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Kalendersaison im Amateurfußball: Gründe für und gegen eine Umstellung

Müssten die Profis nachziehen?

Kalendersaison im Amateurfußball: Gründe für und gegen eine Umstellung

Abgesagte Spiele? Würden bei einer Umstellung auf eine Kalendersaison wahrscheinlich häufiger der Vergangenheit angehören. imago images / Steinach

Ein Vorstoß des SV Germania Bredenborn sieht vor, künftig eine Kalendersaison von April bis Oktober zu spielen. Was spricht für eine Kalendersaison? Wir haben die Vor- und Nachteile gegenüber einer "klassischen" Spielzeit zusammengefasst.

Terminkalender & Rahmenbedingungen

PRO: Da es sicher weniger Spielausfälle geben dürfte, müssen die Spielplaner keinen Puffer für die Nachholpartien einplanen.

CONTRA: Anders als bei der regulären Spielzeit, in der Ausfälle vor allem in der Saisonmitte drohen, kann es bei einer Kalendersaison aber vermehrt zu Ausfällen in der "heißen" Phase der Spielzeit kommen. Und während man in der regulären Spielzeit noch mehrere Monate Nachholzeit hat, gerät man in der Kalendersaison schnell unter Druck. Was passiert, wenn das Wetter keinen zeitigen Ersatztermin zulässt und das Saisonende immer näher kommt?

CONTRA: Die reguläre Saison müsste spätestens Mitte Oktober beendet sein, um eine Relegation zu ermöglichen. Bei einem Spielbetrieb von April an würde er über den Winter bis zu fünf Monate ruhen. Der Termingürtel während der Saison müsste viel enger geschnallt werden. Verschnaufpausen würde es kaum geben. Eine spielfreie Zeit während der Sommerferien wäre nur durch englische Wochen, von denen es sowieso reichlich geben dürfte, zu kompensieren.

PRO: Eine vernünftige Regeneration nach der Saison und eine anschließende Vorbereitung ist im aktuellen Modell oft nicht möglich. Teilweise gehen Teams - etwa wenn sie nach einer Relegation in Spielklassen aufsteigen, die früher starten - ohne Pause direkt in die nächste Spielzeit. Das wäre bei einer Kalendersaison anders.

CONTRA: Regenerationphasen und Elemente intensiver Vorbereitung kann man auch in die Winterpause verschieben.

PRO: Es wird in den "schönen" Monaten gespielt. Kälte und Ekelwetter im Winter würden der Vergangenheit angehören - und damit auch miserable Platzbedingungen.

CONTRA: Der Rasen braucht in der Sommerpause Zeit zur Erholung. Diese hat er zwar grundsätzlich auch im Winter, bekanntlich wächst zu dieser Jahreszeit aber kein Gras. Vereine, die ihren Platz herrichten, bräuchten Ausweichmöglichkeiten. Diese hat nicht jeder.

CONTRA: Titelfeiern bei Schmuddelwetter im Herbst sind für viele ein No-Go. Und was ist mit der Saisonabschlussfahrt? Ischgl statt Mallorca?

Finanzielles

PRO: In den wärmeren Monaten kämen mehr Zuschauer auf die Amateursportplätze. Das steigert die Einnahmen des Vereins sowohl beim Ticket- wie auch beim Kioskverkauf. Profitieren würde dadurch auch das Sportheim.

CONTRA: Im Saisonendspurt und bei den anschließenden Relegationsspielen würden dagegen, den schlechten Witterungen geschuldet, weniger Zuschauer den Weg auf die Sportplätze finden. Relegationsspiele im Juni sind bislang regelmäßig kleine Volksfeste, schwer vorstellbar, dass im Oktober bei fünf Grad und Nieselregen ein ähnliches Flair herrscht.

PRO: Im Winter fallen geringere Energiekosten für Vereine an, da der Spiel- und Trainingsbetrieb länger ruht. Das Flutlicht wird beispielsweise weniger benötigt, Heizung und Wasser in den Kabinen werden kaum gebraucht.

Spieler, Transfers & Co.

PRO: Die Jugendjahrgänge könnten leichter festgelegt werden. Stichtage im laufenden Jahr wären hinfällig.

CONTRA: Der Sommer ist grundsätzlich eine Zeit der Veränderungen. Viele Spieler stehen vor einem neuen Lebensabschnitt - sie tauschen den Job, beginnen eine Ausbildung oder ein Studium. Gerade deshalb bedarf es im Amateurfußball einer zweiten Wechselperiode im Sommer. Nur wann wird diese festgelegt? Sollte es keine geben, könnte der Kader vieler Teams zusätzlich ausgedünnt werden.

CONTRA: Hinzukommt, dass viele Mannschaften während der Urlaubszeiten schon jetzt mit Personalmangel zu kämpfen haben. Sollte es im Sommer keine Pause geben, könnte dieser Effekt zusätzlich verstärkt werden. Das erhöhte Spielpensum würde außerdem auch zu mehr Verletzungsrisiko bei Amateurfußballern führen.

Schnittstelle Amateur-/Profifußball

CONTRA: Eines der größten Probleme dürfte die Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball darstellen. Alle europäischen Topligen spielen schließlich von August bis Juni. Eine fünfmonatige Pause der Profiligen wird es auch nicht geben - dafür tanzt der Profifußball auf zu vielen Hochzeiten. Die Profis müssten den Schritt mitgehen, oder es müsste ein klarer Cut zwischen dem Amateur- und Profibereich erfolgen. Schwer vorstellbar, dass so etwas passiert.

dw/jam/stw

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