Bundesliga

Labbadia lobt Werner: "Eine Wahnsinns-Qualität"

Hertha: Wiedersehen mit dem früheren Schützling

Labbadia lobt Werner: "Eine Wahnsinns-Qualität"

Bruno Labbadia

Bruno Labbadia muss mit Hertha nach dem Sechs-Punkte-Traumstart in Leipzig bestehen. imago images

In der gemeinsamen Zeit beim VfB Stuttgart warf Bruno Labbadia Timo Werner ins kalte Wasser - und der schwamm sich schnell frei. Als Entdecker des Nationalspielers sieht sich der Mann, der Hertha mit zwei Siegen in seinen ersten beiden Spielen vorläufig aus der Gefahren-Zone geholt hat, indes nicht. "Das ist viel zu weit hergeholt", sagte Labbadia in Herthas Pressekonferenz am Montag. "Da müsste ich keine Ahnung von meinem Job haben, wenn wir den übersehen hätten. Das Talent hat er selbst mitgebracht, wir haben ihn nur gefördert. Timo hat damals mit 16 das erste Mal im Talent-Training bei uns oben mittrainiert, in der Europa League hab' ich ihn dann das erste Mal von Anfang an gebracht."

Ich wüsste keinen, den wir dann nicht in Manndeckung nehmen müssten.

Bruno Labbadia verzichtet gegen Leipzig auf Manndeckung für Timo Werner

Labbadias Erkenntnis: "Seine Voraussetzungen sind außergewöhnlich. Timo zeigt jede Woche, dass er Tore schießen will - das hast du immer schon gesehen. Deshalb ist er Nationalspieler und in der Torschützenliste weit vorn. Er hat eine Wahnsinns-Qualität, eine Riesenwaffe mit seinem Tempo." Ihn in Manndeckung zu nehmen, kommt freilich nicht in Frage, wie Labbadia schmunzelnd auf Nachfrage sagte: "Da müssten wir dann einige in Manndeckung nehmen. Ich wüsste keinen, den wir dann nicht in Manndeckung nehmen müssten. Wir müssen das im Kollektiv hinbekommen."

Timo hat einen Riesenschritt gemacht, als er vom VfB weggegangen und zu einer Mannschaft gekommen ist, die mit zwei Stürmern spielt, was für ihn nicht unwichtig ist.

Bruno Labbadia

Drei Tore bei Leipzigs 5:0 in Mainz am Sonntag - Werner (24 Saisontore, sieben Assists in der Liga) ist in Top-Form und hat nach Ansicht seines einstigen Förderers Labbadia mit dem Wechsel von Stuttgart nach Leipzig 2016 alles richtig gemacht: "Timo hat einen Riesenschritt gemacht, als er vom VfB weggegangen und zu einer Mannschaft gekommen ist, die mit zwei Stürmern spielt, was für ihn nicht unwichtig ist. Er hat da eine gute Wahl getroffen und eine stetige Entwicklung genommen." Und bei Werner wie beim ganzen RB-Team konstatiert Herthas Coach in dieser Saison, dem ersten Jahr unter Julian Nagelsmann, eine Erweiterung des fußballerischen Portfolios: "Sie haben durch Julian eine Nuance dazubekommen, die vorher nicht immer da war. Ihre Entwicklung wird ständig vorangetrieben."

Herthas schwarze Statistik gegen RB

Das bekam Hertha - damals noch unter Labbadias Vor-Vor-Vorgänger Ante Covic - bereits im November beim Hinspiel (2:4) zu spüren. Von sieben Bundesliga-Duellen verlor Hertha bislang sechs und kassierte im Schnitt 3,7 Gegentore - so viele wie gegen keinen anderen Verein in der Bundesliga-Geschichte. Auf die Mannschaft, die unter Labbadia nach den beiden starken Auftritten in Hoffenheim (3:0) und gegen Union (4:0) noch ohne Gegentor ist, wartet mithin die ultimative Härteprüfung.

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Gegen die beste Abwehr der Liga

"Leipzig ist nicht nur in der Offensive sehr gut, sie haben auch die beste Abwehr der Liga", unterstrich Labbadia. "Das zeigt, wie wichtig es ist, eine Mannschaft länger beisammen zu haben. Sie haben eine klare Vorstellung. Die Stärke von RB kann man nur aufnehmen, wenn man geschlossen auftritt. Da gehört mehr dazu als Geschwindigkeit, da gehören auch Antizipation und eine hohe Bereitschaft, schon vorher die Räume zuzumachen, dazu."

Die Erinnerung an Dezember 2017

Einmal in den sieben Duellen packte Hertha all die Qualitäten aus, die nötig sind, um diesen Gegner zu bezwingen - im Dezember 2017 beim 3:2-Sieg in Leipzig, seinerzeit in 84-minütiger Unterzahl, nachdem Jordan Torunarigha sehr früh im Spiel Werner zu Fall gebracht hatte und ihm Schiedsrichter Frank Willenborg - durchaus umstritten - die Rote Karte gezeigt hatte. An diesen Coup erinnert sich Manager Michael Preetz "gern zuallererst", wenn der Hertha-Tross am Dienstag nach Sachsen aufbricht. "RB ist top-besetzt von hinten bis vorn und eine schwer zu spielende Mannschaft, weil sie auf viele Facetten des Spiels viele Antworten hat", sagte Preetz am Montag. "Wir brauchen eine Top-Leistung, das nötige Quäntchen Glück an der einen oder anderen Stelle und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss."

Gravierende Veränderungen im Aufgebot sind eher nicht zu erwarten. Die bereits zuletzt fehlenden Karim Rekik (Innenbanddehnung Knie), Niklas Stark (Adduktoren- und Hüftverletzung), Santiago Ascacibar (schwere Fußprellung) und Marius Wolf (Blessur am Sprunggelenk) fallen weiterhin aus. Ob Ersatztorhüter Thomas Kraft, der im Derby gegen Union wegen Rückenproblemen seinen Platz auf der Bank an Dennis Smarsch abgetreten hatte, wieder im Spieltags-Kader steht, ist aktuell noch offen.

Labbadia will sachlich bleiben

Trotz des Traum-Re-Starts mit zwei Siegen und 7:0 Toren bleibt Hertha auf dem Boden. "Natürlich helfen uns diese Siege, dass wir in der Mannschaft etwas drehen konnten. Aber in erster Linie steckt intensive Arbeit dahinter. Mit Siegen wächst der Glaube. Mit dem Glauben gelingen gewisse Dinge. Die Stimmung ist gut", sagte Labbadia. "Aber ich bin mir sehr bewusst, was los gewesen wäre, wenn wir die beiden Spiele nicht so hinbekommen hätten. Man muss sich nur unser Restprogramm anschauen. Wir lassen uns nicht blenden und drehen nicht durch, weil wir das Derby 4:0 gewonnen haben. Wir bleiben sachlich." Trotz der sechs Punkte und der sportlichen Trendwende "haben wir noch einen langen Weg vor uns". Die nächste und bislang schwerste Etappe führt nach Leipzig.

Steffen Rohr

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