Bundesliga

"Ich fürchte, dass es zu mehr Verletzungen kommt"

Der Fitness-Experte Christian Kolodziej über die Gefahren des Re-Starts

"Ich fürchte, dass es zu mehr Verletzungen kommt"

Christian Kolodziej

Sorgt sich um die Gesundheit der Spieler: Christian Kolodziej. imago images

Am 16. Mai wird die Bundesliga wieder starten. Trainer fürchten ein erhöhtes Verletzungsrisiko, weil erst seit vergangener Woche wieder Mannschaftstraining erlaubt ist. Eine begründete Sorge?

Absolut. Soweit ich von Kollegen informiert bin, gab es schon beim Übergang vom Individual- ins Kleingruppentraining eine erhöhte Zahl an muskulären Problemen. Das kann jetzt noch einmal zunehmen, weil im Elf-gegen-elf erst recht komplett andere Belastungen warten.

Von vielen Spielern kam jedoch bereits die Aussage, sie fühlten sich fit wie nie - weil sie noch nie so viel gelaufen seien wie in den vergangenen Wochen.

Das mag sein, aber ich muss da doch ein wenig schmunzeln. Mit fußballspezifischer Fitness hat das reine Laufen nur zu einem relativ kleinen Teil zu tun. Selbst wenn man Intervallprogramme absolviert hat. Im Spiel geht es um Sprints mit Richtungswechseln, also schnelles Abstoppen und Beschleunigen, unter Maximalkontraktion der Muskulatur. Das lässt sich nicht wirklich simulieren.

Was bedeutet das für die Praxis?

Ich bin auf zwei Aspekte gespannt: Wird es vermehrt zu Verletzungen kommen? Ich fürchte: ja. Und werden die Spiele mit der Intensität geführt, die wir gewohnt sind? Mal abwarten...

Wie viel Vorlaufzeit zwischen Aufnahme des Mannschaftstrainings und der Saisonfortsetzung wäre aus Ihrer Sicht geboten gewesen?

Vier Wochen wären da eine optimale Vorlaufzeit.

Nürnberg und Hannover waren anfangs zwei Wochen lang in Quarantäne. Köln hat schon in Zwölfergruppen trainiert, Bremen nur mit jeweils vier Spielern. Wirken sich auch diese Unterschiede aus?

Definitiv. Unter dem frühen Start werden einige mehr zu leiden haben und andere weniger.

Wie können die Trainer jetzt noch gegensteuern?

Sie müssen das Beste daraus machen. Wenn die Spiele laufen, werden Regeneration und Rotation eine wesentliche Rolle spielen.

Interview: Thiemo Müller

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