Bundesliga

Hübner stärkt Hütter: "100 Prozent überzeugt"

Frankfurts Sportdirektor fordert mehr Kompaktheit und Entschlossenheit

Hübner stärkt Hütter: "100 Prozent überzeugt"

Bruno Hübner und Adi Hütter

Es läuft nicht rund: Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner (l.) stellt sich dennoch hinter Coach Adi Hütter. imago images

Speziell die Anfangsphase gegen Gladbach war geprägt von Schlafmützigkeit, individuellen Fehlern und viel zu großen Abständen. Die zwei frühen Gegentore sind zwar nicht auf mangelnde Kompaktheit zurückzuführen, insgesamt sorgte dieses Manko aber dafür, dass in (zu) vielen Situationen der Zugriff fehlte. Häufig konnte sich die technisch ohnehin überlegene Borussia aus Gladbach zu leicht durch die Reihen der Frankfurter kombinieren. Erst als die Gäste einen Gang zurückschalteten, fand Frankfurt etwas besser ins Spiel, blieb meist aber harmlos. "Wenn du nach einer so langen Pause einen Kaltstart hinlegst, nicht weißt, wo du stehst und so schlecht ins Spiel kommst, verunsichert das jede Mannschaft erst mal", wirbt Bruno Hübner einerseits um Verständnis. Andererseits moniert der Sportdirektor "viele schlechte Entscheidungen im letzten Drittel" und fehlende "Durchschlagskraft". Richtig brenzlig wurde es im Strafraum der Gäste nur dreimal: bei Kostics direktem Freistoß (23.), Daichi Kamadas abgefälschtem Schuss (48.) und André Silvas letztlich bedeutungslosem Tor zum 1:3. Das ist unterm Strich zu wenig, selbst gegen einen starken Gegner wie Gladbach.

Kompaktheit und Torgefährlichkeit ist "verloren gegangen"

"Grundsätzlich wollen wir mutiger sein, mit Überzeugung auftreten und wieder so kompakt sein wie in den ersten Spielen der Rückrunde", betont Hübner. Ein Grund für den "total unglücklichen Start" sieht er in der kurzen Vorbereitungszeit, mit der allerdings auch Gladbach klarkommen musste. "Unsere Mannschaft braucht ein ordentliches Mannschaftstraining. Das sah man in der Winterpause, in der Adi Hütter in den USA die Möglichkeit hatte, mit der Mannschaft zu arbeiten. Dementsprechend sind wir gestärkt und gut in die Rückrunde gekommen. Wir waren kompakt und torgefährlich", blickt Hübner zurück und räumt ein: "Ein Stück weit ist das verloren gegangen. Das liegt aber auch daran, dass wir nicht ordentlich trainieren konnten und nicht wussten, wo wir stehen."

Zur Erinnerung: Aufgrund der vielen englischen Wochen vor Weihnachten konnte Hütter kaum im taktischen Bereich arbeiten. Die Zeit in Florida nutzte er zum Einstudieren der Viererkette. Im 4-2-3-1 und später im 4-3-3 fand die Mannschaft zunächst zu neuer Stabilität, bevor die Leistungen wieder nachließen und Frankfurt in der Tabelle immer weiter abrutschte.

Wenn du so leicht Tore kriegst, ist das keine Frage des Systems, sondern eine Frage der Konzentration und der Einstellung.

Bruno Hübner

Aufgrund der jüngsten Leistungen stellt sich die Frage, ob eine Rückkehr zum 3-5-2 sinnvoll wäre. Einerseits klingt eine solche Umstellung verlockend, da Frankfurt in dieser Ausrichtung lange Erfolg hatte. Anderseits sei an die Schwächephase vor Weihnachten erinnert, in der Frankfurt im 3-5-2 wochenlang als Verlierer vom Platz ging. Deshalb liegt Hübner richtig, wenn er feststellt: "Wenn du so leicht Tore kriegst, ist das keine Frage des Systems, sondern eine Frage der Konzentration und der Einstellung. Nichtsdestotrotz ist die Dreierkette bei uns immer eine Option, weil wir damit gute Erfahrungen gemacht haben und Makoto Hasebe für dieses Spiel prädestiniert ist."

Glänzen kann Hasebe allerdings auch als tiefer Sechser im 4-3-3. In dieser Rolle kann er sich situativ zwischen die beiden Innenverteidiger zurückfallen lassen, um eine Dreierkette herzustellen. In Ballbesitz kann er sich wiederum etwas weiter vorne positionieren und das Spiel lenken. Diese Rolle füllte er übrigens im Pokalfinale 2018 gegen die Bayern prächtig aus. Damals begann Frankfurt im 4-3-3, stellte phasenweise aber auf ein 5-4-1 mit Hasebe in der letzten Linie um. Diese Ausrichtung und Variabilität könnte sich auch für die Partie am Samstag in München als kluge Wahl herausstellen. "Das System ist schon wichtig. Aber insgesamt ist das Auftreten der Mannschaft das Entscheidende. Wir müssen daran arbeiten, dass wir die Kompaktheit herstellen, mit Überzeugung nach vorne spielen und im letzten Drittel nicht so zögerlich sind. Du musst den Abschluss suchen und die richtigen Entscheidungen treffen. Da müssen wir wieder hinkommen", fordert der Sportdirektor.

Wir sind von unserem Trainer 100-prozentig überzeugt. Adi ist ein ausgezeichneter Trainer.

Bruno Hübner

Zweifel an Hütters Arbeit will er gar nicht erst aufkommen lassen. "Wir sind von unserem Trainer 100-prozentig überzeugt. Adi ist ein ausgezeichneter Trainer", bekräftigt Hübner. Der 59-Jährige ist zuversichtlich, dass Frankfurt nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird: "Wenn wir ordentlich trainieren, werden wir unsere Punkte holen und nicht in Abstiegsgefahr geraten. Das ist unser Ziel, daran arbeiten und glauben wir. Wir haben die Qualität, die müssen wir einfach abrufen. Wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, werden wir die notwendige Punktzahl holen."

Im Prinzip ist diese Aussagen völlig richtig. Sollte Frankfurt in München nicht wider Erwarten punkten, spitzt sich die Lage jedoch zu. Das Heimspiel gegen Freiburg am kommenden Dienstag könnte darüber entscheiden, ob die Hessen unten reinrutschen oder sich ein kleines Polster verschaffen. Angesichts der Darbietungen von Paderborn, Bremen und Düsseldorf werden in dieser Saison voraussichtlich nicht mal annähernd 40 Punkte nötig sein, um auch 2020/21 erstklassig zu spielen. Unterschätzen sollten Spieler und Verantwortliche die Situation trotzdem nicht. Hübner meint optimistisch: "Wir glauben, dass wir in München ein ordentliches Spiel machen, uns Selbstvertrauen holen und dann am Dienstag gegen Freiburg das Spiel gewinnen." Das klingt ein bisschen nach Zweckoptimismus, doch was wäre die Alternative? Mit einer pessimistischen Grundeinstellung hat in München noch keiner hoch gewonnen.

Julian Franzke

Der Re-Start in Zahlen: Läuferisch stimmt's