Bundesliga

Werder Bremen - Ein Kommentar: Kohfeldts tollkühner Versuch

Kommentar von kicker-Redakteur Thiemo Müller

Kohfeldts tollkühner Versuch

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Geht voll ins persönliche Risiko: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. imago images

Realitätsverlust? Gar Größenwahn? Dass auf seine Formulierungen (nicht nur) in den sozialen Netzwerken mit Unverständnis und Sarkasmus reagiert würde, dürfte Florian Kohfeldt vorher klar gewesen sein. Seine öffentliche Einschätzung, er sei "aktuell nach wie vor der Beste" für den Posten des Werder-Trainers und er werde es "allen zeigen", war schließlich keine spontane, emotionale Reaktion auf die wachsende Kritik von außen. Sondern mit Bedacht gewählt. Kohfeldt weiß zudem, dass er mit seiner verbalen Offensive voll ins persönliche Risiko geht. Nach dem 1:4 gegen Leverkusen und nur einem Liga-Sieg im Jahr 2020 muten seine Aussagen jetzt schon wirklichkeitsfremd an. Gehen auch die nächsten Spiele sang- und klanglos verloren, steht der Fußballlehrer vollends als Dampfplauderer da.

Kohfeldt durchdenkt die Mechanismen des Geschäfts viel zu genau, um das nicht abschätzen zu können. Warum er dieses Wagnis dennoch auf sich nimmt, liegt auf der Hand: Er erhofft sich eine positive Auswirkung auf seine Mannschaft. Das bleibt die Maxime seines Handelns, ungeachtet aller drohenden Kollateralschäden für sein persönliches Renommee. Die Bremer Profis sollen am Samstag in Freiburg so auftreten wie ihr Trainer auf der Pressekonferenz: Kämpferisch, trotzig und dabei selbstbewusst bis an die Grenze zur Arroganz. Der neueste Versuch des Fußballlehrers, seinem verunsicherten Team endlich diese Haltung zu vermitteln, wirkt schon tollkühn. Aber es spricht gewiss nicht gegen Kohfeldt, dass es ihm das Risiko wert ist.

Wolfsburg und Paderborn mit Horrorbilanzen - Günter vor Jubiläum