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DFB-Trainer-Videosprechstunde: "Die Position ist sekundär, Spielminuten wichtiger"

Amateurtrainer holen sich Tipps bei den Profis

DFB-Trainer-Videosprechstunde: "Die Position ist sekundär, Spielminuten wichtiger"

Christian Wück und Marc-Patrick Meister nahmen sich Zeit für die Fragen.

Christian Wück und Marc-Patrick Meister nahmen sich Zeit für die Fragen. imago images

Die landesweite Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie wollte der DFB deshalb ganz bewusst nutzen, um für die Kollegen im Amateur- und Jugendbereich da zu sein. Nachdem vor zwei Wochen Stefan Kuntz (U21) und Meikel Schönweitz (Cheftrainer U-Nationalmannschaften) den Anfang machten ), standen in der vergangenen Woche Manuel Baum (U20) und Guido Streichsbier (U19) Rede und Antwort . An der dritten und letzten Gesprächsrunde nahmen nun Christian Wück (U17) und Marc-Patrick Meister (U15) teil. Eine Auswahl.

Alex Naimoli (Offenburger OV, Jugendtrainer): Wie unterscheidet sich die Arbeit in einem Nachwuchsleistungszentrum von der als Jugendnationaltrainer was die Trainingsgestaltung angeht? Der entscheidende Unterschied, so erklärte Wück, sei natürlich, dass man sich nicht beinahe täglich sehe. Im intensiven Kontakt mit den Spielern stehe man dennoch, eben über andere Kommunikationswege. "Der große Unterschied ist der Zeit-Parameter", betont auch Meister, "wir müssen natürlich wissen, woran die Jungs in ihren Vereinen arbeiten, damit wir das in unseren Lehrgängen aufgreifen können." Elementar ist somit die Vorbereitung. "Wir müssen unser Training top vorbereiten, alles ist durchgeplant, entsprechende Schwerpunkte gesetzt. Wenn die Jungs zu uns kommen, ist die Gegnervorbereitung etwa längst abgeschlossen. Die Jungs dürfen nie das Gefühl haben, dass improvisiert wird", erklärt Wück. Weil jedes U-Team einen Trainerstab bestehend aus Chef-, zwei Assistenz-, einem Torwart sowie einem Athletiktrainer hat, können man im Lehrgang individuell auf jeden eingehen. "Während der eine Assistent sich vermehrt um die Offensive kümmert und der andere um die Defensive, behalte ich den Überblick über das Große und Ganze", so Wück.

Timo Vöhl (Frankenberg): Der Fitnesszustand der Spieler ist zu Beginn der Vorbereitung oft unterschiedlich. Ähnlich wird es wohl beim Einstieg nach der Corona-Pause aussehen. Wie holt man jeden am besten ab? Wück empfiehlt, die Mannschaft in gesplitteten Gruppen trainieren zu lassen und sie durch eine individuelle Steuerung der Intensität auf "ein Level zu bekommen, sodass sie von der Athletik und der Grundlagenausdauer wieder auf ein Niveau kommen". Das Ganze sollte seiner Meinung nach im gewohnten Trainingsbetrieb mit dem Ball passieren. "Ich bin kein Freund davon, die Athletik spezifisch zu trainieren. Man kann die Schnelligkeit und die Ausdauer genauso über Spielformen abdecken." Das vier gegen vier oder sieben gegen sieben auf verschiedenen Feldgrößen bietet sich beispielsweise an. Beim DFB wird in dieser Hinsicht zudem einen großen Wert daraufgelegt, dass der Kopf nicht vergessen wird. "Die Spieler müssen neben den technischen Fähigkeiten auch vom Kopf her wach sein, wir wollen sie zum mitdenken anregen, etwa über anzuspielenden Tore, die ständig wechseln."

Philipp Hoffman (SV Röchling Völklingen, U15-Trainer): Die Diskussion um die Position ist häufig ein Thema, auch im Gespräch mit Eltern. Wir vertreten die Meinung, dass gerade in den jüngeren Jahrgängen Spielpraxis wichtiger ist, die Position zweitrangig. Wie handhabt ihr das? "Das ist genau die richtige Herangehensweise", betont Wück. "Bei uns spielen viele Spieler auch auf anderen Positionen wie in ihrem Verein. Für die individuelle Ausbildung ist es nur förderlich, wenn die Spieler wissen, wie sie auf unterschiedlichen Positionen zu reagieren haben. Wichtig ist nur, dass sie nach den vorgegebenen Leitlinien spielen. Da ist die Position sekundär, Spielminuten viel wichtiger. Denn ein Spieler muss wissen, wie er sich auf dem Platz orientieren muss oder im Defensivverhalten zu arbeiten hat, als Zehner genauso wie als Verteidiger."

Jonas Flatten (TuS BW Königsdorf, U15-Trainer und U19-Co-Trainer): Wie kann ich die Entscheidungsfindung der Spieler spezifisch trainieren? Wichtig sei, die Übungsform "nicht isoliert etwa in einem Passtraining, sondern in einem Spielmodus möglichst nah an wirklichen Situationen anzugehen", erklärt Meister. Noch besser sei es dann, die Übung positionsspezifisch zu betrachten: "Als Außenverteidiger am Rand des Spielfelds hat man weniger Handlungsmöglichkeiten als im Mittelfeld. Dafür ist die Position meist nicht so sehr umkämpft. Das sollte man darstellen", empfiehlt Meister. Wenn möglich, sollte man auch die Videounterstützung zur Hilfe nehmen, um dem Spieler im Nachgang zu zeigen, welche Optionen ihm noch offen standen.

Matthias Holz (FC Lauingen, U15-Trainer): Wir wollen den Spielern das Thema gesunde Ernährung näherbringen. Wie geht der DFB damit um? Die Akademie des DFB arbeite ständig mit Ernährungswissenschaftlern zusammen, die die neusten Erkenntnisse mit hereinbringen. Vor jedem Lehrgang stimmt die medizinische Abteilung mit der Sportschule beziehungsweise dem Hotel dann den Essensplan ab. "Das ist aber alles relativ normales Essen. Kohlenhydrate wie Nudeln, Gemüse, auch Fleisch, meist Pute oder Hähnchen. Wir achten natürlich auf die Vitamine", erklärt Wück. Drei Stunden vor dem Spiel gibt es dann die letzte Mahlzeit. In der Halbzeitpause werden Bananen, Nüsse sowie elektrolythaltige Getränke angeboten. Nach einem Erfolg wird aber durchaus auch mal ein Auge zugdrückt. "Die Jungs dürfen sich selbstverständlich auch mal mit einer Pizza belohnen", schmunzelt Wück.

Moritz Kreilinger