2. Bundesliga

Der Club zwischen Rotstift und Ambitionen

Nürnberg will 2020/21 Verpasstes nachholen, muss aber sparen

Der Club zwischen Rotstift und Ambitionen

Robert Palikuca

Steht in der nächsten Transferphase vor einer kniffligen Aufgabe: Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca. imago images

Ein Umstand, den die Franken nicht exklusiv haben werden, sondern der die ganze Branche betrifft und trifft - einige wenige zwar weniger, die meisten jedoch genauso, allen voran in der 2. Liga. So gesehen befindet sich der Club in guter Gesellschaft. Und doch gibt es bei ihm im Vergleich zur Liga-Konkurrenz einige Parameter, die das Wir-schnüren-den-Gürtel-enger kniffliger macht. Das beginnt mit seiner Größe, seiner Wucht, die er hat. Da das Interesse an ihm bei Weitem größer ist, als dies an anderen Zweitliga-Standorten der Fall ist, braucht er auch einen größeren Verwaltungsapparat, Tradition verpflichtet nun mal. Dass ihm dies andererseits auch erleichtert, Sponsoren zu gewinnen, ist die positive Seite der Medaille.

Wesentlich größeres Einsparungspotenzial liefert da ohnehin der Ausgabeposten in der Bilanz schlechthin: die Aufwendungen für den Lizenzspielerbereich. Nun hat Sportvorstand Robert Palikuca nach dem Abstieg das Funktionsteam um die Profis herum Zug um Zug vergrößert, der Rotstift lässt sich da in Anbetracht erst kürzlich geschlossener Verträge nur schwerlich ansetzen.

Spielersteckbrief Hack
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1. FC Nürnberg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

04.05.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Ein Transferplus und viele Fragezeichen

Größere Summe lassen sich da angesichts der Höhe der Gehälter bei den Spielern einsparen. Das beginnt damit, dass man sich ja auch nicht erneut einen so großen Kader gönnen muss wie der FCN in dieser Spielzeit. Mit Blick auf den eigenen Nachwuchs wie auch auf den bislang so enttäuschenden Ertrag wäre da auch ohne die Corona-Krise ein Weniger dringend angebracht. Vier Verträge laufen aus, der von Patrick Erras, Sebastian Kerk, Mikael Ishak und Felix Dornebusch, zudem enden die Ausleihen von Michael Frey, Philip Heise und Konstantinos Mavropanos - ergibt unterm Strich erst mal eine millionenschwere Einsparung, obwohl Dornebusch nicht zu den Großverdienern gehört und bei Heise wie Mavropanos ein Großteil des Gehalts von Norwich City beziehungsweise dem FC Arsenal getragen wird.

Was dem FCN in dieser Situation sicherlich zugutekommt: Er wird in diesem laufenden Geschäftsjahr bei dem Posten Transfereinnahmen bzw. -ausgaben ein sattes Plus zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro vorweisen können - den erzielten Ablösen nach dem Bundesliga-Abstieg sei Dank. Auch von der kommenden Transferperiode des Sommers erhofft sich der FCN ein Plus, wobei dahinter grundlegende Fragen stehen: Wie sieht dieses Transferfenster überhaupt aus? Wie groß fällt der zu erwartende Preisverfall aus? So lauten zwei davon.

Wegen Rückholklausel: Hacks Abgang droht

Robin Hack

Nicht nur sein Abgang könnte beim Club zu einem Substanzverlust führen: Robin Hack. imago images

Beim Club gibt es dazu mit Robin Hack ein spannendes, konkretes Beispiel: Der im vergangenen Sommer bis 2023 verpflichtete 21-jährige Offensivspieler hat für Furore gesorgt und sich somit als Volltreffer erwiesen. In Zahlen liest sich dies wie folgt: Vor dem Corona-Stopp wurde sein Marktwert auf drei bis vier Millionen Euro taxiert. Nun hat sich sein Stammverein Hoffenheim einst eine Rückholklausel in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro gesichert und ist nun wohl auch willens, diese zu ziehen. Der Club könnte somit gezwungen sein, Hack zum Schnäppchenpreis gehen zu lassen. Ein Schluss, der sich aufdrängt und der doch ganz falsch sein könnte. Vielleicht liegen in ein paar Monaten ja besagte 1,5 Millionen über dem Marktwert.

Was indes sicher ist: Hack wäre ein herber sportlicher Verlust - wie übrigens auch die auslaufenden Verträge, mal mehr, mal weniger, einen Substanzverlust nach sich ziehen. Und dies vor dem Hintergrund hoher sportlichen Ambitionen. Nur weil der Club in dieser Saison mit seinem Ziel vorne mitzuspielen krachend gescheitert ist, folgt nun kein Umdenken.

Schon 26 Spieler für den Sommer unter Vertrag

Im Gegenteil: Wenn auch die ursprüngliche Zwei-Jahres-Vorgabe in Sachen Bundesliga-Rückkehr längst wieder einkassiert wurde, ist für die kommende Spielzeit das obere Tabellendrittel Pflicht. Kommt es nun, wie von etlichen Experten prophezeit, tatsächlich dazu, dass viele gute Spieler billig zu haben wären, würde dies dem FCN dabei helfen - ein gutes Transferhändchen vorausgesetzt. Der Haken: Er hat jetzt bereits 26 Spieler fix unter Vertrag. Der Sportvorstand hat nun also ein ganz dickes Brett zu bohren: Einsparen muss er, den Substanzverlust bei dem im vergangenen Sommer von rechts nach links gedrehten Kader kompensieren und dies so, dass die Mannschaft ein wesentlich besseres Bild abgibt als in dieser Saison.

Sollten die ausstehenden neun Spieltage der aktuellen Spielzeit doch noch ausgetragen werden, ist dies erst mal Zukunftsmusik. Die vordringlichste Aufgabe lautet dann, die Abstiegsgefahr zu bannen. Und dies ist kein Unterfangen, das der FCN in Anbetracht des bisherigen Saisonverlauf auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Chris Biechele

Heißer Stuhl beim Club: 18 Trainer in 16 Jahren