3. Liga

DFB-Generalsekretär Curtius: "Kann man nicht oder will man nicht?"

Stellungnahme des DFB zur Kritik am Re-Start der 3. Liga

DFB-Generalsekretär Curtius: "Kann man nicht oder will man nicht?"

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtiu

Fand klare Worte: DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, hier beim Redaktionsbesuch des kicker im Oktober. imago images

Nachdem der DFB am Montag bekanntgegeben hatte, dass die 3. Liga am 26. Mai wieder loslegen und bis Ende Juni beendet sein solle, regte sich Kritik - besonders lautstarke aus Sachsen-Anhalt. Dort warf Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dem DFB vor, "unerträglichen Druck auf Politik und Vereine" auszuüben - angeblich habe der Verband sogar mit Lizenzentzug gedroht, sollte ein Klub den Spielbetrieb nicht wieder aufnehmen wollen.

In Sachsen-Anhalt ist es so, dass sämtlicher Trainings- und Spielbetrieb aufgrund der Coronakrise sowohl für den Amateur- als auch den Berufssport bis zum 27. Mai untersagt ist. Damit dürfen sich der 1. FC Magdeburg (Platz 15) und der Hallesche FC (Platz 16) nur in Kleingruppen von maximal fünf Personen auf den Re-Start der Saison vorbereiten.

Vor einem ähnlichen Problem steht Carl Zeiss Jena. Die Thüringer dürften "aktuell maximal zu zweit arbeiten", da der abgeschlagene Tabellenletzte noch keine Ausnahmegenehmigung seitens der Stadt erhalten habe, wie Pressesprecher Andreas Trautmann unlängst dem SID bestätigte. Am Dienstagabend gab das Land Thüringen dann auch noch bekannt, dass die Ausübung von professionellem Mannschaftssport bis zum 5. Juni untersagt bleibt. Die Bestrebungen, die Saison am 26. Mai fortzusetzen, erschwert dieser Beschluss weiter.

DFB ist überrascht von den Aussagen des Ministerpräsidenten

Zu diesem Zeitpunkt hatte der DFB schon auf die Vorwürfe aus Sachsen-Anhalt reagiert - und sich überrascht gezeigt. "Mit Verwunderung haben wir die heutigen Äußerungen von Ministerpräsident Haseloff aus Sachsen-Anhalt zur Kenntnis genommen", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius: "Richtig ist, dass DFB-Präsident Fritz Keller und ich gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten telefoniert haben. Nicht, um Druck auf die Politik auszuüben. Schon gar nicht, um mit Zulassungsentzug und Konsequenzen für Vereine zu drohen, die sich gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs aussprechen. Das weisen wir zurück, hier wird ein unzutreffendes Bild gezeichnet. Vielmehr ging es darum, die Perspektive des DFB zu hinterlegen, der allein aus statuarischen Gründen dazu verpflichtet ist, alle Möglichkeiten zu prüfen, den Spielbetrieb wiederaufzunehmen."

Welche Alternativen gibt es überhaupt?

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Curtius wandte sich in seiner Stellungnahme dann auch direkt an alle Befürworter eines Saisonabbruchs. "Was bisher in der Diskussion von den Abbruchsbefürwortern ausgeblendet wird, ist die Frage nach der Alternative. Wie soll es eigentlich in der 3. Liga weitergehen, wenn wir die Saison nicht abbrechen müssen, sondern aus freien Stücken abbrechen? Die angeführten Kritikpunkte, das Spielen ohne Zuschauer, die Umsetzung eines Hygienekonzepts - all dies gilt wahrscheinlich auch in einigen Monaten noch. Wollen diese Klubs dann bis nächstes Jahr mit der 3. Liga aussetzen? Diese Antworten bleiben alle Befürworter des Saisonabbruchs schuldig."

Der 44-Jährige betonte zugleich, dass "für die aktuellen Problematiken in der 3. Liga einige wenige Klubs" sorgen, "nicht der DFB und auch nicht die Mehrheit der Vereine. Die Mehrheit arbeitet konzentriert und engagiert an einer möglichen Saisonfortsetzung - ebenso wie die komplette Frauen-Bundesliga oder auch Viertligist 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal. Wieso ist dies überall dort möglich, aber ausgerechnet bei den Klubs nicht, die sich seit Wochen für einen Saisonabbruch aussprechen?" Für Curtius ist dies "rein sachlich und faktisch nicht nachvollziehbar", weshalb er auch eine die Frage stellte: "Kann man nicht oder will man nicht?"

Curtius betonte zudem, dass sportliche Entscheidungen grundsätzlich auf dem Spielfeld fallen sollten und nicht am grünen Tisch. "Diese Haltung würde ich mir von allen Beteiligten wünschen. Gleichzeitig sollte es das Ziel eines jeden sein, wieder seinen Beruf ausüben zu können - immer in dem Rahmen, der durch die Politik und Gesundheitsbehörden vorgegeben wird. An diesen Zielen arbeiten wir als DFB, das ist unsere Verantwortung."

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