Bundesliga

Positionsdaten der Bundesliga ausgewertet: Weniger Kontakte als in der Hinrunde

Positionsdaten des Re-Starts ausgewertet

Weniger Kontakte als in der Hinrunde

Mindestabstand Bundesliga

Der Mindestabstand ist auf dem Fußballfeld schwer einzuhalten - dennoch gab es weniger Kontakte zwischen den Spielern als in der Hinrunde. imago images

Diese "Kontaktbeschränkungen" dürften das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Politik freuen, auch wenn sie, mit Ausnahme beim Torjubel, weder angeordnet noch empfohlen worden sind: In den 17 Spielen beim Re-Start der Bundesliga und der 2. Bundesliga am vergangenen Wochenende sind sich die Spieler noch wesentlich seltener näher gekommen als ohnehin schon in den 306 Spielen der beiden Ligen in der Hinrunde dieser Saison. Das ist das Ergebnis der Auswertung der DFL-Tochterfirma Sportec Solutions (Köln).

Bewegungsprofil wird mit 16 bis 20 Kameras erfasst

Seit dem Jahr 2011 sammelt und bündelt die DFL alle Aktivitäten in den Bereichen Spieldaten und Sporttechnologie. Seit der Saison 2017/18 ist das Kölner Experten-Team der Sportec Solutions operativ verantwortlich für die Erhebung und Speicherung der offiziellen Spieldaten und übermittelt diese an Klubs, Lizenznehmer, Partner und Kunden. Dazu gehören auch die Positionsdaten, die das Bewegungsprofil jedes Spielers abbilden und die bei jedem Spiel mit 16 bis 20 Kameras erfasst werden.

Das RKI empfiehlt seit Ausbruch der Pandemie der Bevölkerung einen Mindestabstand von 1,5 Metern. Sportec Solutions hat den Kreis vergrößert und in der dem kicker vorliegenden Datenerfassung ermittelt, wie oft Spieler in einer Partie in einem Radius von zwei Metern in direkten oder indirekten Kontakt kommen. In der Hinrunde dieser Saison war das im Durchschnitt - während des laufenden Spiels und inklusive kürzerer Unterbrechungen, zum Beispiel vor Standardsituationen - über etwa sieben Spielminuten der Fall. In fünf Prozent aller Fälle kreuzten sich die Wege eines Spielers mit anderen Spielern länger als 15 Minuten.

Sinkende Zahlen beim Neustart

Beim Re-Start am vergangenen Wochenende sanken die Zahlen auf 6:02 Minuten und kam es nur in 2,3 Prozent der Fälle zu Kontakten mit anderen Spielern für über 15 Minuten. Keine Rudelbildung, weniger Reklamationen, kein Zank nach Fouls und kein Gerangel um den Ball bei Einwürfen, oft als Mittel zur Stimulierung der eigenen Fans genutzt, dürften die Hauptgründe für die geringere Zahl an Kontakten bei Geisterspielen sein.

Für Dr. Hendrik Weber (Geschäftsführer Sportec Solutions) hat die Studie folgende Aussagekraft: "Es war für uns spannend zu sehen, dass die Kontaktzeiten im Spiel offenbar geringer sind, als man gemeinhin denken könnte, und dass "Räume" nicht nur theoretisch eine wesentliche Charakteristik des Fußballs sind. Zudem ist es gerade in Zeiten der Corona-Pandemie eine interessante Erkenntnis, dass in der Bundesliga und auch 2. Bundesliga trotz knapp 90 000 Konstellationen in dieser Saison nach unserer Erhebung kein Spieler länger als 15 Minuten Kontakt zu einem bestimmten anderen Spieler hatte."

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Rainer Franzke