Bundesliga

Hertha BSC, Brunno Labbadia: "Nicht wie im Kirchenchor"

Hertha-Coach wirbt in der Jubel-Debatte um Verhältnismäßigkeit

Labbadia: "Nicht wie im Kirchenchor"

Vedad Ibisevic mit Matheus Cunha (li.)

Nicht empfohlen: Annäherung zwischen Vedad Ibisevic und Torschütze Matheus Cunha. picture-alliance

"Wir haben gegen keine Regel verstoßen, das ist das Wichtigste. Das ist eine Empfehlung", sagte Labbadia am Sonntagmittag bei einer Skype-Schalte mit Berliner Journalisten. "Fußball ist ein Kontaktsport. Die Mannschaft ist zum sechsten Mal getestet worden. Es ist wichtig, das einzuordnen und eine Verhältnismäßigkeit zu sehen. Wir sind beim Zweikampf, bei Eckbällen ganz eng mit dem Gegner. Das werden wir nicht vermeiden können. Es ist ein ganz schmaler Grat, den wir gehen."

"In der Corona-Zeit haben wir alles mitgenommen, was mitzunehmen war"

Herthas Profis hatten sich nach ihren Toren beim 3:0-Auswärtssieg bei der TSG Hoffenheim am Samstag - im ersten Spiel unter Labbadia - nicht an die von der DFL empfohlenen Abstände beim Jubeln gehalten. Sanktionen, das hatte die DFL bereits am Samstag betont, werde es nicht geben. Mit Blick auf die TV-Einschaltquoten am Samstag sagte Labbadia am Sonntag: "Die Menschen lechzen nach Fußball. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wie im Kirchenchor auftreten. Es sind so viele Menschen, die Bock haben, Fußball zu sehen. Es ist schwierig, meinen Spielern zu sagen, wir wollen ein gutes Spiel machen - und dann muss aber jede Emotion raus." Zumal sich aus Labbadias Sicht in Anbetracht der besonders schwierigen Hertha-Saison beim einen oder anderen nach den Erfolgserlebnissen in Sinsheim gewissermaßen ein Ventil öffnete: "Die Jungs haben den vierten Trainer. Es gab viel Theater im Verein und drumherum. In der Corona-Zeit haben wir alles mitgenommen, was mitzunehmen war (unter anderem die COVID-19-Erkrankung von Maximilian Mittelstädt, eine Doppel-Quarantäne von Niklas Stark und Marius Wolf, später Salomon Kalous Kabinen-Video, d. Red.). Hertha hat in der Vergangenheit nicht immer drei Tore gemacht. Dass da eine Freude da ist, wenn man fünf Wochen in Quarantäne war, da sollte man keine Hysterie draus machen."

"Wir sollten nicht immer nur das Negative suchen..."

Labbadia unterstrich, ihm liege es "fern, dass wir uns über andere stellen - aber wir müssen mal rausstellen, dass die Liga mit der DFL, mit der Politik, mit allen Beteiligten einen Riesen-Job gemacht hat. Selbst in England wurde jedes Spiel live gebracht. Wir sollten nicht immer nur das Negative suchen, sondern wir können auch mal die DFL, die Politik, alle zusammen einen kurzen Moment stolz darauf sein, dass uns das vor allen anderen Ligen gelungen ist umzusetzen." Sein Appell: "Es geht darum, einen guten Wettkampf auf dem Feld zu zeigen und dass die Zuschauer weiter so dranbleiben, weil das den Fußball ausmacht." Ungeachtet dessen wird es in den nächsten Tagen Gespräche mit den eigenen Profis zum Thema Torjubel geben. Labbadia: "Ich sage nicht: 'Das ist alles richtig.' Wir werden mit den Spielern reden, keine Frage."

Steffen Rohr

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