2. Bundesliga

VfB Stuttgart - Sven Mislintat richtet harte Worte an Spieler und VAR

Stuttgarts Sportdirektor ist extrem verärgert

Mislintat: Harte Worte an Spieler und VAR

Redebedarf: Stuttgarts Spieler nach der Last-Minute-Niederlage mit Schiedsrichter Sascha Stegemann

Redebedarf: Stuttgarts Spieler nach der Last-Minute-Niederlage mit Schiedsrichter Sascha Stegemann. imago images

Im Duell der Unterschiede war, wie schon im Hinspiel im vergangenen Oktober, für den Tabellenzweiten beim Tabellenvorletzten nichts zu holen. Stuttgart unterlag 1:2 beim SV Wehen-Wiesbaden. Nach einer mal wieder insgesamt durchwachsenen Leistung und einem in seinem Zustandekommen ärgerlichen Handelfmeter in der Nachspielzeit. Zwei Dinge, die Mislintat zu harter Kritik zwingen.

Mislintat: "Wir haben unseren Job nicht erledigt"

Dabei betont der Sportdirektor extra die Reihenfolge seines Ärgers. "Wir müssen erst einmal bei uns anfangen: Wir haben unseren Job nicht erledigt." Der fest eingeplante Dreier beim Kellerkind aus Hessen wurde zu einfach verspielt. Nach guter Anfangsphase mit Chancen und klarer Struktur fiel der VfB in alte, gewohnte Muster zurück. Die Aktionen wirkten behäbig, genügsam, uninspiriert - eines Spitzenteams, das man gerne sein will, unwürdig. Die Quittung folgte in Form der Niederlage.

Natürlich, so der Sportchef, habe man auch mit den gewohnten Problemen zu kämpfen gehabt, die alle Teams beim ersten Spiel nach einer langen Pause und ohne Testmöglichkeit befallen: wie die Unsicherheit in Sachen Fitness und Leistungsstand. Was Mislintat, das Trainerteam und die Klubspitze um Vorstandschef Thomas Hitzlsperger besonders ärgert, war die mangelnde Wehrhaftigkeit gegen einen durchschnittlichen Gegner. "Es geht um Widerstandsfähigkeit", erklärt der Sportdirektor. "Wir müssen uns besser wehren und unterstützen."

Den Schwaben, das wurde sehr deutlich ohne den Lärm eines sonst vollen Stadions, fehlt zuweilen das nötige Feuer. "Wir müsse uns verbal mehr unterstützen, uns pushen. Gerade, wenn das Publikum fehlt. Dann muss das von uns selbst kommen." Der VfB zündet gerne Leuchtkerzen, richtiges Feuer können sie nicht entfachen. Besonders vor dem Tor nicht, im letzten Drittel, wie es so schön heißt. "Wir spielen viele Bälle in die Box", sagt Mislintat. "Aber wir gehen nicht aggressiv genug in diese Bälle hinein." Entsprechend sind genügend Chancen vorhanden, aber Tore dennoch rar. Das oft in Frage gestellte Glück, hat mit der schwachen Chancenverwertung kaum bis nichts zu tun.

Die Problematik, die den VfB schon die gesamte Saison, eigentlich sogar seit mehreren Spielzeiten verfolgt, sei in einer scharfen Spielanalyse "hart besprochen" worden. "Eine sehr eindeutige Ansprache" habe es vom Trainer für die Spieler gegeben, erzählt Mislintat, der nicht nur von den Profis Wehrhaftigkeit fordert sondern diese selbst zeigt.

"Es ist ein Skandal, wie die Elfmeterentscheidung zustande gekommen ist"

Der 47-Jährige wählt ebenfalls harte Worte in Bezug auf der Unparteiischen und den VAR, der in der Nachspielzeit auf Handelfmeter gegen den VfB entschied. "Hilfe von den Schiedsrichtern erwarten wir in dieser Saison sowieso nicht", sagt Mislintat, der sich und seine Mannschaft in dieser Saison bereits nachweislich des Öfteren benachteiligt fühlt. "Dass wir verloren haben, ist nur unsere Schuld", betont der Sportdirektor. Dennoch will er nicht vergessen wissen, dass ohne den verhängten Handelfmeter zumindest ein Zähler für den VfB dringewesen wäre.

"Es ist ein Skandal, wie die Elfmeterentscheidung zustande gekommen ist", schimpft der Kaderplaner. "Ein Skandal! Der VAR sollte den Fußball gerechter machen." Das sei nicht der Fall. Im Gegenteil. Stattdessen fühlen sich die Schwaben einmal mehr um den Lohn ihrer, wenn auch manchmal mangelhaft ausgeführten Arbeit. "Ich dachte, es kann nicht schlimmer kommen." Darin wolle er zwar "kein Prinzip erkennen. Aber ich kann nicht verhehlen, dass es eins zu geben scheint".

Stegemann erkennt kein Handspiel

Harte Worte, die verständlich sind, verfolgt man die Kommunikation von Schiedsrichter Sascha Stegemann und Dr. Robert Kampka, der als VAR im Kölner Keller saß. Daraus wird deutlich, dass der Unparteiische die Szene mit Hamadi Al Ghaddiouis Handspiel weder auf dem Rasen bemerkt hatte, noch diese anschließend im Videomonitor wirklich richtig erkennen konnte. Bilder, die auch für den normalen TV-Zuschauer trotz mehrmaliger Wiederholung nicht zweifelsfrei zu erkennen waren.

Trotzdem folgte Stegemann dem Rat seines Kollegen aus Köln, der zum Elfmeter riet. Grundsätzlich erlaubt, aber dennoch für die Schwaben mit einem "Gschmäckle" behaftet, nimmt man an, dass es keine besseren, klareren, eindeutigeren Bilder von der Szene gab. "Ich war bisher immer ein Befürworter des VAR", sagt Mislintat. Die Betonung liegt auf war. Man müsse sich dringend darüber unterhalten. "Wir werden nicht gerecht behandelt."

George Moissidis

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