Handball

"Da blutet mir das Herz": Der deutsche Handball kämpft ums "Überleben"

HBL-Chef Bohmann und DHB-Vizepräsident Hanning äußern sich

"Da blutet mir das Herz": Der deutsche Handball kämpft ums "Überleben"

Handball-Bundesliga

Neustart, Geisterspiele? Die Handball-Bundesliga muss "jetzt viele richtige Entscheidungen treffen". imago images

Während nach der Bundesliga und der 2. Liga ab 30. Mai auch wieder in der 3. Liga der Fußball rollen wird und außerdem der Basketball die unterbrochene Saison in Form eines BBL-Turniers zu Ende bringen wird, ist im Handball längst Schicht im Schacht - und der THW Kiel zum Meister erklärt worden.

Damit ist auch klar, dass der Handball eben im Gegensatz zum Fußball oder Basketball für weitere Monate von der Bildfläche verschwinden wird - schließlich stehen auch keine Spiele der Nationalmannschaft an, genauso wenig wie Partien in der Champions League. Das Final-Four-Turnier in Köln ist vielmehr von der EHF (Europäischen Handballföderation) gleich bis in den Dezember verlegt worden - was direkt zu einer kuriosen Spielerkonstellation bezüglich Kiel und Paris geführt hat.

Geisterspiele "in allerhöchster Not"

DHB-Vize Bob Hanning fürchtet deswegen wie sicherlich auch andere "den Anschluss zu verlieren". Liga-Chef Frank Bohmann "blutet das Herz", weil im Kampf um öffentliche Wahrnehmung in Zeiten der Corona-Krise allmählich der Druck wächst. Deswegen verschließt sich der Handball offenbar auch nicht mehr vor Geisterspielen, die damit plötzlich wieder ein Thema sind.

"Wir müssen zwingend im September oder Oktober wieder spielen, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden", sagte Bohmann dem SID. Wie alle wünscht er sich für den Re-Start der seit März pausierenden Liga natürlich Spiele vor Zuschauern. "In allerhöchster Not", sagt der HBL-Geschäftsführer allerdings auch, müsse man aber auch Geisterspiele durchführen.

"Der Kampf ums Überleben ist jetzt das A und O"

Auch Hanning, Vizepräsident des DHB und Geschäftsführer der Füchse Berlin, plädiert für einen schnellstmöglichen Neustart. "Geisterspiele machen keinen Spaß, schließlich leben wir emotional und auch wirtschaftlich von unseren Fans", sagte der 52-Jährige. "Aber um möglichst schnell wieder in einen Wettkampf-Rhythmus zu kommen, sind Geisterspiele zwingend notwendig."

In der Kölner Ligazentrale laufen momentan die Fäden zusammen, täglich steht Bohmann mit Klubchefs und Funktionären aus Politik und anderen Sportarten im Austausch, um Wege aus der existenzgefährdenden Situation zu erarbeiten. Statt um Titel geht es für den Handball in diesen Tagen schließlich um seinen Fortbestand. "Eigentlich sollte dieser Sommer mit allen seinen Entscheidungen und dem Kampf der Nationalmannschaft um eine Olympiamedaille den Start in ein Jahrzehnt des Handballs markieren, stattdessen kämpfen wir mit allen Mitteln um die Wirtschaftlichkeit unserer Klubs - da blutet mir das Herz", sagt Bohmann. "Der Kampf ums Überleben ist jetzt das A und O."

Hanning sucht nach Formen, "um öffentlich im Gespräch zu bleiben"

Den angepeilten Starttermin im Herbst hält Hanning für richtig, sagt aber auch: "Schon vorher müssen wir Formen finden, um öffentlich im Gespräch zu bleiben. Damit wir den Anschluss auch zu anderen Sportarten nicht verlieren." Keine Sichtbarkeit zu haben sei für den Handball, der für sich gerne Platz zwei der Mannschaftssportarten hinter dem Fußball beansprucht, "alles andere als produktiv für unsere Sportart. Wir müssen jetzt viele richtige Entscheidungen treffen."

"Ich gucke nicht neidisch auf die Basketballer, finde es sogar gut, dass sie ihre Saison zu Ende spielen. Das führt ein Stückchen zur Normalität zurück und kann uns helfen auf dem Weg zu unserem Re-Start", sagt Hanning darüber hinaus. Auch Bohmann findet die Pläne der BBL "super und bewundernswert. Da stecken viel Arbeit und eine Menge finanzieller Mittel drin. Wir können uns einiges auf dem Konzept abschauen."

mag/sid

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