Bundesliga

"Die Pause wird Folgen haben"

Mainzer NLZ-Chef Kersting über Talente in der Krise

"Die Pause wird Folgen haben"

Volker Kersting

Spricht über die derzeitige Situation im Nachwuchs: Der Mainzer NLZ-Leiter Volker Kersting. imago images

Klar, die fehlenden Teamtrainings hemmen die Talente in der Entwicklung. Dennoch denkt Kersting, dass aufgrund geringerer finanzieller Mittel möglicherweise mehr Spielzeit für die Hochbegabten bei den Profis drin sein könnte. Einen positiven Effekt hält er aber nur dann für denkbar, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, "Vereine, Berater, Eltern und Spieler", unterstreicht Kersting.

Herr Kersting, sehen Sie in der Pause eine Gefahr für die Entwicklung der Talente?
Dadurch, dass mittlerweile absehbar ist, dass die Pause lange dauert, wird es Folgen haben, klar. Alle sind kreativ, was die Trainingspläne- und Inhalte für die Jungs für zu Hause angeht, aber Mannschafts- und Individualtraining auf dem Platz ist nicht zu ersetzen. Zudem fehlen Anleitung und Korrektur durch die Trainer. Je länger die Pause dauert, desto mehr Auswirkungen wird sie auf die Entwicklung der einzelnen Spieler haben.

Sind die Internatsspieler zu Hause?
Wir haben alle nach Hause zu den Eltern geschickt, da wir das Nachwuchsleistungszentrum geschlossen haben, als der Schulunterricht ausgesetzt wurde. In so einer Phase ist es immer besser für den Kopf, dass die Jungs bei den Familien sind.

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In Rheinland-Pfalz öffnen die Schulen ab 27. April schrittweise wieder. Bleibt das NLZ dennoch geschlossen?
Ja, denn in den Schulen hast du ja auch nur reduzierten Betrieb. Zudem werden dort entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen, zum Beispiel das Tragen eines Mundschutzes. Das ist im Fußball schwer möglich. Zudem sind die Anlagen noch behördlich geschlossen, nur die Lizenzmannschaften trainieren ja mit einer Ausnahmegenehmigung unter einem extremen Auflagenkatalog.

Berater sagen, dass die Tatsache, dass weniger Geld für Transfers da ist, eine Chance für Talente ist. Wie sehen Sie das?
Das kann eine Chance sein, aber nur dann, wenn alle Beteiligten das erkennen und danach handeln - Vereine, Berater, Eltern und Spieler.

Können Sie das an einem Beispiel konkretisieren, bitte?
Wenn im Sommer der Transfermarkt einbricht, weil Vereine aus Kostengründen ihre Kader verkleinern oder insolvent werden, wird das viele Spieler auf den Markt werfen. Dadurch sinken einerseits die Preise, andererseits könnte Vereinen dennoch Geld fehlen. Da müssen die Vereine den Fokus auf ihre Toptalente richten, ihnen die Chance auf Spielzeit geben. Berater und Spieler müssen diese Gelegenheit auf Entwicklung erkennen, und eben nicht auf das beste Angebot pokern, sondern schauen, wo die Jungs wirklich Chancen auf Einsatzzeit haben.

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