Bundesliga

Bobic: "Es ist heuchlerisch, so etwas zu fordern"

Eintracht-Sportvorstand im kicker-Interview

Bobic: "Es ist heuchlerisch, so etwas zu fordern"

Fredi Bobic

Früher unter anderem für Stuttgart und Dortmund in der Bundesliga am Ball: Fredi Bobic. imago images

Kaum eine Diskussion über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga kommt ohne den mahnenden Hinweis aus, es dürfe für den Fußball keine Sonderbehandlung geben. Als Mitglied der DFL-Kommission Fußball weiß Bobic, wie intensiv im Hintergrund daran gearbeitet wird, die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Saison zu schaffen. Über den Zeitpunkt muss zwar die Politik entscheiden, mit einem schlüssigen Konzept, das nicht zu Lasten der Allgemeinheit geht und gesundheitliche Risiken minimiert, könnte der Profifußball aber Argumente in eigener Sache sammeln. Bobic ist zuversichtlich, dass dies gelingt.

Wenn das Paket voraussichtlich in dieser Woche fertig ist, wird sich zeigen, dass der Fußball in der Krise einen sehr professionellen Job gemacht hat.

Fredi Bobic

"Es wird insgesamt an einem Paket gearbeitet, wie Spiele ohne Zuschauer aussehen können. Da macht die Liga mit Christian Seifert an der Spitze einen Top-Job. Was ist bei der Organisation zu beachten? Wie viele Menschen dürfen insgesamt teilnehmen? Auch die medizinische Task-Force leistet im Hintergrund gute Arbeit", sagt Bobic im kicker-Interview und erklärt: "Wir finden unsere eigenen kreativen Wege, die nichts mit einer Sonderbehandlung des Fußballs zu tun haben. Dabei arbeiten wir in unseren eigenen Strukturen, ohne jemanden zu belasten. Wenn das Paket voraussichtlich in dieser Woche fertig ist, wird sich zeigen, dass der Fußball in der Krise einen sehr professionellen Job gemacht hat. Viele andere Verbände tun sich damit total schwer." In diesem Zusammenhang könnte die mit Spannung erwartete DFL-Mitgliederversammlung am kommenden Donnerstag aufschlussreich sein.

Lehren aus der Krise? Bobic weist auf Doppelzüngigkeit hin

Mittelfristig wird die Frage zu diskutieren sein, wie sich der Profifußball besser vor künftigen Krisen schützen kann. Über einen gemeinsamen Fond? Oder strengere Liquiditätsanforderungen bei der Lizenzierung? "Das wird im Nachgang zu diskutieren sein. Genauso wie die Frage, ob die Vereine ein gewisses Eigenkapital bilden müssen und nicht am Limit investieren. Einerseits muss jeder Klub schauen, dass er für solche Fälle Geld zur Seite legt", sagt Bobic, weist allerdings auch auf eine gewisse Doppelzüngigkeit hin: "Andererseits ist es aber auch heuchlerisch, so etwas zu fordern, denn wenn man Geld auf dem Konto hat, heißt es von der Fangemeinde und auch den Medien: Investiert doch mal, geht ins Risiko, wir wollen Erfolge sehen. Wie oft habe ich dieses Thema schon gehört? Dennoch sollten wir besprechen, was möglich ist, um sich auf eine solche Situation halbwegs vorbereiten zu können."

Lesen Sie im kicker-Interview (Montagsausgabe) - im eMagazine für nur 99 Cent pro Woche - außerdem, warum Bobic glaubt, dass es im Sommer viele arbeitslose Profis geben wird, weshalb es für Filip Kostic trotz der Krise einen Markt gibt, wie sein Alltag als Manager, der mit vielen Fragezeichen die neue Saison planen muss, zurzeit aussieht und warum er aktuell keinen Zeitdruck sieht, mit Trainer Adi Hütter über eine vorzeitige Vertragsverlängerung zu sprechen.

Julian Franzke

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