Bundesliga

Hummels gegen die Bayern zu "99 Prozent" dabei

BVB geht selbstbewusst ins Topspiel

Hummels gegen die Bayern zu "99 Prozent" dabei

Borussia Dortmunds Mats Hummels kann aller Wahrscheinlichkeit nach gegen seinen Ex-Klub FC Bayern auflaufen.

Borussia Dortmunds Mats Hummels kann aller Wahrscheinlichkeit nach gegen seinen Ex-Klub FC Bayern auflaufen. imago images

Pressekonferenzen laufen in der aktuellen Corona-Zeit anders ab als man es aus jahrelanger Praxis gewohnt ist. Die Journalisten sind nicht vor Ort, sondern sie reichen die Fragen schriftlich ein. Vereinsvertreter lesen sie für die Protagonisten ab, die vor einer Sponsorenwand sitzen und dabei gefilmt werden. Es fehlt die Interaktion, auch mal das kritische Nachhaken, wenn einer Frage ausgewichen wurde. Und es fehlt diese besondere, spannungsgeladene Atmosphäre, die vor großen Spielen zu spüren ist, wenn sich Trainer, Verantwortliche und Journalisten am Tag vor dem Anpfiff schon einmal dort treffen, wo 24 Stunden später die Post abgeht: im Stadion.

Ein vorfreudiges Kribbeln in Dortmund ist nicht zu leugnen

Vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern war das am Montag nicht anders. Überhaupt wird dieses Mal ja einiges ein wenig sonderbar sein. Es sind schließlich keine Fans im Stadion zugelassen, gespielt wird vor einer leeren Südtribüne, das heißt: grauer Beton statt "Gelbe Wand". Und doch ist ein vorfreudiges Kribbeln in Dortmund nicht zu leugnen angesichts der Tabellenkonstellation, die dem BVB bei aktuell vier Punkten Rückstand noch alle Chancen auf den Titel lässt - vorausgesetzt, sie gewinnen ihr Heimspiel gegen den Tabellenführer aus München. So wie in der Vorsaison. So wie im Supercup.

Spielersteckbrief Hummels
Hummels

Hummels Mats

Spielersteckbrief Witsel
Witsel

Witsel Axel

Trainersteckbrief Favre
Favre

Favre Lucien

Bundesliga - 28. Spieltag
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
64
2
Borussia Dortmund
57
3
RB Leipzig
55

Beide Teams zeigen sich nahezu in Bestform

"Wir freuen uns auf dieses Spiel - wie ganz Fußball-Deutschland, denke ich. Man muss kein großer Prophet sein: Wenn wir um die Meisterschaft weiter mitspielen wollen, dann sollten wir dieses Spiel gewinnen. Das ist eigentlich sehr simpel", beschrieb Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc das Szenario. "In der Umsetzung allerdings", schränkte er lächelnd ein, "ist das sehr schwierig." Denn nicht nur der zuletzt sechsmal in Serie siegreiche BVB ist aktuell und trotz Corona-Zwangspause in einer starken Verfassung. Auch der FC Bayern, der in der Rückrunde sogar einen Zähler mehr sammelte als die Dortmunder - nämlich 28 -, spielt nahe seiner Bestform.

Favre: "Alle Mannschaften haben Stärken und Schwächen"

Dass die Münchner dennoch Schwächen haben, das sah man am vergangenen Samstag beim 5:2-Erfolg über Frankfurt, als die Gäste zweimal nach Eckbällen trafen. "Das", hielt BVB-Trainer Lucien Favre den Bayern allerdings zugute, "kann immer passieren. Das ist nicht relevant für mich." Er sagte aber auch: "Alle Mannschaften haben Stärken und Schwächen. Auch die Bayern. Wir haben in der vergangenen Saison hier gegen sie gewonnen, wir haben auch im Supercup gegen sie gewonnen. Wir wollen damit weitermachen."

Mit Can und Haaland "zwei Winnertypen hinzugewonnen"

In der Hinrunde allerdings gelang das beim Auswärtsspiel in München nicht. Damals kam der hoffnungslos unterlegene BVB mit 0:4 unter die Räder. Das darf und soll aus Sicht der Borussen diesmal nicht noch einmal passieren. "Wir waren damals nicht gut, sind seitdem aber deutlich besser geworden", sagte Favre, "wir spielen mit einem anderen System. Außerdem haben wir im Winter in Emre Can und Erling Haaland zwei Spieler verpflichtet, durch die wir mehr Präsenz auf dem Platz haben." Zorc teilt diese Einschätzung: "Die Verpflichtung von Erling und Emre ist ein wichtiger Faktor. Durch sie haben wir zwei Winnertypen hinzugewonnen."

Witsel "könnte im Kader sein"

Beide sind am Dienstag einsatzfähig - genau wie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Abwehrchef Mats Hummels, der in Wolfsburg aufgrund von Achillessehnenbeschwerden ausgewechselt werden musste. "Er wird zu 99 Prozent da sein", sagte Favre, der zudem dem von einem Faserriss genesenen Axel Witsel Hoffnungen auf ein Mitwirken machte: "Axel hat am Sontag das erste Mal mit der Mannschaft trainiert, er könnte im Kader sein."

Favre über Sancho: "Jadon kommt langsam, aber sicher"

Und noch eine gute Nachricht konnte Favre verkünden: Jadon Sancho, der beste Scorer der Borussia, kommt nach wochenlanger Pause aufgrund von Innenbandbeschwerden immer besser in Tritt. "Jadon kommt langsam, aber sicher", sagte der Schweizer. "Er hat gute Trainings gemacht und erreicht langsam wieder sein Niveau."

Gute Voraussetzungen also. Doch wie sind die Bayern konkret zu schlagen? "Wir müssen an uns selbst glauben, unser Selbstvertrauen zeigen", beschrieb Zorc Dortmunds angestrebte Herangehensweise. "Wir müssen Phasen überstehen, in denen wir nicht so viel Ballbesitz haben werden, und dabei sehr gut verteidigen. Wir müssen uns aber auch unserer eigenen Qualitäten in der Offensive bewusst sein." Gelänge all das, "dann können wir immer gegen sie treffen, dann können wir auch gegen sie gewinnen". Und damit die Meisterschaft sechs Spieltage vor dem Ende und ungeachtet der besonderen Umstände in diesen Zeiten noch einmal richtig spannend machen.

Matthias Dersch

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