3. Liga

Der 3. Liga droht am Montag die Rote Karte

Kommentar von kicker-Chefredakteur Rainer Franzke

Der 3. Liga droht am Montag die Rote Karte

Auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag am Montag droht der 3. Liga die Rote Karte.

Auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag am Montag droht der 3. Liga die Rote Karte. imago images

Mit Regressforderungen und Prozesslawinen wird gedroht. "Unverschämtheit", "Wahnsinn", "Ignoranz" bis hin zu "Erpressung" lauten in einer vergifteten und explosiven Atmosphäre die Vorwürfe vor dem Außerordentlichen DFB-Bundestag, der an diesem Montag mit 262 Delegierten in einer großen Videokonferenz abgehalten wird. Obwohl sich eine Mehrheit der Vereine der 3. Liga für einen Re-Start am bevorstehenden Pfingstwochenende ausgesprochen hat, knallte es seit Tagen an allen Ecken und Enden. In diesem Streit deutet sich auch ein neuer Ost-West-Konflikt an, in dem vor allem der 1. FC Magdeburg, der Hallesche FC und Carl Zeiss Jena und aus dem Westen der SV Waldhof lautstark und mit Drohgebärden die Worthoheit übernommen haben. Viele andere relevante Themen - zum Beispiel in den Bereichen Frauen- und Juniorenfußball, DFB- und Landespokale oder Regionalligen - gehen darüber fast unter.

Die 3. Liga gibt ein fürchterliches Bild ab. Abbruch der Saison? Re-Start? Teilung der Liga in eine Nord- und eine Südgruppe ab der Saison 2020/21? Um diese drei Themen geht es am Montag.

Mit politischen, ideologischen und ökonomischen Gefechten versuchen einige Vereine sportliche Defizite und noch mehr ihre Misswirtschaft zu kaschieren. DFL-Boss Christian Seifert brachte es in einem SZ-Interview auf den Punkt: "Es drängt sich der Eindruck auf: Je nach Tabellenplatz entdeckt man plötzlich die Moral."

Dabei müsste die vom DFB organisierte 3. Profiliga eigentlich ein Vorzeigemodell sein. Ein Rekord vom im Schnitt 8.132 Zuschauern in der Saison 2018/19 findet europaweit Beachtung. Das sind mehr Zuschauer als in den meisten 2. Ligen und sogar in einigen 1. Ligen in Europa. Die Spiele werden live übertragen, Werbeverträge für die Liga hat der DFB abgeschlossen - damit ist der Fußball auf der dritten Ebene besser aufgestellt als überall sonst wo. Trotzdem schreibt diese Liga seit neun Jahren in unterbrochener Folge rote Zahlen. Auch wegen einer zum Teil fahrlässigen Ausgabementalität.

Seit Jahren will die 3. Liga unter dem Dach der straff organisierten DFL Zuflucht suchen. Von den Milliardenumsätzen der 36 Klubs und Kapitalgesellschaften der DFL profitieren. Solidarität wird in diesem Zusammenhang eingefordert; ein Begriff, den einige Vertreter dieser Liga spätestens seit Ausbruch der Pandemie mit Füßen treten. Und zwar in absolut existenzbedrohender Art und Weise in diesem besonderen Klassenkampf des Fußballs.

Von den Vertretern der Profiklubs und vielen Repräsentanten des Amateurfußballs droht der 3. Liga am Montag die Rote Karte.

Rainer Franzke