Bundesliga

"Diese BVB-Leistung war beeindruckend, ein Ausrufezeichen"

Dietmar Hamann spricht im kicker

"Diese BVB-Leistung war beeindruckend, ein Ausrufezeichen"

Dietmar Hamann

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Dietmar Hamann in seiner Analyse. imago images

Nach den vielen Umfragen und populistischen Diskussionen im Vorlauf ist der Re-Start der Bundesliga sehr positiv verlaufen, eigentlich optimal. Das DFL-Konzept wurde diszipliniert und professionell umgesetzt. Dadurch erfährt der deutsche Fußball europa- und weltweit eine neue Akzeptanz, wie ich in vielen Telefonaten mit Engländern höre. Die Bundesliga wird bei der Fortsetzung der Spiele nach der Corona-Pause als Vorreiter gesehen und geachtet. Sie darf stolz darauf sein, muss dieses zarte Pflänzchen nun aber weiter hegen und die Corona-Regeln penibel befolgen, damit die Saison so weiter und zu Ende geführt werden kann.

Verrückte Resultate möglich

Die Form der Geisterspiele wird die Mannschaften qualitativ näher zusammenrücken lassen. Wäre die Saison mit Zuschauern fortgesetzt worden, hätte ich mir keinen anderen Meister als den FC Bayern vorstellen können. Denn es zeichnet große Mannschaften aus, dass sie auf den Punkt da sind, wenn sie in ein volles Stadion kommen und die Stimmung gegen sie tobt. Dieses Momentum der extern forcierten Anspannung fehlt jetzt. Deshalb halte ich verrückte Resultate in den kommenden Wochen für möglich - und auch einen anderen Deutschen Meister.

Der Neustart in der Liga - Verfolger sind nicht abzuschreiben

An diesem ersten Spieltag nach der Corona-Pause haben sich die Dortmunder als erster Mitbewerber empfohlen. Sie lieferten die Performance dieser Runde - ohne Witsel, Can, Reus und Reyna. Nun wurde Brandt gesucht, der diese Aufwertung und Hauptrolle auf dem Platz offenbar brauchte. Diese BVB-Leistung war beeindruckend, ein Ausrufezeichen. Zusätzlich wird sie der Dortmunder Mannschaft selbst enorm Auftrieb geben.

Genauso würde ich die Leipziger noch immer nicht abschreiben. Und auch Mönchengladbach ist nicht zu vergessen, allerdings frage ich mich, ob die Borussia ihre Leistung bis zum Saisonende halten kann. Sie muss eher in den Rückspiegel schauen, da die Leverkusener mit nur zwei Punkten Rückstand folgen. Der direkte Vergleich an diesem Spieltag wird da neue Aufschlüsse bringen. Ich glaube, die Gladbacher wären froh, wenn sie sich letztlich für die Champions League 2020/21 qualifizieren würden. Leipzig und Leverkusen schätze ich etwas stärker ein.

Generell gilt für die Bayern-Verfolger, dass sie die jetzige Situation mit relativ geringem Rückstand auf den Serienmeister aus München couragiert nutzen sollten.

Dietmar Hamann

Generell gilt für die Bayern-Verfolger, dass sie die jetzige Situation mit relativ geringem Rückstand auf den Serienmeister aus München couragiert nutzen sollten. Gerade die Leverkusener sollten sich dessen bewusst sein, dass sie eine richtig starke Mannschaft haben.

Den Schalkern präsentierte dieser Auftakt eine weniger schöne Erkenntnis. Weil dort das 100-prozentige Vertrauen in den Torhüter fehlt, hat die Elf ein Problem. Vielleicht hätte man dort Nübel mehr stützen müssen, er ist im Vergleich zu Schubert der bessere Torwart. Jetzt hat Schalke keine Nummer 1, dafür zwei Nummern 2. Und wenn Coach Wagner jetzt wieder wechselt, weiß Schubert, dass er in der kommenden Spielzeit nicht die Nummer 1 wird.

Bremen muss es mit Kohfeldt durchziehen

Beängstigend stellten sich auch die Bremer dar. Dort ist zurzeit wenig Fantasie zu erkennen, wenn Leistungsträger wie Pavlenka oder Moisander die anderen nicht mitziehen. Die Klub-Führung hat sich früh zugunsten des Trainers Kohfeldt positioniert. Grundsätzlich finde ich ein solches Bekenntnis zu einem Coach gut, aber unglücklich war die Formulierung, Werder gehe mit ihm womöglich sogar in die Zweite Liga. Damit setzt sich die Zweite Liga in den Köpfen der Spieler fest. Nach der 0:5-Heimpleite gegen Mainz am 16. Spieltag wäre der Zeitpunkt zum Handeln denkbar gewesen, jetzt aber müssen es die Bremer mit Kohfeldt durchziehen - zumal sie von ihm überzeugt sind, wie sie sagen. Ob es aber reichen wird?

Fatales Zeichen von Herrlich

Heiko Herrlich in Augsburg hat mit seiner Missachtung der Corona-Regeln vor der Partie gegen Wolfsburg bei den Spielern an Autorität eingebüßt. Und wenn Respekt und Glaubwürdigkeit auch nur in Ansätzen verloren sind, arbeitest du als Trainer auf Zeit. Außerdem hat Herrlich in diesem Spiel die Mannschaft und den Verein geschwächt, indem er fehlte. Es war ein fatales Zeichen von Herrlich, der deswegen schon kurzfristig Probleme bekommen kann - oder wird.

Der Re-Start in Zahlen: Läuferisch stimmt's