Int. Fußball

Eredivisie und KNVB: "Größte Schande des niederländischen Sports"

Niederlande: Kein Meister, kein Absteiger und kein Aufsteiger

"Größte Schande in der Geschichte des niederländischen Sports"

Fahne mit dem Logo des niederländischen Fußballverbands KNVB.

Fahne mit dem Logo des niederländischen Fußballverbands KNVB. imago images

Bis zum Zwangsstopp wegen der Corona-Pandemie war die Eredivisie äußerst spannend. Ajax Amsterdam und AZ aus Alkmaar lieferten sich an der Spitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das nun aber am "Grünen Tisch" entschieden wurde. Einen Meister wird es dabei nicht geben - erstmals seit dem 2. Weltkrieg. Tabellenführer Ajax wird jedoch für die Play-offs der Champions League gemeldet. AZ steigt in der zweiten Qualifikationsrunde zur Königsklasse ein, während Pokalfinalist Feyenoord Rotterdam, die PSV Eindhoven und Willem II Tilburg in der Europa League an den Start gehen.

Bitteres EL-Aus für Utrecht

So richtig bitter ist das für den zweiten Pokalfinalisten aus Utrecht. Dieser rangierte bei Saisonabbruch mit drei Punkten Rückstand auf dem sechsten Platz der Tabelle, hatte aber auch erst ein Spiel weniger als der Tabellenfünfte Willem II bestritten - und die deutlich bessere Tordifferenz. Dass man jetzt gänzlich leer ausgeht, damit will sich der Verein nicht abfinden. Utrecht kündigte bereits eine rechtliche Prüfung an und warf dem Verband "mangelnde Transparenz und Objektivität" vor. Ungeachtet von Utrechts Lage ist es aber auch so, dass der Verband (KNVB) bei der Vergabe der Europapokaltickets den UEFA-Vorgaben gefolgt ist.

Enttäuschung und Wut im Unterhaus

Blieb noch die Frage nach dem Abstieg - und da gibt es ebenfalls Missmut. Bereits zuvor war eine Aufstockung der Liga auf 20 Mannschaften ausgeschlossen worden, sodass es nur zwei Optionen gab: Entweder die Schlusslichter ADO Den Haag und RKC Waalwijk steigen ab und Cambuur sowie De Graafschap steigen auf - oder man verzichtet gänzlich auf Ab- und Aufstieg. Es wurde die zweite Variante - zum Leidwesen der Zweitligisten.

Henk de Jong

Er fühlt sich wohl, wie im Regen stehen gelassen: Henk de Jong. imago images

Dabei hätte eine Mehrzahl der Profivereine eine andere Lösung bevorzugt. Niederländischen Medienberichten zufolge sollen 16 Vereine für eine Auf- und Abstiegsregelungen gestimmt haben, während neun dagegen waren und neun sich enthielten. So entschied der KNVB - und brachte Aufstiegsanwärter Cambuur, der in der Keuken Kampioen Divisie acht Spieltage vor Schluss satte elf Punkte Vorsprung auf Platz drei hatte, auf die Palme.

Das ist die größte Schande in der Geschichte des niederländischen Sports.

Cambuurs Trainer Henk de Jong

Trainer Henk de Jong sprach von der "größten Schande in der Geschichte des niederländischen Sports". Der 55-Jähirge verwies darauf, dass sein Klub die zweite Liga seit Oktober angeführt hat und er es verdient hätte aufzusteigen. Wenn es nach de Jong geht, dann ist in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen. "Ich würde das so nicht stehen lassen und würde die Sache den besten Anwälten da draußen überlassen." Geschäftsführer Ard de Graaf bestätigte zudem, dass rechtliche Schritte geprüft werden. "Wenn es nur eine einprozentige Chance gibt, dann werden wir sie ergreifen. Für uns ist der Aufstieg in die Eredivisie gleichzusetzen mit der Champions League für Ajax."

Bei De Graafschap war die Wut offenbar nicht ganz so groß, dort überwog ein anderes Gefühl. CEO Hans Martijn Ostendorp sprach von einem "unglaublich enttäuschenden" Beschluss und kündigte an, in der kommenden Saison wieder angreifen zu wollen.

drm

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