100 Jahre kicker

Bibiana Steinhaus: "Plötzlich lagen sechs kicker-Ausgaben im Hotel"

Die deutsche Schiedsrichterin erinnert sich an die WM 2019

Bibiana Steinhaus: "Plötzlich lagen sechs kicker-Ausgaben im Hotel"

Die deutsche WM-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus

Nur ein Einsatz in Frankreich, bevor der Muskel zwickte: Die deutsche WM-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. imago images

Denn erstmals wurden im Rahmen eines Frauen-Endturniers zwei deutsche Frauen-Referees eingesetzt - diese Marke erreichten in Frankreich nur Kanada und Australien. Insgesamt kamen 27 Schiedsrichterinnen zum Einsatz, die beim Turnier 2019 erstmals durchgeführten Videobeweis von 15 männlichen Kollegen unterstützt wurden.

Auch bei den Video-Assistenten stellte der DFB mit drei Unparteiischen - Felix Zwayer, Sascha Stegemann und Bastian Dankert - das größte Kontingent. Aufgrund von zahlreichen Regeländerungen traf die internationale Schiedsrichter-Gilde bereits am 29. Mai 2019 in Paris ein, um sich in gemeinsamen Schulungen auf die am 7. Juni beginnende Endrunde vorzubereiten.

Der kicker berichtete ausführlich über die anstehende Frauen-WM, die Hoffnung war vorhanden, dass das deutsche Team nach den Erfolgen von 2003 und 2007 den "Traum vom dritten Stern" ausleben könnte. Unmittelbar vor Turnierstart erschien der kicker mit einem Wende-Titel, quasi einem Sonderheft zur Frauen-WM in der aktuellen Ausgabe vom 6. Juni 2019. Darin ging es auch um die Schiedsrichterinnen Steinhaus, Hussein, die Schiedsrichter-Assistentin Katrin Rafalski sowie ihre männlichen Kollegen aus dem Video-Keller.

Der Wende-Titel des kicker vom 6. Juni 2019 zur anstehenden Frauen-WM

Der Wende-Titel des kicker vom 6. Juni 2019 zur anstehenden Frauen-WM.

Natürlich waren Steinhaus & Co. gespannt, was über sie in dieser Vorschau zur WM geschrieben wurde, doch es stellte sich nicht als ganz so einfach heraus, in Paris zeitnah an eine aktuelle Ausgabe des kicker zu gelangen.

Bibiana Steinhaus erinnert sich:

"Im Vorfeld der Frauen-WM 2019 hat der kicker Riem Hussein und mich besucht, um eine Geschichte über die beiden deutschen Schiedsrichterinnen zu recherchieren, die bei dieser Veranstaltung zum Einsatz kommen sollten. Die Story erschien dann am Donnerstag vor Turnierbeginn. Da waren wir schon in Paris, weil die FIFA einen großzügigen Zeitraum zur Vorbereitung eingeplant hatte, zumal wir ja erstmals nach den zahlreichen neuen Regeln pfeifen mussten, die im März beschlossen worden waren. Wir begaben uns in der Nähe unseres Hotels in der Rue de Libourne, in der alle Unparteiischen untergebracht waren, auf die Suche nach der kicker-Ausgabe, wurden jedoch nicht fündig. Da wir aber sehr neugierig auf die Geschichte waren, haben wir dem zuständigen Redakteur eine WhatsApp-Nachricht geschickt und gefragt, ob er eine Lösung hätte. Plötzlich lag zwei Tage später ein Umschlag mit sechs Ausgaben des betreffenden kicker an der Rezeption des Hotels. Sechs, weil mit meiner Assistentin Katrin Rafalski sowie den Videoassistenten Felix Zwayer, Sascha Stegemann und Bastian Dankert sechs Deutsche in dem Text vorkamen. Wir sind dann bei nächster Gelegenheit gemeinsam in ein Straßencafé in der französischen Hauptstadt gegangen und haben mit großem Interesse gelesen, was der kicker über uns geschrieben hatte."

Der Muskel zwickt: Frühes WM-Aus für Steinhaus

Als der Ball dann rollte, war es speziell für Steinhaus ein wenig erfüllendes Event. Die große Pionierin des nationalen wie internationalen Frauen-Schiedsrichtertums erhielt nur eine Chance, um ihre Klasse auf dem Feld zu zeigen: In der Vorrunde pfiff sie das zweite Turnierspiel von Frankreich, das die Gastgeberinnen gegen Norwegen mit 2:1 gewannen. Danach bremste sie eine Muskelverletzung aus, die weitere Einsätze in der K.o.-Phase unmöglich machten. "Das ist sehr schade für sie, sehr schade für uns und sehr schade für den Fußball. Schließlich ist sie eine sehr gute Schiedsrichterin", betonte Pierluigi Collina, der oberste Referee der FIFA.

Hussein beweist sich als WM-Neuling

Riem Hussein

Drei Spiele in Frankreich gepfiffen, darunter den späteren Weltmeister USA: Die deutsche Schiedsrichterin Riem Hussein.

Gerade angesichts des Ausscheidens der deutschen Frauen-Mannschaft im Viertelfinale gegen Schweden (1:2) hatte sich Steinhaus, die unter anderem das WM-Finale 2011 und das Olympia-Endspiel 2012 gepfiffen hatte, durchaus Hoffnungen auf weitere große Spiele bei dieser WM machen dürfen.

Für WM-Neuling Hussein hingegen war das Turnier in Frankreich eine gelungene Generalprobe. Die 39-jährige Bad Harzburgerin leitete drei Partien: Neben den Gruppenspiele Brasilien gegen Jamaika (3:0) und USA gegen Chile (3:0) auch das Achtelfinale zwischen Norwegen und Australien, das erst im Elfmeterschießen (4:1) entschieden wurde.

Thomas Roth/bst

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