Europa League

Lieblingsspiel: Sehnsuchtsort San Siro

Serie A, Inter - Florenz, 3. April 1999 & Europa League, Inter - Frankfurt, 14. März 2019

Lieblingsspiel: Sehnsuchtsort San Siro

Ein Kunstwerk: Das Giuseppe-Meazza-Stadion im Mailänder Stadtteil San Siro. kicker

Inter Mailand. Ein Glückslos! Meine Freude kennt keine Grenzen, als Eintracht Frankfurt im Achtelfinale der Europa League 2018/19 als Gegner ausgerechnet den FC Internazionale zugelost bekommt. Sportlich versprechen die Duelle gegen Inter Hochspannung, doch darum geht es bei meiner Vorfreude weniger. Meine Augen leuchten, weil ich endlich das Giuseppe-Meazza-Stadion wiedersehen darf.

Ich war 14 Jahre alt, als mein Vater mit mir im Rahmen einer Italien-Reise im April 1999 zum Flutlicht-Spiel Inter gegen Florenz ging. Roberto Baggio, Ivan Zamorano und Ronaldo zierten den Sturm der Mailänder, meine Begeisterung galt allerdings einem anderen Star aus der Serie A: Gabriel Batistuta, Kapitän der Fiorentina.

Gabriel Batistuta

Einer der besten seiner Zeit: Gabriel Batistuta. Getty Images

Der Argentinier mit der wilden Mähne war einer der besten Stürmer seiner Zeit und genoss in meiner Jugend Heldenstatus. Ich freute mich riesig, als ein Freund Jahre später ein billig gefälschtes Batistuta-Trikot der AS Rom aus Italien mitbrachte. Erst neulich hatte ich es wieder in der Hand, als ich all meine alten Trikots in eine große Kiste packte.

An das, was vor 21 Jahren auf dem Rasen geschah, kann ich mich kaum noch erinnern. Offen gestanden musste ich nachsehen, wie die Partie ausging: 2:0 für Inter. Kein Wunder, dass die Erinnerung flöten ging, wenn "Batigol" ausnahmsweise mal kein Tor erzielte… Für beide Treffer sorgte Ronaldo, aber wer kennt den schon!?

Ein Mailänder Kunstwerk

Lebhaft in Erinnerung geblieben ist mir vielmehr das Drumherum. Mit seiner einzigartigen Architektur ist das Giuseppe-Meazza-Stadion schon von außen ein Kunstwerk, das eigentlich unter Denkmalschutz gehört. Beim Betreten dieses Tempels stellt sich damals wie heute Gänsehaut ein. Weit über 70.000 Fans waren an jenem Abend im April 1999 im Stadion und sorgten für eine feurige Atmosphäre.

Andenken: Eintrittskarten zu den Spielen Inter gegen Frankfurt und Inter gegen Florenz.

Andenken: Eintrittskarten zu den Spielen Inter gegen Frankfurt und Inter gegen Florenz. kicker

An den bunten und lauten Gästeblock mit unzähligen Bannern und Doppelhaltern denke ich noch heute gerne zurück. Weniger schön ist die Erinnerung an aus dem Oberrang nach unten geworfene Lira-Münzen und Gegenstände. Ich sehe noch das Bild einer Frau vor mir, die in unserer Nähe saß und plötzlich ein blutüberströmtes Gesicht hatte. Für den Rest des Spiels zogen wir uns zurück, die oberen Reihen des Unterrangs werden vom Oberrang überdeckt, dort waren wir in Sicherheit.

Fast 20 Jahre später die Rückkehr

Fast auf den Tag genau 20 Jahre später, am 13. März 2019, stehe ich zum zweiten Mal in meinem Leben voller Andacht in diesem fantastischen Stadion, in dem ich als Kind bei FIFA unzählige Spiele am PC und vor dem Fernseher bestritten habe. An diesem Abend ist kaum ein Mensch im Stadion, es ist der Tag vor dem Spiel und die Journalisten dürfen die ersten 15 Minuten des Abschlusstrainings verfolgen. Das reicht, um die Vorfreude auf den nächsten Abend weiter anzufachen.

Tolle Kulisse: kicker-Redakteur Julian Franzke im Giuseppe Meazza.

Rückkehr an den Sehnsuchtsort seiner Kindheit: kicker-Reporter Julian Franzke im Giuseppe-Meazza-Stadion. kicker

Knapp 50.000 Zuschauer kommen zum Spiel. Es ist schade, dass es nicht mehr sind, etwa 15.000 Gästefans aus Frankfurt sorgen dennoch für eine besondere Atmosphäre - sieht man von den paar Idioten ab, die mit Pyrotechnik und Leuchtspuren hantieren. Gewöhnlich suche ich meinen Presseplatz erst kurz vor dem Anpfiff auf, die meisten Fußballspiele sind beruflicher Alltag und wecken keine besonderen Emotionen. An diesem Abend ist das anders. Schon über eine Stunde vor dem Anpfiff tigere ich auf der Pressetribüne auf und ab und genieße den Rundumblick ins Stadion.

Während des Spiels bleibt dafür keine Zeit, da gilt der volle Fokus dem Geschehen auf dem Rasen und der Benotung der Spieler. In den ersten 20 bis 30 Minuten spielt die Eintracht das vielleicht beste Pressing, das ich je von ihr gesehen habe. Luka Jovic, Sebastien Haller, Mijat Gacinovic und Filip Kostic attackieren Inter am eigenen 16er, schon in der 5. Minute trifft Jovic mit einem herrlichen Heber - Frankfurt gewinnt 1:0 und steht erstmals nach 24 Jahren wieder im Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs.

Als Reporter darf ich mit dem Estadio da Luz in Lissabon und der Stamford Bridge in London zwei weitere außergewöhnliche Stadien besuchen, dann ist sie vorbei, die Reise durch Europa. In besonderer Erinnerung bleibt das Giuseppe-Meazza-Stadion in San Siro, Sehnsuchtsort meiner Kindheit.

Julian Franzke

Bilder zur Partie Inter Mailand - Eintracht Frankfurt