Bundesliga

1. FC Köln - Ein Nachruf auf Gerd Strack

Ein Nachruf auf Gerd Strack

Der "Lange", der ein Großer war

Gerd Strack

Gerd Strack imago images

Für uns Jungs aus Frechen vor den Toren Kölns war Gerd Strack ein Held, ein Vorbild. Er hatte diesen riesigen Sprung geschafft, vom Vorstadt-Klub zum Weltverein. Von Frechen 20 zum 1. FC Köln. Sein Entdecker hieß Reiner Calmund, er war damals Trainer in Frechen, nur ein paar Jahre älter als die Jungs, die er betreute. Und Gerd war nur ein paar Jahre älter als wir.

Sein Vater besaß einen Friseursalon in Frechen, häufiger als nötig drückten wir uns in der Nähe herum, wollten einen Blick auf den Star erhaschen. Sein Cousin Willi war dann ein paar Jahre lang mein bester Kumpel, gemeinsam gingen wir zum FC, gemeinsam analysierten wir Gerds Leistungen (der seltsamerweise immer besser wegkam als die Kollegen), gemeinsam düsten wir 1978 in Willis Manta zum letzten Spiel nach Hamburg, zitterten im Volksparkstadion um die Deutsche Meisterschaft. Gemeinsam jubelten wir den FC-Profis zu, ganz besonders laut Gerd Strack, unserem "Nachbarn".

Als wir später beruflich miteinander zu tun hatten, merkte ich schnell, dass unser Frechener Idol ein ganz normaler Mensch war, im besten Sinne des Wortes. "Der Lange" sprach nicht unnötig viel, was er sagte, kam oft pointiert und hintergründig beim Gesprächspartner an. Er liebte den Fußball, interpretierte ihn meist schnörkellos, seine solide Technik erlaubte ihm die charakteristische Ruhe am Ball. Wenn es vorne eng wurde und der Gegner führte, dann schickten ihn seine Trainer in den gegnerischen Strafraum. So erzielte er 1983 in Saarbrücken für die Nationalelf das Tor gegen Albanien, das Deutschland den Weg zur Europameisterschaft nach Frankreich ebnete.

Ungebrochenes Interesse am Fußball bestimmte unsere Diskussionen zuletzt, fast immer ging es um den FC, um den schwierigen Weg, den die "Geißböcke" seit 20 Jahren gehen. Gerd äußerte sich kritisch, aber nie unfair. Er kam seit ein paar Monaten wieder häufiger nach Müngersdorf, Toni Schumacher holte auch ihn zurück in die FC-Familie, die nun mit ihm ihren Meisterspieler und Kapitän des Pokalsiegers 1983 verloren hat. Gerd Strack erlag am 21. Mai 2020 im Alter von erst 64 Jahren einem Herzinfarkt. Der "Lange", der ein Großer war, wird jedem fehlen, der ihn kannte.