2. Bundesliga

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo als Provokateur

Immer wieder die gleichen Probleme für Stuttgarts Trainer

Matarazzo als Provokateur

Pellegrino Matarazzo

Hatte ein "sehr offenes, kritisches Gespräch" mit seinen Spielern: VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. imago images

Die fast schon als peinlich zu nennende Niederlage beim SV Wehen Wiesbaden hat der Trainer abgehakt. Mit der Reaktion der Profis in der Trainingswoche ist er zufrieden: "Natürlich war das eine sehr enttäuschende Leistung", sagt der 42-Jährige, der "ein sehr offenes, kritisches Gespräch mit den Spielern gesucht" hat. Dabei ging es ihm darum, "ein gewisses Bewusstsein zu schaffen, damit alle wissen, wo wir stehen". Matarazzo glaubt, die richtige Reaktion in seinem Kader erkannt zu haben. "Die ersten Tage waren zäh. Man hat gespürt, dass auch die Mannschaft enttäuscht war." Was dazu führte, dass die Übungseinheiten den gewünschten Effekt zeigten. "Wir haben die richtigen Ansätze für die Trainingswoche gefunden, hatten eine gute Bissigkeit, gute Härte und die nötigen Emotionen. Wir hoffen, dass wir das im Spiel umsetzen können."

Hautproblem war und ist weiterhin die fehlende Abschlusssicherheit und die nötige Widerstandsfähigkeit. An beidem wurde gearbeitet. In Sachen Torschuss gebe es "zwei Ansätze: Jeden einzelnen Spieler besser machen, damit er die nötige Ruhe und Präzision vor dem Tor hat. Und zweitens: mehr Torchancen kreieren. An beiden Ansätzen arbeiten wir", erklärt Matarazzo, der allerdings vor überzogenen Lernerfolgen warnt: "Die Entwicklungsschritte kann man nicht von heute auf morgen sehen. Das ist ein Entwicklungsprozess." Entsprechend seien weitere Möglichkeiten, "noch mehr Chancen herausspielen, um dadurch die Effektivität zu erhöhen, und die Verantwortung des Toreschießens auf mehr Schultern zu verteilen".

VfB Stuttgart - Vereinsdaten

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

Trainersteckbrief Matarazzo
Matarazzo

Matarazzo Pellegrino

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Mit Emotionen gegen das alte Fahrwasser

Nichts Neues also am Neckar. Wie auch beim Thema Widerstandsfähigkeit drehen sich die Verantwortlichen im Kreis. "Das ist etwas, das wir im Trainerteam und mit der Klubführung diskutiert haben: Wir müssen das nächste Tor erzielen wollen. Und wenn eine Chance vergeben wird, muss man mit der gleichen Konsequenz weitermachen. Mit aller Macht. Ohne einzuknicken." Nur dann sei ein Erfolg weiterhin möglich. Dass seine Spieler hingegen genau das vermissen lassen, war ebenfalls "nicht neu. In Wehen hatten wir ein ähnliches Muster, wie zum Beispiel in Fürth, wo wir gut gestartet sind und dann den Zugriff verloren haben, nachdem wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Das ist auch in anderen Spielen vorgekommen, in denen dann eine gewisse Unruhe entstanden ist". Die zu Niederlagen führte.

Entsprechend war die ausbaufähige Wehrhaftigkeit ein großer Bestandteil des Trainings in dieser Woche. "Wir haben mit weniger Inhalten im taktischen Bereich und mehr im emotionalen Bereich gearbeitet", erzählt der Cheftrainer. "Wir haben versucht, den Druck zu erhöhen, Spielformen mit einfachen Regeln und mit weniger Provokationsregeln, damit man schneller den Punkt erreicht, ab dem es hart wird und Widerstand gibt - die emotionale Komponente, die wir am Sonntag brauchen."

Matarazzo: "Wir müssen ein anderes Gesicht zeigen"

Der US-Italiener ist sich des Drucks bewusst, der auf ihm und der Mannschaft vor den beiden Partien in Kiel und Donnerstag darauf gegen den HSV liegt. "Unabhängig davon ist es wichtig, ein Erfolgserlebnis zu haben", sagt Matarazzo. "Wir brauchen drei Punkte und eine gute Leistung, müssen ein anderes Gesicht zeigen. Es sind nur noch acht Spiele."

Dass personelle Wechsel nötig sind, sieht er nicht anders. Dennoch will er trotz des 1:2 in Hessen nicht alles über den Haufen werfen. "Wir konnten vor dem Re-Start keine Testspiele absolvieren. Deswegen war klar, dass ich ein gewisses Gerüst aufbauen wollte." Entsprechend werde er "in Kiel sicher nicht elf Spieler austauschen. Es werden sicher mehrere auflaufen, die auch in Wehen gespielt haben. Aber es wird Veränderungen geben". Vor allem Holger Badstuber darf sich Hoffnungen machen, der am ergangenen Sonntag noch für Marcin Kaminski auf der Bank saß. Der Ex-Bayern-Profi ist vielleicht vom Tempo her nicht immer die beste Wahl, mental und emotional allerdings mehr als wichtig. "Gut möglich, dass er in der Startelf steht", sagt der Coach, der im Training gespürt haben will, "wer bereit ist. Ich hoffe, die richtige Mischung zu finden".

Warnung vor Kiel

Die ohne Sasa Kalajdzic angerührt wird, der nach seiner schweren Knieverletzung noch zu großen Rückstand hat. "Er ist nicht in der Lage, länger als eine Halbzeit zu spielen. Es reicht vielleicht für 20 Minuten", meint Matarazzo, der große Stücke auf den kommenden Gegner hält. "Wir erwarten eine mutige, spielstarke Mannschaft. Kiel versteckt sich nicht, kann gut Fußball spielen, ist jung und talentiert." Und vor allem ohne den sonst so oft vorhandenen Drang, mit Mann und Maus zu verteidigen. "Sie spielen anders, als viele in der Liga, versuchen, relativ hoch zu stehen und zu stören. Sie provozieren viele Ballverluste und agieren mannorientiert im Zentrum. Sie verfügen über gute Qualität und haben dazu schon 40 Tore erzielt." Und auch 40 kassiert. Aber was heißt das schon gegen den VfB.

George Moissidis