Eishockey

Draisaitl: "Importspieler nehmen deutschen Talenten die Stellen weg"

Schlupflöcher in den DEL-Regularien

Draisaitl: "Importspieler nehmen deutschen Talenten die Stellen weg"

Leon Draisaitl

"Es ist noch eine Menge zu tun": Der deutsche NHL-Superstar Leon Draisaitl. imago images

"Das deutsche Eishockey hat sich gemacht. Immerhin hat die Nationalmannschaft im Frühjahr 2018 die olympische Silbermedaille gewonnen. Aber natürlich ist noch eine Menge zu tun", sagte Draisaitl dem "Focus" und fordert: "Man muss von den neun Spielern aus dem Ausland pro Vereinsteam runter. Die Importspieler nehmen deutschen Talenten die Stellen weg."

In der Deutschen Eishockey-Liga dürfen bis zu elf Lizenzen für Importspieler vergeben werden. Auf dem Aufstellungsbogen dürfen deren neun stehen. Kritiker der Reduzierung befürchten einen Verfall der Qualität, sollten weniger Ausländer wie etwa Ex-NHL-Spieler in der DEL spielen. "Natürlich muss eine gewisse Qualität gewahrt bleiben. Aber vielleicht reichen auch sechs Ausländer", so Befürworter Draisaitl.

Edmonton Oilers - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.11.1971

Vereinsfarben

Blau-Orange-Weiß

Deutschland - Vereinsdaten
Fischtown Pinguins - Vereinsdaten

Vereinsfarben

Rot-Weiß

National Hockey League - Woche 1
National Hockey League - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Carolina Hurricanes
6
Toronto Maple Leafs
5
St. Louis Blues
5

Das Schlupfloch - Beispiel Fischtown

Allerdings finden auch die Klubs immer wieder Schlupflöcher. Vor allem die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven fallen immer wieder damit auf, Ausländer einzubürgern, um augenscheinlich die Importspieler-Regelung zu umgehen. Im Kader 2019/20 hatten von 24 eingesetzten Spielern zwar 15 einen deutschen Pass - in Deutschland geboren wurden aber nur deren zwei: Tom Horschel (22, Bad Tölz, 3:24 Minuten Eiszeit pro Spiel) und Luca Gläser (21, Schlema, 5:17 Minuten Eiszeit/Spiel) spielten dabei nur untergeordnete Rollen und erhielten die wenigste Eiszeit unter allen eingesetzten Spielern.

Der Verdacht liegt nahe, dass die beiden nur wegen der U-23-Regelung aufgestellt wurden, um mehr Spieler auf den Aufstellungsbogen schreiben zu dürfen. Im durchschnittlich ältesten Kader der abgelaufenen Saison (29,2 Jahre alt) waren Horschel, Gläser, der gebürtige Russe Fedor Kolupaylo und der gebürtige Tscheche Patrik Cerveny die einzigen Spieler mit einem deutschen Pass unter 23.

Auch der jüngste Neuzugang, Torwart Brandon Maxwell, hat neben der US-amerikanischen und der kanadischen nun auch die deutsche Staatsbürgerschaft - wie die Pinguins erklärten, seien seine Mutter und Großmutter deutscher Abstammung.

Viele Profiteure

Um den Weg für mehr deutsche Talente in der DEL zu öffnen, braucht es also weit mehr Regelungen als die Reduzierung der Importstellen, denn auch alle anderen 13 Klubs profitieren vom "System Bremerhaven", indem sie dort eingedeutschte Spieler später selbst verpflichten, um ihren Kader qualitativ aufzuwerten. Das könnte allerdings den nächsten deutschen Talenten einen Kader-Platz kosten.

Draisaitl: Über die WHL in die NHL

Draisaitl spielte übrigens nie selbst in der DEL. Der NHL-Top-Scorer (43 Tore, 67 Assists, 110 Punkte) wurde in Köln und Mannheim ausgebildet, wechselte aber schon zwei Jahre vor seinem Draft (2014 in der 1. Runde an 3. Stelle) nach Nordamerika zu den Prince Albert Raiders in die WHL. Aktuell ist der 24-jährige Mittelstürmer der Edmonton Oilers der Top-Favorit auf die Art Ross Trophy (Top-Scorer) und die Hart Trophy (wertvollster Spieler).

cru

So lief die Saison 2019/20 für Draisaitl & Co.