DTM

René Rast: Das Rennen gegen den viralen Rivalen

Wie der DTM-Champion die Corona-Pause nutzt

René Rast: Das Rennen gegen den viralen Rivalen

DTM-Champion René Rast ist derzeit wie alle Piloten ausgebremst, will die Zeit aber zu seinen Gunsten nutzen.

DTM-Champion René Rast ist derzeit wie alle Piloten ausgebremst, will die Zeit aber zu seinen Gunsten nutzen. imago images

Aus dem stillen Ostwestfalen ist längst die Messlatte für alle Rivalen geworden. Der Audi-Pilot stieg innerhalb von nur drei Jahren vom Ersatzmann zum Superstar auf, zweimal wurde er Champion (2017, 2019), dazwischen Vizemeister. Seinen Hunger auf weitere Erfolge hat das offenbar nur noch gesteigert: "Natürlich mache ich während der Saison auch Sport, aber jetzt habe ich viel, viel mehr Zeit. Ich kann konstanter, sprich täglich, Sport machen. Dadurch kann ich mein Fitnesslevel extrem hochpushen. Das mache ich auch", sagte er in einem kicker-Interview (aktuelle Montagsausgabe).

Rast: "Ich bin jetzt beinahe jeden Tag bei einem Onlinerennen dabei"

Um als Rennfahrer "scharf" zu bleiben, vertieft sich Rast in diesen Wochen noch stärker als ohnehin schon ins Thema Simracing. Nutzte er den Rennsimulator bislang vorwiegend, um sich auf kommende Rennen und Besonderheiten der jeweiligen Strecken einzuschießen, so hält er nun mittels der ausgeklügelten Simulationstechnik seine Lust am Wettkampf hoch: "Ich bin jetzt beinahe jeden Tag bei einem Onlinerennen dabei. Das braucht auch wieder Training. Also fahre ich nicht nur die Rennen, sondern trainiere davor noch ein paar Stunden."

Auf persönliche Kontakte zu Audi-Motorsport im bayerischen Neuburg/Donau und zu seinem Team Rosberg im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße muss Rast derzeit verzichten. Grund ist sein Wohnsitz im österreichischen Bregenz, der ihm bei einem Grenzübertritt eine 14-tägige Quarantäne einbrächte.

"Gerade lese ich ein Buch über die Prinzipien des Erfolges"

Doch Lagerkoller kennt der Mann nicht, der von seinen bisherigen 58 DTM-Rennen 17 gewinnen konnte. Vielmehr greift er verstärkt zu Büchern, und auch die sollen ihn nicht nur unterhalten, sondern als Rennfahrer und Mensch voranbringen: "Es sind hauptsächlich Sachbücher, in allen Bereichen. Es geht um Selbstoptimierung, wie ich manche Dinge besser verstehen und mich persönlich verbessern kann. Gerade lese ich ein Buch über die Prinzipien des Erfolges: Wie funktioniert Erfolg? Warum haben gewisse Menschen Erfolg? Dann bilde ich mich wirtschaftlich weiter. Ich habe schon immer ein großes Faible für die Wirtschaft gehabt. Das bietet sich jetzt an."

Dass der DTM nach dem Ausstieg von Aston Martin und der durch Corona extrem verstärkten Krise der Automobilindustrie möglicherweise das endgültige Aus droht, ist Rast keineswegs entgangen. "Natürlich denke ich daran. Man überlegt, welche Auswirkungen und Folgen diese Pandemie auf den Motorsport hat. Oder auf meine Karriere. Generell auf unser Aller Leben. Man kann sich nur Gedanken machen und Strategien entwickeln, wie man im Worst-Case-Szenario handeln kann."

Rast: "Natürlich wird auch die DTM darunter leiden"

Worst-Case-Szenario? Rast ist sich im Klaren, dass Corona, dieser unsichtbare virale Rivale, das Rennen für sich entscheiden könnte. Sein Blick nach vorne ist eine Mischung aus Pessimismus, Realismus und einer Prise Optimismus: "Natürlich kann es sein, dass dieses Jahr kein Rennen mehr gestartet wird. So wie auch im Fußball alles stillsteht. Die Auswirkung kann sich jeder ausmalen. Das wird die gesamte Motorsport-Welt komplett verändern, weil es alle Motorsport-Kategorien trifft, auch die Formel 1. Dort gibt es mehrere große Teams wie Mercedes, Ferrari oder Red Bull, die das überleben können. Bei den anderen wird es schnell dünn. Natürlich wird auch die DTM darunter leiden."

Bis zu welchem Datum sie noch leiden muss? Nach dem derzeit noch gültigen Kalender soll die Saison Anfang Juli mit den beiden Rennen am Nürnberger Norisring beginnen. Doch gerade dieses Rennen dürfte aufgrund seines wochenlangen Vorlaufs beim Aufbau der nicht-permanenten Strecke mehr als nur gefährdet sein.

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Stefan Bomhard