Bundesliga

Gastbeitrag von Axel Hellmann: Ein Abbruch würde Beliebigkeit bedeuten

Gastbeitrag von Axel Hellmann (Vorstand Eintracht Frankfurt)

Ein Abbruch würde Beliebigkeit bedeuten

Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt, verteidigt im Gastkommentar die Entscheidung für die Fortsetzung der Bundesliga.

Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt, sieht im Falle eines Abbruchs der Saison einen immensen Schaden für das Gesamtsystem. picture alliance

Von Axel Hellmann

Wer meint, dass unterschiedliche Anwendungspraktiken und Quarantäne-Anordnungen der Gesundheitsbehörden einschneidende Wettbewerbsverzerrungen darstellen, sollte prüfen, ob nicht die Vorteile des Re-Starts zum Wohle aller die möglichen Nachteile einzelner überwiegen. Der Integrität des Wettbewerbs kommt eine sehr große, wenn nicht die größte Bedeutung innerhalb des organisierten Fußballs zu. Er kann nur erfolgreich funktionieren, wenn das Vertrauen in die "Sauberkeit" des Sports und die Unvorhersehbarkeit des sportlichen Ergebnisses sichergestellt werden. Dafür gibt es umfassende Regelungskataloge. Angefangen von den Spielregeln bis zu speziellen Regularien wie das Financial Fairplay der UEFA und das weltweit hoch angesehene DFL-Lizenzierungssystem. Diese Regelungen stärken das Vertrauen, das Lebensgrundlage für die emotionale Identifikation der Fans und Basis für langfristige Partnerschaften mit Medien und Sponsoren ist. Einer Liga, die ihren Wettbewerb abbricht und damit Beliebigkeit im Umgang mit dem Vertrauen des gesamten Umfelds zum Ausdruck bringt, wird in Zukunft auch Beliebigkeit in anderen Fragen entgegengebracht bekommen. Verlässlichkeit begründet den Kern der Integrität des Wettbewerbs.

Rahmenbedingungen dürften sich auch zu Beginn der kommenden Saison nicht geändert haben

Wer sie opfert, braucht überzeugende Lösungen, wie es dann weitergeht. Mir ist kein einziger Ansatz bekannt, der für diesen Fall nur annähernd brauchbar wäre und - bildlich - nicht beim Kick mit der Schweinsblase auf dem Dorfsportplatz enden würde. Niemand sollte glauben, dass wir nach einem erklärten Abbruch dieser Saison problemlos in die Saison 2020/21 starten und alle eben noch verprellten und entschädigten Medien und Sponsoren dann Schlange stehen werden. Zumal sich die Rahmenbedingungen für Großveranstaltungen zu Beginn der neuen Saison kaum geändert haben dürften. Was also soll nach dem Sommer anders sein? Entscheiden wir dann, die Saison 2020/21 nicht zu spielen, warten, bis wir alle durchgeimpft oder auf natürlichem Wege immun sind? Ziehen wir uns als Klubs bis dahin in die sozialen Medien zurück?

Bei Abbruch: Wie sollen einzelne Klubs und die Liga durch den Sommer kommen?

Völlig ausgeblendet ist die Frage, wie einzelne Klubs und die Liga im Falle eines Abbruchs wirtschaftlich durch den Sommer kommen wollen. Wer das Konzept für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter den Bedingungen der SARS-CoV-2-Pandemie für untauglich und mit seinen praktischen Folgen als massiven Eingriff in die Integrität des Wettbewerbs erachtet, muss eine Antwort darauf geben, ob und wie überhaupt noch ein sportlicher Wettbewerb existieren wird, wenn diese Saison nicht fortgesetzt wird. Er muss auch erläutern, wie Platzierungen im Falle einer abgebrochenen Saison bestimmt werden sollen und warum dies dann eine der Integrität des Wettbewerbs verpflichtete Lösung sein soll. Alle diese Punkte sind unbeantwortet, weil es dafür keine Lösungen gibt. Der Schaden für das Gesamtsystem wäre immens, ein Nutzen marginal und nur auf Ebene etwaiger begünstigter Klubs zu sehen. Es kann daher nur bei dem Prinzip bleiben: Jedes sportliche Ergebnis ist besser als eine nichtsportliche Lösung. Dies wird nur durch eine Fortsetzung des Ligabetriebs sichergestellt. Die Liga wird im weiteren Spielbetrieb mit Unwägbarkeiten und gegebenenfalls mit Spielverlegungen leben müssen. Es wird Härtefälle geben und am Ende gefühlte Ungerechtigkeiten. Darüber müssen wir Klubvertreter uns im Klaren sein. Wir treffen eine Verabredung, den organisierten Profifußball in seiner Geschlossenheit zu erhalten bei gleichzeitiger Inkaufnahme kritischer Einzelfälle. Dabei kann es jeden treffen. Wir sollten zum gegebenen Zeitpunkt auch über wirtschaftlich unterstützende Maßnahmen für Klubs sprechen, die in Folge der praktischen Umsetzung des Konzepts zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs unverschuldet besonders hart getroffen werden könnten.

Die Entscheidung, diesen Weg so zu gehen, ist in den letzten Wochen überwiegend vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Aspekte diskutiert worden. Ohne Zweifel spielen diese eine entscheidende Rolle für die Fortsetzung der Saison. Die verschiedenen Sichtweisen sind ausführlich in allen Medien ausgetauscht worden und brauchen nicht mehr aufgewärmt werden. Gleichwohl sollten wir alle im Fußball mitnehmen, dass wir in der bislang ärgsten Phase der Corona-Krise mitunter auf eine ausgesprochen kritische Grundhaltung der Öffentlichkeit gegenüber dem Profifußball geprallt sind. Den berechtigten Fragen bezüglich der Ausgabenpolitik der Klubs, ihrer Finanzierungsstruktur und der Verteilung der Erlöse müssen wir uns stellen, zumal diese Fragen - wenn wir ehrlich sind - auch nicht völlig überraschend über uns hineinbrechen.

Die nächste Krise kommt bestimmt: Fußball muss sturm- und bestandsfest werden

Wir werden uns über Nachhaltigkeit, Ausgewogenheit und Financial Fairplay mehr als in der Vergangenheit Gedanken machen müssen und sollten ähnlich wie bei dem Konzept zur Wiederaufnahme der Saison klare Grundentscheidungen über unsere Ziele im Lichte der Interessen der gesamten Liga treffen, auch wenn das in einzelnen Fällen schmerzhaft werden könnte. Die Integrität des Wettbewerbs verpflichtet uns dazu, auch in dieser Hinsicht zukünftig Regeln aufzustellen, die den Profi-Fußball sturm- und bestandsfest machen. Denn eines ist gewiss: Ob Corona-Krise oder einst die Finanz-Krise - die nächste Krise kommt bestimmt.

Die Vorfreude auf den hart erkämpften Re-Start wird überlagert von neuen heiklen Debatten. Was, wenn man die Saison nicht beenden kann? Wer steigt auf, wer ab? Den Aufbruch mit Fragezeichen, dazu einen Gastbeitrag von Axel Hellmann (Vorstand Eintracht Frankfurt) und das Stadion-Konzept am Beispiel Mönchengladbach: Das lesen Sie in der Donnerstagsausgabe des kicker - und hier im eMagazine schon ab Mittwochabend für nur 99 Cent pro Woche.

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