Bundesliga

Schiller wähnt Hertha "auf der Chancenseite"

Einnahme-Verluste in zweistelliger Millionen-Höhe wegen Corona, aber:

Schiller wähnt Hertha "auf der Chancenseite"

Ingo Schiller

Sieht für die Hertha trotz schweren Zeiten gute Chancen: Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller. imago images

"Unsere finanzielle Leistungskraft ist eine völlig andere als vor einem Jahr", sagte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller zwei Tage vor der am Sonntag stattfindenden virtuellen Mitgliederversammlung des Vereins. Durch den 2019 vollzogenen Einstieg von Lars Windhorsts Investment-Holding Tennor haben sich Herthas Rahmendaten nach Schillers Angaben signifikant verbessert, "dadurch haben wir eine ganz andere Kapitalbasis".

Massive Etatänderungen durch Corona-Krise

So ist das Eigenkapital der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) von 12,6 Millionen Euro zum 31. Dezember 2018 auf 182,5 Millionen Euro zum 31. Dezember 2019 gestiegen. Im selben Zeitraum hat Hertha das Barvermögen von 3,2 Millionen Euro auf 109 Millionen Euro erhöht. Windhorsts Tennor Holding BV hatte 2019 in zwei Schritten für insgesamt 224 Millionen Euro 49,9 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA erworben.

Die im Februar für die Lizenzierung fertiggestellte Etatplanung - vor Corona - sah einen operativen Gewinn vor. Sie ist längst hinfällig. Bis September müssen alle Erst- und Zweitligisten angepasste Zahlen nachreichen. Selbst für die laufende Saison musste Schiller nach eigenen Angaben "massive Änderungen" vornehmen, weil in allen Bereichen mit Einbußen zu rechnen ist. Durch die in dieser Saison inklusive des Berliner Derbys am Freitagabend noch anstehenden vier Geisterheimspiele fehlen allein bis zum Saisonende drei Millionen Euro an Zuschauereinnahmen. Auch für die Hinrunde der Saison 2020/21 rechnet Schiller mit Heimspielen ohne Zuschauer und einer dadurch bedingten Einbuße von sieben Millionen Euro. Insgesamt kalkuliert Herthas Finanz-Boss einen "deutlich zweistelligen Millionenbetrag" als Verlust ein.

Weitere 150 Millionen Euro von Windhorst?

In den nächsten Wochen rechnet Schiller mit einem praktisch brachliegenden Transfermarkt: "Wir müssen davon ausgehen, dass es in dieser Saison keinerlei Transfererlöse mehr geben wird. Wir glauben, dass innerhalb der kommenden 15 Monate wieder Bewegung in den Markt kommt, aber deutlich weniger als noch vor einem oder vor zwei Jahren." Er erwartet ungewöhnliche Transfers zu einem deutlich niedrigeren Preisniveau als zuletzt. Angesichts der finanziellen Ausstattung Herthas wähnt Schiller den Klub "auf der Chancenseite" unterwegs. Übersetzt: Hertha könnte - zu niedrigeren Tarifen - Profis verpflichten, die bislang unerschwinglich waren.

Eine seit Monaten in Vorgesprächen erörterte mögliche weitere Finanzspritze von Investor Lars Windhorst könnte den Spielraum abermals erhöhen. Im Gespräch sind weitere 150 Millionen Euro. Von Windhorst empfängt der Klub diesbezüglich grundsätzlich gute Signale. "Dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, ist unstrittig", sagte Schiller. "Das heißt aber nicht, dass man kurzfristig zusammenkommt."

Arena-Neubau: 2025 als Termin mehr denn je auf der Kippe

Beim Personalaufwand für 2020/21 kalkuliert der Klub keine Senkungen gegenüber der ursprünglichen Planung ein. Der seit Anfang April bestehende Gehaltsverzicht von Profis und Geschäftsleitung läuft trotz der Saisonfortsetzung Schiller zufolge bis Ende Juni weiter. Von den zwischenzeitlich in Kurzarbeit geschickten Mitarbeitern der Geschäftsstelle sei das Gros mittlerweile aus der Kurzarbeit zurück. Laut Schiller hat der Klub den Gedanken durchgespielt, die Geisterheimspiele nicht im riesigen Olympiastadion, sondern nebenan im deutlich kleineren Amateurstadion auf dem Gelände des Olympiaparks auszutragen. Am Ende sei das aber doch nur "ein Trainingsplatz mit fünf Stufen", das Bild im großen Stadion sei "ein anderes".

Trotz der Corona-Krise arbeitet der Klub, dessen aktueller Mietvertrag im Olympiastadion 2025 endet, hinter den Kulissen weiterhin an seinen Plänen für den Neubau einer eigenen Arena. Dass der angedachte Zeitplan, der eine Arena-Eröffnung für den 25. Juli 2025 vorsah, mehr denn je auf der Kippe steht, räumte Schiller mit Blick auf die durch die Pandemie erschwerten Planungen und die nach wie vor ungelöste Standortfrage ein: "Der Termin steht weiterhin, aber er ist nicht wahrscheinlicher geworden."

Steffen Rohr

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