Bundesliga

Matheus Cunha: Vom Rasen ins Baby-Glück

Herthas Brasilianer mit einem ganz besonderen Derby-Tag

Matheus Cunha: Vom Rasen ins Baby-Glück

Matheus Cunha jubelt über sein Tor

Er hatte am Freitag mehrere Gründe, um sich zu freuen: Hertha-Angreifer Matheus Cunha (Mitte). Getty Images

Das Timing war ganz im Sinne von Trainer Bruno Labbadia, der am Tag nach dem Derby-Triumph gegen Aufsteiger Union (4:0) schmunzelnd verriet: "Wir waren seit über einer Woche am Zittern. Ich habe versucht, Matheus' Frau zu bestechen, damit sie Hoffenheim aushält. Das hat sie gut ausgehalten." Was in der Vorwoche klappte, sollte ein zweites Mal gelingen - also stockte Labbadia sein Angebot vor dem Berliner Derby "halb im Spaß" auf: "Da hab' ich ihr nochmal etwas versprochen, nochmal was draufgelegt auf mein Angebot, wenn sie es schafft, übers Spiel hinaus stillzuhalten. Das ist ihr gelungen. Jetzt bin ich in der Pflicht." Matheus Cunha und seine Frau dürfen sich also nicht nur über ihr erstes Kind freuen, sondern auch auf ein Präsent des Trainers, der sagte: "Matheus ging entspannt damit um, er wollte unbedingt spielen. Seine Frau hat gut auf ihn gewartet. Fünf, sechs Minuten nach seiner Auswechslung kam er zu mir und sagte: "'Trainer, ich muss weg.' Da habe ich gesagt: 'Verschwinde, und schick' eine Nachricht, wenn du Vater geworden bist.'" War er wenig später, und Labbadia konstatierte vergnügt: "Derby gewonnen, Tor gemacht, Vater geworden - es gibt Einiges, was er seinem Kind in ein paar Jahren erzählen kann."

"Ich finde, dass er kein gutes Spiel gemacht hat"

Der 18 Millionen Euro teure Winter-Einkauf steht nach sechs Liga-Spielen für seinen neuen Klub jetzt bei bemerkenswerten vier Toren und einem Assist. Bereits vor der Corona-Spielaussetzung der Liga hatte der vormalige Leipziger Herthas Offensive entscheidend belebt, ohne sein Temperament und seine Geniestreiche wäre die Bilanz der Hertha-Auftritte in Paderborn (2:1), Düsseldorf (3:3) und gegen Bremen (2:2) deutlich karger ausgefallen. Gegen Union traf der Brasilianer nach 61 Minuten zum zwischenzeitlichen 3:0, wirkte aber zuvor in seinen Aktionen nicht immer klar genug. "Ich finde, dass er kein gutes Spiel gemacht hat", gestand Labbadia am Samstag. "Da bin ich ganz offen. Er hat nicht das gezeigt, was er in sich hat. Bei solchen Spielern habe ich den höchsten Anspruch." Was dem Trainer nicht gefiel, präzisierte er sogleich: "Matheus hatte gerade in der ersten Halbzeit nicht so die Bindung und hat nicht die Wege gezeigt, die er machen kann. Aber es spricht für ihn, dass er mit einer Aktion etwas machen kann. Ich freue mich, wenn er sich weiter entwickelt. Diese Entwicklung brauchen wir - bei ihm und bei anderen."

Matheus hat etwas Besonderes. Er kann immer mit einer einzelnen Aktion etwas machen.

Bruno Labbadia

Bei der Bewertung der Leistung ließ Labbadia zumindest ansatzweise mildernde Umstände gelten: "Seine Frau war eine Woche über den errechneten Geburtstermin drüber. Das hat Matheus beschäftigt, das ist ganz normal. Ich hoffe, dass er jetzt nochmal einen Schub bekommt." Und noch stabiler wird in seinen Leistungen. Am grundsätzlich herausragenden Potenzial besteht kein Zweifel, auch für Labbadia nicht: "Matheus hat etwas Besonderes. Er kann immer mit einer einzelnen Aktion etwas machen."

Keine Klausel: Cunha darf bei Ex-Klub Leipzig spielen

Das darf er auch am Mittwoch, wenn Hertha bei seinem Ex-Klub RB Leipzig gastiert. Eine entsprechende Vereinbarung, ein sogenanntes "Gentlemen's Agreement", über einen Nicht-Einsatz bei diesem Spiel war zwischen beiden Klubs bei der Finalisierung des Transfers Ende Januar kein Thema und existiert nach kicker-Informationen nicht. Davie Selke etwa hatte für seinen neuen Klub Werder Bremen bei der Rückkehr nach Berlin gegen Hertha am 7. März wegen einer solchen Klausel pausiert. Matheus Cunha hat es da besser - er darf auch an seiner einstigen Wirkungsstätte gegen seinen früheren Arbeitgeber loslegen.

Steffen Rohr

Immer emotional: Die bisherige Geschichte des Berliner Derbys