3. Liga

3. Liga, FC Ingolstadt, Tomas Oral: "Ein komplett neues Spiel"

Trainer des FC Ingolstadt im kicker-Interview

Oral: "Ein komplett neues Spiel"

Tomas Oral

Nimmt mit den Schanzern nun wieder Fahrt auf: Tomas Oral. imago images

Herr Oral, wie zufrieden sind Sie eine Woche vor dem Re-Start mit dem Fitnesszustand der Mannschaft?
Oral: Mir geht es gut, ich freue mich riesig, dass wir jetzt die Trainingsfreigabe fürs Teamtraining bekommen haben. Mit dem Fitnesszustand bin ich im Großen und Ganzen zufrieden, jetzt geht es darum, uns die letzten paar Prozent an Form zu holen.

Welche Gründe sprachen dafür, ein drittes Mal den Trainerjob beim FC Ingolstadt zu übernehmen, und haben Sie dieses Ja-Wort in Zeiten von Corona schon bereut?
Die liegen auf der Hand: Mannschaft, Umfeld und die Verantwortlichen kannte ich ja, da gab es kein Zögern, warum ich es nicht machen sollte. Außerdem haben wir schon im Endspurt der letzten Saison eine sehr gute Stimmung erzeugt. Von daher keine Reue, es wäre für mich schlimmer gewesen, in Corona Zeiten gar nicht auf dem Platz stehen zu können.

Was halten Sie von der Möglichkeit, fünfmal zu wechseln?
Gefühlt ist es für mich bei fünf Auswechslungen ein komplett neues Spiel. Da wir in der 3. Liga nur englische Wochen haben werden, gehe ich davon aus, dass man noch mehr "Wir-Gefühl" entwickeln kann, weil jeder Einzelne gebraucht wird.

"Mit dem Image Feuerwehrmann kann ich leben"

Sie gelten als Feuerwehrmann. Ist der FCI nur ein kurzfristiges Intermezzo oder beim Wiederaufstieg ein Projekt mit Zukunft?
Unser gemeinsames Ziel ist eine längere Zusammenarbeit. Mit dem Image Feuerwehrmann kann ich leben, aber wenn man meine Vita betrachtet, findet man auch längere Engagements. Beispielsweise habe ich beim FCI in meiner ersten Amtszeit zwischen 2011 und 2013 die Umstrukturierung mit eingeleitet und den Kader verjüngt. Das war wichtige Basisarbeit für die erfolgreichen Jahre des Klubs. Aus diesem Grund stört es mich dann schon ein wenig, nur auf eine Rolle reduziert zu werden.

Da Sie bereits in der Schlussphase der letzten Saison eingesprungen sind, bietet sich ein Kadervergleich an. Von vielen Seiten hieß es dazu: weniger individuelle Qualität, mehr Mentalität - ist das auch ihre Einschätzung?
Über die Mentalität der letztjährigen Truppe kann ich mich wirklich nicht beklagen, sie war einwandfrei, sonst wäre es nicht möglich gewesen, so eine Aufholjagd zu starten. Die aktuelle Truppe kann ich diesbezüglich noch nicht einschätzen, da ich mit ihr noch kein Spiel bestritten habe. Wir haben jedenfalls ein paar Erfahrene und sehr viele junge Spieler im Kader, das ist grundsätzlich schon einmal eine andere Struktur als im Vorjahr.

"Wichtig sind Demut und eine Portion Eigenverantwortung"

Wie schwierig ist es denn, eine Mannschaft im Home-Office und in kleinen Trainingsgruppen vorzubereiten, wenn lange Zeit kein klarer Termin in Sicht ist, wann oder ob wieder gespielt werden kann?
Sicher ist, dass es im Home-Office jeder zu schätzen gelernt hat, wie es ist, den grünen Rasen zu riechen oder mit den Kollegen auf dem Platz zu stehen. Wichtig sind Demut und eine Portion Eigenverantwortung mit dem Antrieb, für sich immer das Beste herausholen zu wollen, egal wie schwer die Situation gerade zu sein scheint.

In einer laufenden Saison einzusteigen, ist ja immer ein Wagnis. Interessant ist die Herangehensweise - greifen Sie da auf die Stammelf und Taktik des Vorgängers zurück, oder fängt alles wieder bei null an?
Sowohl als auch. Es kommt immer drauf an, wie sich das Team unter dem Vorgänger präsentierte und woran es gefehlt hat. Besonders wichtig sind Informationen aus der Mannschaft und dem Umfeld. Natürlich ist es auch eine Gefühlssache, aus diesen Informationen, gepaart mit den Vorstellungen wie man selbst Fußball spielen möchte, was man verändert.

Beim Re-Start der Ligen 1 und 2 war die Fehlerquote ungewöhnlich hoch. Ist dies der langen Pause geschuldet oder dem zu kurzen Mannschaftstraining?
Möglicherweise achtet man nach so einer langen Pause mehr auf die Fehler als zuvor. Ich habe aber auch Mannschaften gesehen, bei denen ich das Gefühl hatte, es sind 50.000 Leute im Stadion, so souverän und abgezockt haben sie gespielt.

Da die 3. Liga eine schwächere Spielklasse ist und noch länger pausieren musste: Erwarten Sie, dass die Probleme dort gravierender ausfallen?
Wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat, sollte es nicht allzu lange dauern, um wieder in eine annehmbare Form zu kommen. Außerdem gibt es auch Ausnahmen, die zeigen, dass man ohne Vorbereitung schnell in Tritt kommen kann, wenn es in einer Truppe stimmt. Erinnern Sie sich doch einmal an die Dänen, die kamen 1992 praktisch von McDonald's auf den Platz und haben sich den EM-Titel geholt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass wir auf der Welt dieses Virus gemeinsam in den Griff bekommen. Und dass jeder Einzelne sein Ego hinten anstellt und die Sicherheitsmaßnahmen einhält, damit wir im Sinne der Allgemeinheit und des Fußballs so schnell wie möglich wieder in die Normalität zurückkehren können.

Interview: Bernd König

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