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Premier League: Teams sollen im eigenen Stadion spielen - wenn möglich

Geschäftsführer Masters meldet sich erstmals seit März zurück

Premier League: Teams sollen im eigenen Stadion spielen - wenn möglich

Richard Masters ist Premier-League-Geschäftsführer.

Premier-League-Boss Richard Masters hat sich mit den Klubs unterhalten - und hofft auf reguläre Heim- wie Auswärtsspiele. Getty Images

Die Vertreter der 20 Premier-League-Klubs fanden sich am Montagmorgen zu einer weiteren Videokonferenz zusammen, um über das "Project Restart" zu diskutieren. Dass sich die Klubchefs schon für den Wochenbeginn und nicht wie üblich für Freitag verabredet hatten, hatte einen Grund: Die britische Regierung stellte ihren Plan für die Lockerungen der Corona-Maßnahmen vor. Hatte Premier Boris Johnson den Profi-Sport in seiner Rede am Sonntagabend noch unerwähnt gelassen, so gab es am Montagnachmittag grünes Licht für Spiele ohne Zuschauer ab frühestens 1. Juni.

Darüber, die Saison zu Ende spielen zu wollen, um "die Integrität des Wettbewerbs zu wahren", waren sich alle 20 Klubs schon bei ihrem letzten Treffen am 1. Mai einig gewesen. Bedenken gab es dennoch in mehrfacher Hinsicht.

Neustart am 12. Juni?

In erster Linie betrafen diese die medizinische Sicherheit all derer, die mit dem Ablauf der verbliebenen 92 Saisonspiele zu tun hätten. "Wir alle wollen die Liga zurück", hatte dazu Chelsea-Coach Frank Lampard gesagt: "Aber wir können einfach nicht die Gesundheit von Spielern und Staff riskieren."

Brighton & Hove Albion hatte am Sonntag den dritten Covid-19-Fall in seinem Spielerkader mitgeteilt. Über ein genaues medizinisches Protokoll sollte am Montag gesprochen werden. Der zuvor kolportierte Zeitplan sieht die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings für den 18. Mai vor. Nach dem "Go" der Politik könnte der Neustart nun am 12. Juni erfolgen.

Auch die Frage der am 30. Juni auslaufenden Spielerverträge stand am Montag auf der Tagesordnung, schließlich wird die seit Wochen unterbrochene Spielzeit bei Start ab 12. Juni sicherlich mindestens bis in den Juli hineinlaufen.

Wo wird überhaupt gespielt?

Ein größerer Knackpunkt bei der nahenden Abstimmung über die Pläne, denen mindestens 14 von 20 Vereinen zustimmen müssen, war jedoch speziell auch die Frage der Spielorte. Zuletzt hatte sich abgezeichnet, dass die 92 Partien auf neutralem Boden ausgetragen werden sollten. Das hatte vor allem die Abstiegskandidaten auf den Plan gerufen. Aston Villa, Brighton und Watford hatten sich gar öffentlich strikt gegen die Pläne ausgesprochen. Watfords Boss Scott Duxbury sorgte sich über "die klaren Nachteile und die verheerenden Auswirkungen dieser verzerrten Mini-Liga mit neun Spielen". Dies stelle genau jene sportliche Integrität infrage, die man eigentlich habe wahren wollen.

Nach Informationen von "Sky Sports" soll eine Mehrheit der Klubs aus dem Tabellenkeller fordern, den Abstieg im Falle einer Fortsetzung an neutralen Spielorten in dieser Saison auszusetzen. Für den Fall, dass kein Klub aus der Championship in die Premier League aufsteigen könne, hatte allerdings EFL-Chef Rick Parry zuletzt rechtliche Schritte angekündigt.

Auf den Vorwurf, nur im eigenen Interesse zu handeln, hatte Brightons Geschäftsführer Paul Barber ehrlich entgegnet: "Zu diesem Zeitpunkt der Saison gibt es in allen Bereichen der Tabelle Selbstinteresse. An der Spitze genauso wie am Ende und in der Mitte." Er betonte: "Wir wollen die Saison wirklich zu Ende spielen, wollen aber sicherstellen, dass der Wettbewerb unter diesen außergewöhnlichen Umständen so fair wie möglich bleibt."

Die englische Liga nimmt Anliegen der Vereine sehr ernst

Nach neuesten Meldungen der "BBC" vom Montagabend unterstützt die Liga in jedem Fall die Austragung von regulären Heim- wie Auswärtspartien in Form von Geisterspielen. So wurde Premier-League-Boss Richard Masters, der von einem "laufenden Dialog" mit Regierung, Polizei und örtlichen Sicherheitsbeamten spricht, nach dem Treffen mit folgenden Worten zitiert: "Jeder Klub zieht es natürlich vor, zu Hause und auswärts zu spielen, wenn dies möglich ist - und es ist klar, dass einige Vereine diesbezüglich eine andere Meinung vertreten als andere." Man stehe in jedem Fall "in Kontakt mit den Behörden" - und vertrete stets die "Ansichten aller Klubs".

Boss Masters, der sich das erste Mal seit der Anfang März unterbrochenen englischen Saison wieder offiziell äußerte, weiter: "Seit Covid-19 aufgetaucht ist, reden wir kontinuierlich mit den Behörden darüber, wie die Premier League wieder zurückzubringen ist. Dabei nehmen wir uns jeden Rat und Hinweis zu Herzen." Man müsse sich aber immer im Klaren sein, dass jene Behörden den Takt vorgeben - den Takt, nach dem sich die Premier League weiter ausrichten müsse. Nichtsdestotrotz wolle man versuchen, die Liga in Form von Heim- und Auswärtsspielen in den bekannten 20 Stadien fortzusetzen und so auch eine Abstiegsregelung, was die FA der Premier League auch mitgeteilt hat, gewährleisten.

Premier League droht riesiger Gesamtverlust

Klar ist: Sportlich zu Ende gebracht werden muss die Saison womöglich sogar auch. Denn letztlich geht es auch in Europas reichster Liga ums Geld. Premier-League-Boss Masters hatte unlängst einen drohenden Gesamtverlust für die Klubs von einer Milliarde Pfund heraufbeschworen, wenn die Saison sportlich nicht beendet werden sollte - mindestens.

ski/mag

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