 19 Prozent beim "Enterprise Value" der KPMG überholte Barcelona den FC Bayern (2,878 Mrd. nach einem Plus von 7 Prozent). Dem deutschen Rekordmeister bescheinigen die Fußball-Finanz-Profis eine besondere Stabilität: In den fünf Jahren seit Beginn dieses Rankings sei der Wert des FCB um 34 Prozent gestiegen, "dank seiner Kostenkontrolle" und eines "hohen Niveaus an Profitabilität".

"Aufsteiger" Liverpool

Zu den Aufsteigern des Jahres zählt der FC Liverpool mit einem Plus von 27 Prozent auf 2,658 Milliarden Euro und der Verbesserung um zwei Plätze auf Rang fünf. Neben den positiven finanziellen Auswirkungen des Champions-League-Triumphes 2019 sowie der Steigerung bei den TV-Einnahmen habe auch der Verkauf von Philippe Coutinho an den FC Barcelona (120 Mio. Euro, derzeit nach München verliehen) dazu beigetragen.

Borussia Dortmund (1,281 Mrd.), wie im Vorjahr auf Rang 12, und der FC Schalke 04 (814 Millionen Euro), auf Rang 15 gerutscht, vervollständigen das Bundesliga-Trio in dieser 32er-Tabelle mit insgesamt neun Premier-League-Klubs, sieben spanischen Erstligisten und sechs italienischen Vertretern.

Jörg Jakob