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"Außer der Nationalelf noch genug zu tun": Das machen die DFB-Fitnesstrainer

kicker-Serie, Teil 19: DFB

"Außer der Nationalelf noch genug zu tun": Das machen die DFB-Fitnesstrainer

Spezialisten im Hintergrund beim DFB: Krunoslav Banovcic und Nicklas Dietrich.

Spezialisten im Hintergrund beim DFB: Krunoslav Banovcic und Nicklas Dietrich. imago images (2)

Eigentlich sollten sich Nicklas Dietrich (37) und Krunoslav Banovcic (40), kurz "Kruno" genannt, in diesen Tagen den Kopf darüber zerbrechen, wie man Ende Mai die Nationalspieler im Trainingslager in Seefeld am besten auf die eigentlich anstehende Europameisterschaft vorbereitet. Doch die Corona-Krise hat auch den Fahrplan der beiden Fitnesstrainer beim DFB durcheinander gewirbelt. "Wir beim DFB wissen natürlich, dass im Moment die Liga Vorrang hat, dass die Saison zu Ende gespielt werden muss, damit die Vereine und letztlich auch der Wirtschaftszweig überleben können. Aber auch für uns bricht ein großer Teil in diesem Sommer weg. Wir waren voll auf Europameisterschaft gepolt, alle Abläufe waren auf die EM abgestimmt. Wir hatten uns richtig darauf gefreut mit der jungen Truppe", sagt Dietrich, der vor knapp zwei Jahren von RB Leipzig in die DFB-Akademie wechselte und für die Belange der Nationalmannschaft verantwortlich ist. In gleicher Funktion hat Banovcic die Leitung über den gesamten Nachwuchsbereich, er gehört zudem zum Schulungsteam bei der Ausbildung zum Fußballehrer.

Fitnessleitfaden und Optimierung der Ausbildung

Da die Praxis in den Auswahlmannschaften bis auf Weiteres ruht, verfolgen die beiden Athletiktrainer - jeweils aus dem Home Office - aktuell vornehmlich strategische Aufgaben. "Nicklas und ich telefonieren täglich, um Absprachen zu treffen. Da geht es insbesondere darum, wie wir unsere Ausbildungs-Themen optimieren und konzeptionelle Dinge bei unseren Nationalmannschaften verbessern können", schildert Banovcic in der Videokonferenz mit dem kicker. "Es gibt außer der Nationalmannschaft noch genug zu tun. Die Projekte in der DFB-Akademie laufen weiter, zielführend auf die dann hoffentlich im nächsten Jahr stattfindende EM", ergänzt Dietrich. Beispielsweise werde der DFB-Fitnessleitfaden, ein verbandsinterner Orientierungsgeber für alle Athletiktrainer, ausgebaut und ausgeweitet.

Zudem haben sich die Beiden die Optimierung der Ausbildung zum Ziel gesetzt. "Kruno und ich haben versucht, die Ausbildung so zu strukturieren, damit wir in unserem Fitnessbereich einen Roten Faden spinnen können von der Fußballlehrer-Ausbildung bis hinunter zur B-Lizenz", sagt Dietrich. "Hierbei geht es uns insbesondere darum, mit den Trainern verschiedene Möglichkeiten zu diskutieren, wie sie den Aufbau der Fitness zum großen Teil mit Fußballübungs- und Spielformen abdecken können. Wenn du beispielsweise im Amateurbereich zweimal die Woche Training hast, macht es wenig Sinn, einmal davon isoliertes Training ohne Ball zu machen. Da arbeiten wir gerade an einer inhaltlichen Struktur", präzisiert Banovcic. Eigentlich sollte jetzt die aktive Testphase folgen, doch Corona zwingt dazu, diese Pläne erst einmal aufzuschieben.

"Nicklas und ich arbeiten abteilungsübergreifend eng als Team zusammen. Dies schließt neben der Praxis mit den Nationalmannschaften auch die konzeptionelle Arbeit sowie das Unterrichten in der Trainerausbildung ein", sagt Banovcic, gerade in der Vielseitigkeit der Aufgaben sieht er viele Vorteile: "Ich kann Herausforderungen aus der Praxis mit in die Theorie nehmen - und umgekehrt. Das hilft mir unter anderem für meine Aufgabe in der Ausbildung extrem weiter. Die Mischung aus Praxis, Theorie und Ausbildung ist für unsere Arbeit ideal."

Bierhoff: "Ein ideales Beispiel"

Dass Banovcic und Dietrich Hand in Hand arbeiten und immer wieder kreative Ergebnisse erzielen, hat ihr Vorgesetzter sehr wohl registriert. "Mit der DFB-Akademie ist unser Gedanke: Theorie und Praxis sollen sich immer wieder gegenseitig antreiben. Das leben wir in meiner Direktion schon heute. Daher verzahnen wir unsere Experten eng mit den Nationalmannschaften. Nicklas und Kruno sind ein ideales Beispiel dafür", sagt Oliver Bierhoff, der Direktor Akademie und Nationalmannschaften beim DFB: "Sie arbeiten in der Praxis mit den Teams, sind zudem in der Ausbildung und im Konzeptionellen tätig und haben einen regelmäßigen Kontakt mit ihren Ligakollegen, damit wir unser Wissen im deutschen Fußball gegenseitig austauschen."

Noch engerer Kontakt mit den Klubs

Der Kontakt mit den Klubs ist in diesen Tagen noch enger als sonst, sowohl zu den Fitnesstrainern in den Klubs wie auch zu den Auswahlspielern. Banovcic und Dietrich verfolgen gespannt, zu welch unterschiedlichen Maßnahmen die Vereine greifen, um die Spieler fit zu halten und auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorzubereiten. "Wir versuchen allein schon aus Interesse, relativ nah an den Vereinen und im engen Austausch mit unseren Kollegen zu sein", sagt Dietrich, der Klubs und Spieler vor großen Herausforderungen sieht: "Auch wenn die Klubs jetzt den einen oder anderen freien Tag einstreuen, sind die Spieler im Moment eigentlich immer in einem Stand-By-Rhythmus, um dann wenn es hoffentlich wieder losgeht, auch spielen zu können. Sie können mental nicht runterfahren. Es ist deshalb ganz wichtig, dass es die Jungs in einer dann kurzen Sommerpause schaffen, abzuschalten und gut zu regenerieren."

Zunächst einmal geht es aber darum, in Form zu bleiben oder zu kommen. Weil das nicht nur für die Profis, sondern auch für die Basis gilt, können die Amateure auf der Homepage des Verbandes unter dem Titel "Fit mit Nick" kleine Clips mit Dietrichs Anregungen anschauen.

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